faq.jpg “Als Aushängeschild für Independent Electro-Pop Musik aus der Schweiz” so betitelte die Bravo die damalige Band Carpe diem, heute besser bekannt als F.A.Q. Das Neue Album “Whitechapel” steht in den Startlöchern und die sympathischen Schweizer sind gerade als Support auf der „Puppenspieler Tournee“ mit Unheilig unterwegs. Trotz Tourauftakt nahm sich Philip Noirjean einige Minuten Zeit um uns ein Interview zu geben.

 

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1. Wie und wann wurde FAQ bzw. Carpe Diem (wie ihr vorher hießt) gegründet?

Anfang der 90er wurde Carpe Diem gegründet, FAQ halt unter einem anderen Namen, dann mussten wir den aus rechtlichen Gründen ändern. Mit FAQ ging es dann so 2002 los, mit einem neuen Album und so weiter. War halt ein schwieriger Schritt, den Bandnamen zu wechseln. Wie neu anfangen, nicht ganz praktisch, muss man aber halt machen.

2. Wie kam es zu dem Namen “FAQ”?

Nachdem wir den Namen von Carpe Diem wechseln mussten, wurden wir jeden Tag gefragt: „Warum?”. Das wurde zur häufig gestellten Frage, was FAQ ja heißt – Frequently Asked Questions. Häufig gestellte Frage: „Warum ein neuer Bandname?”.

Das fanden wir ganz witzig.

3. Wie würdest du/würdet ihr eure Musik beschreiben?

Wir haben natürlich eine Wandlung durchgemacht. Das ging ja mal ursprünglich zu Rock Pop, klassisches Elektro, usw. Dann haben wir angefangen, Gitarre zu spielen. Es ist immer ein schwieriges Spiel, ich sag mal Progressive-Elektro-Musik, ein Ausdruck welcher sehr viel Spielraum lässt.

4. Wie entsteht ein neuer FAQ-Song?

Da gibt es verschiedene Prozesse, bei dem letzten Album haben wir getrennt Ideen gesammelt. Dann haben wir uns irgendwo ein Haus gemietet, das ganze Equipment rein und haben die Songs machen lassen und das ist auch am besten so, weil wenn du Zeit mit einander verbringst, wächst auch ein Song… mit einem neuen Album sowieso, weil es eine runde geschlossene Sache sein muss. Und dann haben wir uns wirklich versteckt, einen Monat lang, und haben dann die Songs geschrieben.

5. Wollt ihr mit eurer Musik etwas bestimmtes aussagen oder macht ihr das alles einfach nur, weil es euch Spaß macht?

Nee, klar macht es Spaß, aber Musik ist schon… – ich kann nur für mich sprechen – aber es ist schon lebensnotwendig, auf jeden Fall. Ohne geht gar nicht und das neue Album hat auf jeden Fall eine Aussage, weil wir ein Konzept haben und da war‘s mir ein Bedürfnis. Ich hab mich jetzt mit dem Thema „Jack The Ripper” 2 Jahre auseinander gesetzt und wollte daraus ein Album machen und da steckt schon viel drin, einerseits historische Facts, weil ich schon ein großer Fan von dem viktorianischen London bin und gleichzeitig haben wir versucht, eigene Interpretationen mit einzubinden. Ja, da ist schon eine Aussage hinter, auf jeden Fall. Und das ist schon wichtig, ich kann nicht „blablabla-Songs” schreiben, ich brauch ein Thema, sonst kann ich es auch direkt ganz bleiben lassen.

6. Wie siehts mit euren Zukunftsplänen aus? Wollt ihr bestimmte Ziele erreichen oder lasst ihr einfach alles auf euch zukommen?

Man arbeitet schon auf ein Ziel hin, muss man auch, weil es ja auch viel Kraft und Energie kostet und davon muss man viel haben und viele Bands machen einfach was und schauen halt was passiert. Aber ohne viel Aufwand passiert halt nix mehr heute, die Zeiten haben sich auch geändert, man muss ein klares Konzept haben, man muss Leute dabei haben mit denen man ein Gespräch führen kann… Wann, wie, wo, was veröffentlicht wird.

Zukunftspläne? Ja, unser neues Album erscheint ja schon im Frühjahr und die Vorabtour mit Unheilig, um den Namen FAQ mit etwas wieder in Verbindung zu bringen. Das letzte Album ist jetzt 3 Jahre her und da war es dringend notwendig wieder mal ein Zeichen zu setzen, und jetzt mit dem neuen schauen wir mal, was passiert. Und wir wollen vielleicht im Herbst nochmal eine Tour machen, vielleicht auch was eigenes, nicht als Support. Ja und man versucht halt mit jedem Album eine Stufe weiterzukommen.

