inex23.jpgSeit 13 Jahren im Geschäft und des Spielens immer noch nicht müde, so präsentierte sich die mittelalterliche Rockband „In Extremo“ am 31. Juli auf dem Museumsplatz in Bonn. Kurz vor ihrem Auftritt, welcher auch auf diversen Internetportalen live übertragen wurde, gab uns Boris Pfeiffer alias Yellow Pfeiffer ein Interview.

Euer Album “Sängerkrieg” ist das erste von euch, dass sofort auf Platz 1 der Albumcharts eingestiegen ist. Kannst du dich noch daran erinnern was du gedacht hast als du davon gehört hast?
Oh wir haben uns einfach wahnsinnig gefreut, weil es ja das ist was man von den Fans zurückbekommt.
Wir arbeiten jetzt seit 11 Jahren zusammen mit einem großen Tross an Leuten und es ging stetig bergauf. Ja, wir haben uns gefreut – ganz klar.

Also kein spezielles Ereignis am Abend, dass ihr gesagt habt: Das müssen wir jetzt begießen?
Doch klar. Die Kollegen sind neulich aus Spanien wiedergekommen und dann haben wir uns noch ganz spontan in der Kneipe getroffen, also die, die zu kriegen waren. Ja und später saßen wir auch noch zusammen und haben gefeiert.

Zu eurer Single “Frei zu sein” habt ihr ein Video gedreht. Wie sehr interessiert ihr euch für Airplay wie z. B. auf VIVA oder MTV?
Eher gar nicht. Also die wollen uns nicht spielen und werden auch nicht gespielt. Ich denke, das ist auch ein wenig überbewertet, weil ich glaube eher, dass die Leute bei youtube rumgucken und im Internet rumzappen. Viva und Mtv sind wohl nicht mehr wirklich spannend. Das ist aber meine Meinung.

Dreht ihr das schon prinzipiell für euren Youtube-Channel?
Also wir wissen, dass wir nicht gespielt werden. Wir haben‘s immer mal wieder probiert und waren immer mal am kratzen und haben gehofft, dass man doch mal gespielt wird, aber das hat eigentlich nie funktioniert. Die sagen uns auch im Vorfeld, das machen sie nicht. Wir wussten vor dem Video schon, dass wir keine Chance haben – egal wie das Video wird. Das haben die uns ganz klar gesagt.

Dieses Konzert heute Abend wird ja auf einigen Internetsites übertragen. Wie kamt ihr auf die Idee und was ist daran das Besondere für euch?
Für mich ist der Gedanke noch recht neu. Mal gucken. Ich weiß noch nicht 100%ig was ich davon halten soll. Ich freu mich eher, wenn die Leute kommen und sich das live angucken. Sich das im Internet angucken ist ja eher wie in ein Fenster rein zu schielen.

Also abwarten?
Ja. Ich selbst habe mir im Internet noch nie live ein Konzert angeguckt.

Ihr arbeitet ja hin und wieder mit anderen Musikern zusammen, wie z. B. Thomas D, Rea Garvey oder Henning Wehland, die alle aus anderen Musik Genres kommen. Wodurch entscheiden sich solche Zusammenarbeiten?
Thomas D. z. B. haben wir damals ein paar Mal auf Festivals getroffen und haben mit ihm gequatscht. Solche Zusammenarbeiten entstehen aber immer durch persönliche Kontakte. Marta hat bei uns auch mal mitgesungen, Steffi von Silbermond. Es ist jetzt nicht so, dass man guckt: was gibt es noch so. Man begegnet den Leuten, findet sie sympathisch. Daher kann es auch sein, dass sie aus einer ganz anderen Sparte kommen. Liebe Menschen gibt es ja überall – fast überall.

Das ist jetzt aber nicht so, dass jeder von euch sagt mit wem er denn gerne mal zusammenarbeiten würde und fragt dann an?
Doch, aber das ist schon eine Mischung aus beidem. Mit den Vorbands ist es ähnlich. Heute ist es Jeff Martin. Wir waren vor 10 Jahren mit der kompletten Band auf einem The Tea Party Konzert und fanden das auch ganz grandios. Jeff Martin ist halt der Kopf von denen und dann haben wir über einen anderen Menschen, der Jeff Martin widerum besser kennt, nachgefragt, ob er nicht mal Lust hätte als Vorband zu spielen.

