Bereits in den frühen Morgenstunden hatten sich einige wenige Menschen vor dem Palladium in Köln-Mülheim versammelt, um den ganzen Tag und frühen Abend dort auszuharren und auf das Konzert einer Band zu warten, die ein Jahr zuvor noch in der Live Music Hall gespielt hatte: 30 Seconds To Mars, die Band um Schauspieler und nun auch erfolgreichem Sänger Jared Leto.

Dieses Jahr sollte es eigentlich das E-Werk sein bis die Nachfrage jedoch so groß wurde, dass kurzerhand ins nun auch ausverkaufte Palladium verlegt wurde.

Vor dem Konzert jedoch gab es für einige Auserwählte (organisiert vom Echelon-Streetteam der Band) etwas ganz besonderes: Sie durften beim Soundcheck dabei sein und sich u.a. ein neues Stück vom kommenden Album anhören. Sowas nennt man Fanliebe.

Kurz vor dem Einlass liefen noch ein paar Streetteamer die hunderte Meter lange Schlange vor der Halle ab und verteilten blaue und weiße Rosen sowie Plakate mit der Aufschrift „We’ll never fade away” mit der Anweisung, letzteres hochzuhalten, während 30 Seconds To Mars „The Fantasy” spielen würden.

Das lange Warten der Erstankömmlinge hatte gegen 19.00 Uhr ein Ende, als sich endlich die Tore des Palladiums öffneten und der Einlass begann. Dieser ging ziemlich zügig von statten und schnell sammelten sich die Besucher im Foyer, bei den Toiletten, an der Garderobe oder schauten am Merchandise vorbei. Bevor das Licht zum ersten Mal an diesem Abend ausging, hatte sich die eigentliche Konzerthalle gut zur Hälfte gefüllt und gespannt erwartete man die Vorband Fullduplex.

Diese war einem vorher beschrieben worden als „Manson und Rammstein auf Techno”. Okay, Manson und Rammstein hörte sich interessant an, Techno eher weniger. Leider beschränkten sich Fullduplex im Laufe des Abends auf Techno, Manson- oder Rammsteineinflüsse waren nirgends rauszuhören und man dachte angestrengt darüber nach, wer auf die Idee gekommen war, diese Band mit 30 Seconds To Mars auf Tour zu schicken. Eine Erklärung wäre vielleicht ein ausgefallener Musikgeschmack von Jared Leto, leider blieb dieses Rätsel ungelöst. Der Applaus des Publikums steigerte sich von Song zu Song. Nicht, weil die Musik so gut war, sondern weil man dem Ende dieses Auftritts und somit des Loveparadefeelings immer näher kam.

Nach einer gefühlten Ewigkeit verließen Fullduplex (unter tosendem Applaus) die Bühne und das Licht ging wieder an. Die Halle füllte sich merklich, einige verschreckte Zuschauer kehrten aus dem Foyer zurück und jeder suchte sich angestrengt einen Platz, von dem er einen möglichst guten Blick auf die Bühne hatte. Kurz vor dem Ende der Umbaupause sah man dann auch deutlich, dass das Palladium restlos ausverkauft war. Es gab immer noch genug Menschen, die vom Foyer aus durch die Türen versuchten, einen Blick auf die Bühne zu erhaschen.

Nach einer Weile ging zum zweiten Mal an diesem Abend das Licht aus – und der Lärmpegel stieg. Es ertönte das altbekannte Intro „Oh Fortuna” und hinter dem weißen Vorhang, der vor die Bühne gehangen worden war, bewegten sich vereinzelte Schatten. Dem Kreischen aus dem Publikum nach zu urteilen, erkannte man Jared Leto schon an seiner Art zu gehen, die Gitarre zu halten und anderen Kleinigkeiten, die man in dem Moment nur erahnen konnte. Wenige spannende Minuten später war es endlich soweit. Der Vorhang fiel und ein wundervolles Konzert konnte beginnen.

Leto bereitete seinen Fans an diesem Abend einen etwas ungewöhnlichen Anblick: Die Frisur erinnerte im ersten Moment an die Beatles, der blaue Mantel an einen Arbeitskittel und mit dem breiten weißen Strich quer über die Augenpartie konnten wohl nur die eingefleischten 30 Seconds To Mars-Fans etwas anfangen. Hintergrund war das Engagement der Band für den Klimaschutz. Das Video zur aktuellen Single „A Beautiful Lie” wurde in der Arktis gedreht, um auf eben dieses Thema aufmerksam zu machen. Auch von den „Echelons”, den ausgewählten Streetteammitgliedern, die vor der Show schon den Soundcheck beigewohnt hatten, wurde diese Thematik an dem Abend wieder aufgegriffen. Sie symbolisierten dies mit blau-weißen Outfits und einem breiten weißen Strich über der Augenpartie. Nach dem Soundcheck schloss sich der Frontsänger dem also an, schminkte sich dementsprechend, warf sich in ein weißes Hemd und einen blauen Mantel und stand dem Publikum nun so gegenüber.

Opener der Show war nach dem Intro „Battle of one” gefolgt von der erfolgreichen Single „From Yesterday”. Schon nach dem ersten Stück hatte die Band die Zuschauer voll auf ihrer Seite. In der Halle entfaltete sich eine ganz eigene Stimmung, die es wohl nur bei 30 Seconds To Mars gibt. Die Fans sangen jedes einzelne Wort mit und auch die Band schien Gefallen an diesem Abend zu finden. Über das merkwürdige Outfit von Jared konnte man locker hinwegsehen. Das einzige, was noch zählte, war die Musik und die war wirklich unglaublich gut. Obwohl das Palladium für seine teilweise schlechte Akustik bekannt ist, war der Ton bei diesem Auftritt wirklich gut. Da hatte der Tontechniker anscheinend ganze Arbeit geleistet.