7. Ihr wart dreimal mit Apoptygma Berzerk auf Tour und auf „Is pornography art?” ist Stephan Groth in „We come in pieces” zu hören. Ist eine weitere Zusammenarbeit für die Zukunft geplant oder wartet ihr einfach ab, ob sich die Gelegenheit nochmal ergibt?

Ja, wir sind ja ständig in Kontakt, wir sind ganz ganz gute Freunde, seit der Tour 2000, die wir gemacht haben, wie Brüder kann man sagen. Er lebt in Norwegen, ich in der Schweiz, aber wir sind ständig in Kontakt und immer, wenn irgendwer ein Album macht, versuchen wir uns zu beteiligen, einen Remix zu machen, um diese Freundschaft zu manifestieren und auch nach außen hin zu präsentieren und da wird es auf jedenfall bald wieder eine Zusammenarbeit geben

8. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Jenna Jameson?

Genau, ich war schon privat länger mit ihr in Kontakt und nachdem klar war, dass das Album „Is pornography art?” heißen würde, war sie halt ideal dafür, weil Jenna Jameson sich sehr bemüht, seit Jahren Pornographie zu kommerzialisieren, durch Biographien, durch Glamour-Auftritte, fernab von der Pornogeschichte, wo sie ja auch nicht mehr wirklich tätig ist. Und da hab ich halt einfach gefragt, ob sie Lust hätte, da was mitzumachen, weil die Frage „Is pornography art?” ist ja ein unglaublich spannendes Thema und sie war hell begeistert davon: „Ja klar machen wir.”

Und so ging das einfacher als ich gedacht habe. Weil sie ja auch eine sehr große Künstlerin ist, eine der fünf populärsten Frauen der USA und ich dachte mir: „Hm…”, aber sie sagte sofort zu.

Dann haben wir via Internet, Phone, etc. hin und her kommuniziert, das ganze Konzept besprochen. Das fand sie persönlich ganz toll, und wir natürlich auch.

9. Inwieweit unterscheidet sich euer neues Album „Whitechapel” von seinem Vorgänger „Is pornography art?”?

Immens. Es wird eine ganz große Wandlung geben. Das letzte war ja noch mehr elektronisch, nur so ein bisschen Gitarre, dezent angesetzt. Und jetzt, das neue, ist nicht komplett weg von der Elektronik, aber es setzt schon mehr verstärkt auf Akustikgitarren-Elemente und es ist halt passend zum Thema „Jack The Ripper”, ein bisschen verstrickter, ein bisschen komplexer. Ein Piano gefolgt von 3 Gitarren, ein bisschen spezieller, künstlerischer. Ein bisschen weg vom „bumbumbum”, das machen nicht viele andere, das wollten wir aber nicht mehr und da hatten wir auch keine Lust mehr zu. Ob sich das kommerziell auszahlen wird, weiß ich nicht, das war auch nicht die Frage. Es gibt andere, die das auch machen und bei denen klappt das auch, ein Rezept dafür gibt es nicht, und dann haben wir gesagt, wir müssen 100% dahinterstehen und machen, was wir wollen. Wir haben jetzt 2 Jahre dran gearbeitet und von daher ist es ganz klar weg von der Popschiene in Richtung … *denkt nach*


Man kann ja nicht alles in Schubladen stecken…

Jaja, genau!

10. Was macht ihr lieber: Neue Songs komponieren und proben oder lieber live vor Publikum spielen?

Live. Ich brauch die Bühne. Ich bin süchtig, wenn ich die einen Monat nicht sehe, werd ich nervös, schlimmer als rauchen. Der Kollege, mit dem ich das zusammen gemacht habe, Thomas, der ist das genaue Gegenteil, der ist jetzt auch auf der Tour nicht mehr dabei, ist noch in der Band, aber nicht mehr mit unterwegs, weil für ihn die ganze Live-Geschichte zu stressig war, um das auch mit dem privatem Leben zu verbinden. Aber ich brauch die Bühne, ich muss raus. Für mich ist die ganze Studioarbeit nur dafür da, dass ich ja schnell wieder auf die Bühne kann, so ist halt jeder komplett unterschiedlich, aber ja, ich brauch definitiv die Bühne.