Viele Bands lassen sich ja von Sagen oder Legenden inspirieren. Ihr seid dazu übergegangen einige Texte komplett zu übernehmen. Wie kam es dazu?
Ein Teil der Band kommt ja aus der Mittelalterszene, d. h. sie haben mit mittelalterlicher Musik angefangen und dort hat man noch in erster Linie Originaltexte und Stücke benutzt und das ist so der Ursprung. Man durchstöbert hin und wieder mal Liedsammlungen in Museen oder kramt in Musikbüchereien und so ist man halt an die Stücke rangekommen und jeder war immer froh, wenn man ziemlich viele Originale hatte, die man verwenden konnte.

Ihr habt ein relatives neues Lied gecovert, davor schon “This Corrosion”. In Extremo gab es auch schon Akkustik. Gibt es etwas, was ihr noch machen wollt oder was vielleicht in Planung ist?
Also die Platte ist ja gefühlmäßig gerade erst rausgekommen, da ist man jetzt erst mal ein bisschen leer. Wir wollen garantiert noch ganz viel machen, aber was das jetzt noch ist… Wir haben jetzt erst mal die ganze Energie in die Platte gesteckt und was da jetzt noch als nächstes kommt, kann ich dir noch nicht sagen.

Worauf achtet ihr, wenn ihr die Setlist zusammen stellt? Habt ihr ein bestimmtes Schema?
Ja, wir haben jetzt weit über 100 Stücke und das wird immer schwieriger. Wir sitzen dann zusammen und jeder hat so seine Favoriten und wenn du jetzt mal an die Wand guckst, das sind 22 Stücke für heute Abend. Man guckt immer, dass man was von den alten Platten nutzt und etwas von den Neuen und dass man das dann auch mal wieder wechselt. Aber es wird definitiv immer schwieriger.


Schon mal auf die Idee gekommen sowas wie eine Fan-Setlist erstellen zu lassen?
Jaa, wir haben auch mal mit dem Best-of Album angefangen die Fans voten zu lassen. Aber so eine komplette Setlist für einen Abend halte ich für ein bisschen riskant. Man könnte es probieren, aber notfalls müssten wir da schon noch eingreifen, weil man guckt ja schon das man einen Spannungsbogen drin hat. Aber vielleicht machen wir das mal. Zumindest wäre das interessant.
*komische Klingeltöne schallen von draußen rein*
Das ist der Eiswagen, so ein kleiner Italiener im VW-Bus.

Früher seid ihr auf Mittelaltermärkten unter den Pseudonym “Unbefleckt” aufgetreten, musstet das allerdings aus verschiedenen Gründen aufgeben. Vermisst ihr diese Auftritte? Könntet ihr euch vorstellen so etwas noch mal neu aufleben zu lassen?
Ja die vermissen wir auf jeden Fall schon.
Dass es überhaupt zu so einem „Unbefleckt“ Konzert kam war schon faszinierend. Es kamen einfach immer mehr Leute und dann war es nicht mehr realisierbar, es waren dann zu viele Leute.
Du willst ja vor den Leuten stehen und die Anderen sollen auch was hören, die, die ganz hinten stehen. Kurzzeitig war es auch mal so, dass wir versucht haben, unter einem anderen Namen aufzutreten, aber das spricht sich zu schnell rum.
Wir haben auch mal zur Walpurgisnacht gespielt und das war auch das erste Konzert unter diesem Namen und da sind 4000 Leute gewesen und wir standen halt auf einer kleinen Bühne bzw. wir standen auf dem Rasen, ein paar Lampen über uns, und das haut halt nicht hin. Das kannst du nicht machen.

Könnt ihr euch denn das nochmal vorstellen?
Ja das schon, aber ich wüsste gerade nicht in welchem Rahmen oder wie man das machen könnte.

Gibt es etwas in eurem Leben oder eurer Karriere, das ihr ändern würdet wenn ihr könntet?
Wir möchten noch so das ein oder andere Land bereisen in dem wir noch nicht waren. Also Asien, sowas wäre schon mal ganz schickt, auch ganz Skandinavien. Wir waren zwar in Skandinavien, aber da hat man noch nicht so ganz den Fuß in die Tür bekommen. Das sind halt so Länder wo man gerne nochmal hinmöchte.

