14.10.2008 Underground – Köln
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Alle guten Dinge sind drei. Am 14.10.2008 beehren die sechs Finnen von Lovex mal wieder das Underground in Köln – diesmal im Schlepptau die Supportband White Flame, ebenfalls aus Finnland. Bereits am frühen Abend zeigt sich an der Menge vor der Halle, dass die Beliebtheit der Jungs aus Tampere mit jedem Konzert im Rheinland zu steigen scheint. Auch das Konzert am Vorabend in Hamburg ist ein voller Erfolg gewesen.
Der Biergarten vor dem Club ist  bereits gut gefüllt und eine Stunde vor Einlass bildet sich eine ordentliche Schlange vor den Türen, während White Flame noch mit ihrem Soundcheck beschäftigt sind. Am selben Abend findet  im Underground ein weiteres Konzert statt, jedoch ist  die Mehrzahl der Besucher augenscheinlich wegen den Skandinaviern da. Überall tummeln sich vorwiegend weibliche Fans vor dem Underground und blicken gespannt zwischen der Backstagetür und dem Bühneneingang hin und her um bloß nicht den Moment zu verpassen, in dem möglicherweise ein Bandmitglied von Lovex über den Platz huschen wird. Doch leider lässt sich keiner der begehrten Finnen blicken, lediglich die Vorband macht sich nach dem Soundcheck wieder auf der den Weg ins Backstage. [Anm. d. Red.: Da wir ein Interview mit Lovex hatten, während White Flame spielten, können wir euch leider keine Review zu der Vorband bieten.]
Ungefähr eine Stunde später wird das Warten belohnt: Die Türen zum Underground öffnen sich und der Einlass beginnt. Obwohl das Underground bei Lovex-Konzerten immer gut gefüllt ist – so voll wie an diesem Abend war es noch nie. Überall im Club drängen sich Fans möglichst nah vor die Bühne und nach kurzer Zeit stehen die Besucher bis auf dem Podest am hinteren Ende des Raumes. Der Club ist nahezu ausverkauft und  der Abend scheint  vielsprechend.
Nach White Flame wird es  vor und auf der Bühne unruhig, ebenso vor dem Club. Theon, Julian, Vivian und Christian schlendern aus dem Backstage hinüber zum Hintereingang, der auf die Bühne führt. Kurze Zeit später huschen  auch Sammy und Jason quer über den Platz während man im Underground nervös und aufgeregt die Band erwartet. Kaum ist die Band hinter der Bühne angekommen, geht  das Licht aus und  spätestens als das altbekannte Lovex-Intro erklingt, ertönen Jubelschreie. Die ersten Reihen drängen noch näher an die  Bühne. Nach und nach erscheinen Jason, Christian, Julian, Sammy uns Vivian auf der  Bühne. Der Applaus steigert sich nur noch einmal, als die Band den Opener „If she’s near“ anspielt und Sänger Theon die Bühne entert. Sofort beginnen Lovex mit ihrer wie immer energetischen Show und reißen das Publikum von der ersten Sekunde an mit. Gitarrist Vivian versucht, die Fans immer wieder zu animieren, welches ihm ohne große Mühe glückt und auch der Fronter sucht den Kontakt zu den Zuschauern. Er streckt seine Hände den ersten Reihen entgegen und sofort werfen sich die größtenteils weiblichen Fans nach vorne, um auch nur eine Sekunde Theons Hand zu halten. Ein Wunder, dass er während des ganzen Konzertes auf der Bühne bleibt und nicht wie in Prag ins Publikum gezogen wird.
Nach „If she’s near“ folgen „Bleeding“ und „Halfway“ – zwei Songs von Lovex‘ Debutalbum „Divine Insanity“. Der Club bebt und die Menge singt jedes einzelne Wort mit, auf den Wink von einem der Jungs hin fangen hunderte von Menschen an, den Rhythmus mitzuklatschen. Selten hat man so eine Stimmung während eines Lovex-Gigs in Deutschland erlebt. Es geht mit temporeichen Songs weiter und besonders „Ordinary Day“, welches in Finnland die nächste Single von „Pretend Or Surrender“ eignet sich zum Mittanzen. Die Fans hüpfen auf und ab und die Band lässt sich von der Stimmung anstecken. Immer wieder nimmt Vivian Theons Platz in der Mitte der Bühne ein, um dem Publikum einzuheizen und auch Sammy verlässt immer wieder die rechte Seite der Bühne, um zu Vivian hinüber zu laufen.