Das erste Highlight des Abends war wohl der MTV-Gewinner, der bei „From Yesterday” mit auf die Bühne und Gitarre spielen durfte. Dieser wurde dem Publikum vorgestellt und grinste natürlich bis über beide Ohren. Kein Wunder, wenn man dieser Band auf so einer Bühne stehen darf und sei es nur für knappe vier Minuten.

Danach folgten Songs wie das etwas ruhigere „The Story” gefolgt von der aktuellen Single „A beautiful lie” und dem Hit „The Kill”, bei dem die Zuschauer auch zur Genüge zum Einsatz kamen und nach welchem Jared dann bekundete, dies sei das beste Publikum der Tour. Danach bat er alle in der Halle um Ruhe, um dann zu sagen „Let us share this very special moment together…”. Man mag es ihm glauben oder nicht, aber in dem Moment fühlte sich wohl jeder Fan, als gehöre er wirklich zu dem besten Publikum, welches die Band auf ihrer Europatour bis dato erlebt hatte.

Mitten im Konzert wurden dann „Scheiß Tribüne!”-Rufe laut, wie man sie dank den Ärzten von Rock am Ring 2007 kannte, die den Menschen oben auf dem Balkon gewidmet waren. Die Band untermalte dies spontan musikalisch, Jared fand das ganze sehr lustig ohne zunächst zu verstehen, worum es eigentlich ging. Nach ein paar Minuten jedoch blickte er nach oben, zeigte seinen Mittelfinger und sagte „Does it mean ‚Fuck you‘?!” Klatschen und Jubeln aus dem Zuschauerraum bestätigte ihn in seiner Annahme, woraufhin er in alle Richtungen „Fuck you!” rief, vom Publikum die entsprechende Antwort bekam und die ganze Sache mit „Thank you, now I feel better.” beendete.

30 Seconds To Mars spielten noch R-Evolve und Attack, bevor sie sich vorerst verabschiedeten und die Bühne verließen. Nach einigen Zugaberufen von den tobenden Fans spazierte Mr. Leto nur noch im weißen Hemd mit einer Akustikgitarre bewaffnet zurück auf die Bühne und fing an, ein bisschen auf dem Instrument herum zu klimpern. Er spielte zunächst „Message in a bottle” an, den Police-Klassiker, der nach eigenen Angaben zu seinen Lieblingsliedern zählt, danach folgte ein Stück „Oblivion”. Nach Nachfragen bei den Zuschauern, was er denn als nächstes spielen sollte, entschied er sich für „Echelon” und „A modern myth”. Diese kurze Akustiksession war eine wunderbare Idee für ein sowieso schon gelungenes Konzert. Die Halle schien den Atem anzuhalten, während man nur die Klänge der Gitarre und Letos unglaublich gefühlvolle Stimme vernahm.

Band und Publikum schienen durch die ganz besondere Stimmung zusammen zu wachsen und man vermochte nicht an das immer näher rückende Ende der Show denken.

Vorher jedoch betrat auch wieder der Rest der Band die Bühne und es wurde für drei letzte Lieder noch einmal gerockt. Kurz vor Schluss beschloss Jared, noch ein bisschen Deutsch zu lernen, in dem er übte „Köln” auszusprechen. Man hörte zweimal ein genuscheltes „Cologne” woraufhin schon gejubelt wurde (er hätte wohl wer-weiß-was sagen können und alle wären begeister gewesen). Dann stellte er selber klar „Not ‚Cologne‘!” und hauchte „Köln” ins Mikro woraufhin sich wohl ein paar Reihen junger Damen Richtung Sanitäter verabschiedeten.

Zu guter Letzte wurde „The Fantasy” angestimmt. Sofort tauchten (leider nur vereinzelt) die Plakate und Rosen, die vor dem Konzert von dem Streetteam verteilt worden waren, auf. Es war, als versuchte jeder in der Halle, die letzten Momente dieser tollen Show in sich aufzusaugen und nie wieder zu vergessen.

Nach dieser letzten Zugabe verabschiedete sich die Band endgültig von seinem begeisterten Publikum und wieder füllte sich langsam aber sicher das Foyer des Palladiums mit Zuschauern, nachdem diese ihren Blick von der leeren Bühne hatten losreißen können.

Erschöpft aber glücklich machte man sich auf den Weg nach Hause – in der Hoffnung diese Band bald wieder live sehen zu können, die jedes ihrer Konzerte zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

Setlist:
Oh Fortuna
Battle of One
From Yesterday
Savior
Buddha for Mary
The Story
A beautiful lie
The Kill
R-Evolve
Attack
Message in a Bottle (solo)
Oblivion (solo)
Echelon (solo)
A modern Myth (solo)
Capricorn
The Mission
The Fantasy

Molle/Rockinwords
www.thirtysecondstomars.com
www.jaredleto-germany.de

30 Seconds To Mars live in Deutschland:

05.05.08 Berlin, Columbiahalle
06.05.08 Hamburg, Docks
07.05.08 München, Zenith

Rockinconcerts: 30 Seconds To Mars, Köln 11.2.08
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