Emilie Autumn – 02.03.10 Bochum (Zeche)

Ich weiß, das man Pferde nie von hinten aufzäumen soll, aber hier geht es leider gar nicht anders. Emilie Autumn ist eine Ausnahmekünstlerin par excellence, die soviel mehr in ihrer 2 stündigen Show bietet als eine bloße Darstellung ihrer Musik. In ihren Shows geht es um ihr Leben, das Erlebte und die Verarbeitung der Dinge, die in ihrem Leben geschehen sind. Es ist eine Erzählung die dem Publikum dargeboten wird, in der Emilie Autumn und ihre Bloody Crumpets ihr Leben erzählen.

Doch gehen wir zurück zum Anfang. Um 18 Uhr hatten sich an der Zeche bereits einige Fans versammelt. Einige um auf den regulären Einlass zu warten, doch die meisten um in den Genuss eines exklusiven Events zu kommen. Emilie Autumns lang erwartetes Buch ‘Asylum…’ ist vor nicht allzulanger Zeit erschienen und konnte vorab mit einem VIP Ticket geordert werden. Das VIP Ticket beinhaltete nicht nur dieses unglaubliche Werk, das die Geschichte um Emilie Autumn erzählt, sondern auch den Zugang zu einer Lesung. So betraten wir zusammen mit den 25 glücklichen die Zeche um bei diesem Event dabei zu sein.
Wer wissen möchte wie Fannähe und vorallem Fanliebe aussieht, braucht sich nur das strahlende Gesicht einer Emilie Autumn ansehen, wenn sie ihre Plagues sieht. Die Art und Weise wie sie mit den Fans interagiert gibt jedem von ihnen das Gefühl, einzigartig zu sein.
Nach einer kurzen Signierstunde und einer Fotosession mit Emilie fing die, leider, ziemlich kurze Lesung an. Die amerikanische Sängerin las einen Brief aus dem Asylum vor, in dem es überwiegend um die Verzweiflung geht, die ein jeder Insasse in einer Nervenheilanstalt verspürt, dass selbst die Geister der Toten nie diesen Ort verlassen können. Sie erzählte, dass sie ein kleines Mädchen in ihrer Zelle sah, doch dass sie keine Angst vor Geistern, sondern vor Menschen hat. Ein Satz den man, anhand ihrer Vorgeschichte, ohne Zweifel glaubt.
Und schon ist der intime Blick in ihre Seele vorbei und Emilie muss sich für die Show bereit machen. Die Priority Fans dürfen in der Zeche bleiben und den Platz vor der Bühne einnehmen. Eine weitere Stunde später ist die Zeche gut gefüllt und während aus den Lautsprechern zur Einstimmung die passende Musik mit einer Mischung aus viktorianischen Einflüssen und 50’s Style drängt, werden auf der Bühne die letzten Requisiten und Muffins an ihren Platz gebracht.
Dann geht das Licht aus, Ketten rasseln, Türen knallen und Best Safety lies in Fear schallt aus den Boxen zu dem nach und nach die Bloody Crumpets auf die Bühne kommen. Erst die Piratin Maggot, dann die Distructive Doll Aprella, gefolgt von der Nymphomanin Veronica und der Contessa, der betenden Kannibalin.

Erst mit den Tönen von 4 O’clock erscheint die Silhouette des Rattenmädchens Emilie hinter einem Transparent, die sich langsam während des Liedes nach vorne bewegt. Und hier beginnt schon die Faszination einer EA Bühnenshow. Die Lieder werden nicht nur heruntergespielt, sondern dargeboten mit einer Show die nicht ablenkt, sondern dazu gehört und das ganze erst kompletiert.
Nach Opheliac sitzt Emilie umringt von den anderen in einem Rollstuhl, Aprella und Veronica mit Blumen in den Händen, tanzen zu den Klängen von The Art of Suicide um sie herum, während Emilie ein bizarr schönes Rollstuhlballett darbietet, dass sich wunderbar zu den Bewegungen der anderen einfügt. Maggot und Contessa erscheinen auf der Bühne, Angeln in der Hand an denen der Mond und ein Stern hängt, nach denen sie greifen doch nie erreichen.
Wer bis dahin immer noch nicht weiß, dass man sich in der realen Scheinwelt von Emilie Autumns Asylum befindet, weiß es spätestens nach der unglaublichen Vorstellung der Contessa mit einer Stimme, auf die jeder Jahrmarktschreier neidisch wäre und die zum Schluss banal feststellt ‘I’m not insane’, was Emilie die trockene Bemerkung entlockt ‘Right, she eats people’.
Fünf wunderschöne Frauen mit Sarkasmus und Zsynismus auf der Bühne. Man kann sich denken, wie es da zu geht. Lachend, giggelnd, manisch, hysterisch. Und auf einmal ist nur noch Emilie da um alleine Shalott mit einem Enthusiasmus zu spielen, das es eine Freude ist ihre roten Haare rumwirbeln zu sehen. Nachdem sie sich an dem Keyboard ausgetobt hat, ist es Zeit für [b]Dominant[/b] zu dem Veronica ganz alleine, mit zwei großen Federfächern bestückt, die Bühne betritt und lässt die Mädels aus der Pariser Crazy Horse Show mit ihrem Burlesquetanz mehr als nur blass aussehen.
Nach einem Gebet mit der Contessa, dem Song God help me folgt das Rat Game. Ein Spiel das sich die Verführerin der Bloody Crumpets ausgedacht hat, aber erst spielen darf, wenn sie es schafft Emilie auf dem Keyboard mit weniger als vier Fehlern zu begleiten. Bei dem Song Unlaced ein wahres Kunststück und so sieht man fasziniert Veronica an den Keyboards zu, während Emilie das erste mal an diesem Abend ihr Markenzeichen hervorholt: Die Violine. Auch Aprella erscheint auf der Bühne, mit Ballettschuhen, Maske und zwei Gehstöcken tanzt sie alleine mit der musikalischen Untermalung der beiden Instrumente.
Mit 306 folgt ein weiteres Highlight der Show. Eine Stoffbahn wird von der Decke gelöst und während Emilie das Stück performed, erscheint die Contessa, greift nach dem Stoff und zieht sich hinauf in luftige Höhen und bietet eine Akrobatik dar, die man wohl sonst nur in einem Cirque du Soleil zu sehen bekommt. Atemberaubend und fantastisch was sich da vor einem abspielt.
Nach Songs wie Dead is the new alive, Misery loves Company und Let the records Show neigt sich die Show langsam dem Ende zu und mit Thank God I’m pretty ist es dann auch soweit. Das letzte Lied der Show, ehe sie noch mal zur finalen Verabschiedung auf die Bühne kommen und die Lichter endgültig ausgehen und sie zurück gehen. Zurück zu ihrem Sanctuary, ihrem Fluchtort.

Was bei Emilie und ihren Bloody Crumpets auf der Bühne geschieht ist schiere Magie. Es passiert soviel, dass man mit Sicherheit einiges verpasst, wenn man sich nur auf eine Sache konzentriert. Alles zusammen ist eine perfekte Mischung, die eine Geschichte erzählt, die einen mitnimmt und nicht mehr los lässt. Definitiv ein Besuch wert, denn man nimmt soviel mehr mit nach Hause als nur ein paar schöne Erinnerungen an eine tolle Live Show und fünf wunderschönen Frauen mit einem unglaublichen Talent.

Melle / Rockinwords


Rockintalks: Emilie Autumn

www.emilieautumn.com
www.myspace.com/emilieautumn

Rockinconcerts: Emilie Autumn
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