Erst zur Hälfte des Konzertes wird es ruhiger im Underground. Die Band ist von der Bühne verschwunden mit Ausnahme von Sänger Theon. Der bietet einen recht ungewöhnlichen Anblick, denn er hält eine Akustikgitarre in seinen Händen. Viele Lovex-Fans bekommen nun wohl das, worauf sie lange gewartet haben. Doch auch mit der Songauswahl überrascht der seit kurzem schwarzhaarige Finne. Am Vorabend in Hamburg spielte er noch „Easy“ mit der Begründung, dass er Lionel-Richie-Fan sei (Anm. d. Red.: „Easy“ ist im Original von den Commodores), heute jedoch ist es mal wieder „Fuck her gently“ von Tenacious D. Die Fans lauschen jedem einzelnen Wort und bemerken doch erst etwas später, worum es in dem Song geht. Eine Mischung aus Raunen, Quietschen und Lachen geht durch den Raum, doch der Sänger singt, ohne eine Miene zu verziehen, weiter. Er sieht aus, als würde er eine völlig dramatische Ballade zum Besten geben, während er einen der wahrscheinlich am wenigstens ernst zu nehmenden Songs der Welt performt. Doch auch diese etwas andere Soloeinlage belohnen die Zuschauer mit Applaus und Theon geht nahtlos zu einem anderen Song über und zwar zu „Turn“. Den meisten Fans hätte die Band an diesem Abend wohl keinen größeren Gefallen tun können, als diesen Song als Akustikversion zu spielen. Gerade bei Lovex ist es umso erfreulicher, wenn die Band sich mal etwas einfallen lässt, was sonst nicht normaler Bestandteil ihrer Shows ist. Das Publikum  übertönt den Frontmann beinahe und nach und nach kommen die restlichen Bandmitglieder auf die Bühne zurück, Theon stellt die Gitarre beiseite und gemeinsam performen sie den Rest des Songs, zu dem man vor ein paar Monaten erst das Video im Internet bewundern durfte – welches sich leider nicht der größten Beliebtheit erfreute.
Nach diesem besonderen Teil – auf der Setlist übrigens die „Toro-Show“ – ziehen die Jungs aus Tampere das Tempo wieder an und spielen Songs wie das Backstreet-Boys-Cover „Larger than life“, „Bullet for the pain“ und „Divine Insanity“.
„Take a shot“ ist der vorerst letzte Song des Abends. Auch die Fans geben nochmal alles und schreien förmlich jedes Wort mit. Nach dem Stück sind Lovex noch nicht ganz von der Bühne und schon hört man nichts mehr außer „Zugabe!“-Rufe. Das Publikum tobt immer noch. Lange lassen sich die Herren auch nicht bitten und es folgt der zweite ruhige Teil des Abends – Theon stimmt die Ballade schlechthin von ihrem neuen Album an: „Time and time again“. Hier und da liegen sich die Fans in den Armen und bestimmt fällt auch die ein oder andere Träne während auch Vivian, Sammy, Jason, Julian und Christian auf die Bühne zurückkehren. Noch einmal hält der Sänger hier und da mit einem Mädchen aus der ersten Reihe Händchen während die anderen aus den vorderen Reihen sich der Absperrung entgegen drängen. Auf die Ballade folgt das pure Gegenteil: „Belong to no one“. Fans und Band holen noch einmal alles aus sich heraus bevor das Konzert mit der allerersten Single „Guardian Angel“ zuende geht. Natürlich darf dieser Song nicht fehlen. Das letzte Drittel singt das Publikum quasi alleine und feiert damit ihre Band.
Schließlich endet ein wunderbares Konzert, welches eine Stimmung hatte, die viele Erwartungen bei weitem übertraf. Und auch nach dem Auftritt sind Lovex für ihre Fans da. Sie geben Autogramme, machen Fotos, nehmen Geschenke entgegen und unterhalten sich hier und da. Was die ‚Fanpflege‘ angeht, enttäuschen Lovex nie – wovon sich andere Bands eine Scheibe abschneiden sollten.
Hoffen wir, dass die sympathischen  Finnen bald wiederkommen und vielleicht sogar dieses Konzert noch einmal toppen.