Wie beurteilt ihr die Situation in Deutschland was Newcomer Bands angeht? Gerade in eurem Genre, das ja Nachwuchs gebrauchen könnte.
Ja das ist ja ganz normal. Also ich beobachte das nicht so wirklich, aber ich weiß, dass es in der Szene immer mehr gibt. Aber das ist auch ok, ich mein es gibt auch 1000 Rockbands. Ist halt vielleicht nicht jeder mit der Materie so verwachsen wie wir, aber das ist schon ok.

Micha hat ja ein Patenkind aus der Dritten Welt, wie wichtig ist es dir dich mit sowas auseinander zu setzen? Gerade jetzt mit dem Aspekt der Kinderarmut in Deutschland oder der Klimaerwärmung.
Das sind erschreckende Themen. Ich selbst habe auch 2 Kinder und das macht einen schon nervös – die Unvernunft der Menschen. Aber man weiß ja auch nicht so wirklich was man machen soll.

Ich habe auch gerade gesehen, dass ihr zu Spenden aufruft…
Ja, wir haben auch heute einen alten Holzgalgen von uns mit den jemand in Erfurt ersteigert hat, den werden wir verteilen. Wir haben dann einfach mal die Initiative ergriffen, da uns ja auch einige Leute kennen, so haben wir einfach mal angefangen.

Eure Konzerte sind immer sehr spektakulär, es gibt sehr viele Pyrotechniken. Andere Künstler jedoch verzichten auf das Ganze und möchten sich lieber auf die Musik konzentrieren. Sie sind auch der Meinung, “der ganze Kram” würde nur von der Musik ablenken.
Ja, macht er ja auch, aber er kann es auch unterstützen.

Also denkst du eher, dass es auf den Künstler selber ankommt?
Ja und auch auf das Konzept und ob man das will und ob es einem Spaß macht. Wir kommen vom Mittelaltermarkt, ich habe früher jongliert, Micha hat Feuer gespuckt. Es gab Akrobatik, irgendwelche Zaubertricks, Animationen, also viel mit den Leuten reden, das war immer schon ne halbe Zirkusvorstellung, da gehört das irgendwie dazu. Man kann sich ja auch mit Jeans und Bier in der Hand auf die Bühne stellen, aber das ist nicht unser Ding. Das Auge soll schon was davon haben, man muss den Leuten schon was bieten. Ist zumindest unsere Meinung.

Gäbe es eine Rolle in einer Mittelalterverfilmung, die ihr gerne übernehmen wollen würdet?
Nie drüber nachgedacht *lacht*

Gibt es nicht irgendeinen typischen Charakter aus irgendwelchen Büchern?
*denkt nach* Och ich würde die Band gerne mal als Hobbit-Clique sehen *lacht* Also wir sind sehr feierwütig und haben unseren Spaß und nehmen uns selber nicht allzu ernst – das könnte schon passen. Zwar ist bestimmt nicht jeder aus der Band mit der Rolle zufrieden, der eine sieht sich dann doch lieber als Elb oder so, aber ich find so ein Saufgelage unter Hobbits ganz witzig.

Ja ich glaube das wäre ganz anmutig mit dem Locken und den Perücken.
*lacht*

Welche Frage, würdest du nie beantworten?
Komische Frage. Es gibt viele Fragen die ich nicht beantworten würde.

Aber vielleicht so eine Spezielle, wo du sagen würdest “Nö”?
Ja, wenn es zu sehr ins Private gehen würde, dann würd ich sagen “Stop”. Das muss nicht sein.

Welche Frage würdest du gerne mal gestellt bekommen?
Auch darüber hab ich nie nachgedacht. Sollte ich vielleicht mal tun, die wurde schon mal gefragt *lacht*

Ja die ist sehr beliebt
Stimmt.

Famous last words
Kommt und guckt zu!

Danke an Boris für das nette Interview

Lou&Melle/Rockinwords

www.inextremo.de
www.myspace.com/officialinextremo

[rockinconcerts: In Extremo]

Rockintalks: Boris Pfeiffer (In Extremo)
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