Molle/Rockinwords

www.lovex-music.de
www.lovex.fi

Rockinconcerts: Lovex
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Ein Gedanke zu „Rockinconcerts: Lovex

  • 27. Oktober 2008 um 9:12 pm
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    tut mir leid, dass ich das jetzt hier hin schreibe, aber bei der band des monats kann man nicht kommentieren, was ich ja eigentlich getan hätte.
     
    uhm…ich finde es ehrlich gesagt etwas ungünstig lovex als boyband darzustellen, ohne zu differenzieren, wie das eigentlich gemeint ist. leute, die noch nie was von lovex gehört haben, halten sie nach dieser bandvorstellung vielleicht wirklich für eine boyband a la backstreet boys oder us5. du erwähnst nur kurz, dass es sich bei lovex um abwechslungsreiche rockmusik handelt. vielleicht hätte man den stil mal etwas näher beschreiben sollen, denn boybands verbinde ich persönlich mit pop, wenig gitarren (ja sogar einer externen band, weil boybands meist ihre instrumente nicht selbst spielen) und choreographien. sicher haben lovex einige poppige lieder, dafür keine dreckigen rocksongs, aber generell sind sie eben doch eine rockband, aber das kommt in der beschreibung gar nicht raus, weswegen sie meiner ansicht nach der band nicht so wirklich gerecht wird.erwähnenswert gewesen wäre an der stelle, wo du schreibst, dass lovex zu hause TH status haben, volljährige deutsche fans aber trotzdem hinfliegen, außerdem, dass lovex auch in finnland eine eingesessene, volljährige fanschaft haben, die auch zu den meisten konzerten geht. andererseits könnte man vielleicht auch mal die andere seite zeigen und sagen, dass ROCKbands, wie private line, genauso zig minderjährige fans zu ihren -s-gigs anziehen. die fankreise überschneiden sich in finnland ja auch ziemlich.du schreibst ja auch eigentlich, dass die boyband-bezeichnung scherzhaft gemeint ist, aber ich finde es wird durch die beschreibung total der eindruck erweckt, als wären sie wirklich eine. vielleicht sollte man auch erwähnen, was für eine band es gewesen ist, die lovex eine boyband genannt hat, um das durch die musikalischen differenzen zu erklären. ich meine, die beiden lovex-alben sind ohne zweifel ziemlich aufpoliert  und markttauglich gemacht (was sich aber auch be diversen anderen finnischen bands wiederfinden lässt, die man trotzdem nicht als boyband betitelt. ich denke da nur mal damals an sweet and deceitful zum beispiel), aber dennoch fließen in diese boyband-wertung doch wohl auch viele subjektive faktoren mit ein.und die sache mit den drogen… ;) drogenskandale sind bei boybands (bsb, oder auch britney) ja  auch keine seltenheit. bei uniklubi oder negative hätte vor ein paar jahren auch niemand erwartet, dass da mal derart mit drogen experimentiert wird… ich will damit nicht sagen, dass lovex früher oder später auch mal ihre drogen probleme haben (hoffe ich ehrlich gesagt nicht!), aber sie sind halt auch noch ne recht ‚kleine‘ band, die es noch nicht wirklich lange gibt.das einzige, was mich an lovex jemals wirklich an ne boyband erinnert hat, sind die outfits von bullet for the pain, wobei ich diese uniformiertheit gar nicht so schlimm finde (die japsenbands tuns ja auch und da sind RICHTIGE rockbands dabei), die kostüme an sich waren halt ein griff ins klo, was mich aber nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass törstig und vivianne höchstpersönlich die designt haben… :P

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