11. Was habt ihr vor FAQ bzw. Carpe Diem gemacht?

Vorher? Wir haben eine Berufsausbildung gemacht, diverse Jobs gehabt. Also wir haben alle reguläre Jobs gelernt. Die konservative Schweiz halt, musst erst einen Beruf gelernt haben und dann begibt man sich ins Vergnügen und so war das halt auch bei uns.
12. Was hörst du/hört ihr privat für Musik?

Sehr komplizierte Geschichte. Ich bin großer Radiohead-Fan. Je abgedrehter, desto besser. Ich hab mit der Musik, naja, ich will jetzt nicht sagen, nix mehr am Hut, aber ich höre diese Musik nicht mehr. Ich suche jetzt das Spektakuläre. Und das überträgt sich jetzt halt auch auf unsere Musik.

Und The Cure – ein Evergreen, die waren ja jetzt wieder auf Tour, wo ich auch auf einem Konzert war, The Cure ist einfach… wird einfach die Nr. 1 bleiben. Aus Kult-Gründen.
13. Hast du/habt ihr irgendwelche musikalischen Vorbilder?

Da wären wir wieder bei The Cure, naja Robert Smith kann man einfach nicht auslassen. Was er gemacht hat, war 1976 vom Punk zum Wave, das ist einfach legendär. Muss man einfach als Vorbild anerkennen. Und ansonsten Thom Yorke von Radiohead, denn nachdem der kommerzielle Sprung geschafft war und anstelle dort an zuknüpfen, hat er komplett was anderes gemacht, ich hab einen ganz großen Respekt davor. Und auch Moby, ich bin ein ganz großer Fan von Moby. Er ist einer der ganz wenigen, der es schafft, auf einem Konzert Punksongs zu spielen und danach Technosongs und die Leute drehen auf alles ab, und das ist ganz groß. Moby – Hut ab.
14. Was macht ihr, wenn ihr gerade keine Musik macht, d.h. keine Tour, keine Proben, etc.?

Wir haben jetzt fast ein Jahr intensiv am Album gearbeitet und ich bin jetzt auch seit Februar immer unterwegs… Viel Zeit bleibt da nicht. Ich hab mich intensiv mit dem Album beschäftigt, mit Leuten Kontakt gesucht, in England, die das Thema „Jack The Ripper” studiert haben.

Ich hab auch noch eine zweite Band und noch ein weiteres Projekt, diese Fetisch-Geschichte, das macht dann 3 Projekte, da brauchst du jetzt nicht weiter zu fragen, was ich nebenbei noch mache *lacht*. Da bleibt nicht mehr viel.

15. Wie kam es zu der Tour mit Unheilig?

Wir haben im Dezember 2006 schon einmal 4 Shows zusammen gespielt, da hat Unheilig eine

X-Mas Tour gemacht, da haben wir mitgespielt und das hat super funktioniert. Untereinander ist super Stimmung, auch mit den Leuten hier, und da hat es sich halt angeboten.

16. Wie sieht eure Planung für 2008 aus? Werden wir euch noch öfter in Deutschland sehen (auf Festivals, etc.)?

Festivals, da sind noch ein paar Sachen offen. WGT war noch ein Thema, aber ich spiel an dem Wochenende mit dieser Fetisch-Geschichte in Berlin. Mera Luna steht auch noch an, aber das dauert ja immer bis das durch die ganzen Institutionen durch ist. Aber mal schauen, was noch so passiert. Sommerfestivals sind noch nicht geplant, weil das Album noch nicht da ist. Wir werden dann wahrscheinlich im Herbst mit dem Album auf Tour gehen und dann nächstes Jahr auf Sommerfestivals spielen.

Mera Luna wäre ganz schön…

Da haben wir mal gespielt vor ein paar Jahren – super. Nach wie vor eines meiner Lieblingsfestivals. WGT verteilt sich halt auf ganz Leipzig. Jede Venue ist halt voll und man verpasst jede Band, weil man nicht weiß, wann man ran muss und Mera Luna konzentriert sich halt auf 2 Bühnen und wenn das Wetter noch stimmt, was ja nicht immer der Fall ist, ist es schon sehr schön da.

Ja dieses Jahr sollen Apoptygma wieder dort spielen…

Jaja, genau, die wurden bestätigt. Backstage läuft da immer eine Riesenparty, wenn alle Bands zusammen kommen. Das alleine ist es schon wert.

17. Welche Frage wolltest du/wolltet ihr schon immer mal gestellt bekommen?

Is Pornography Art? *lacht* Hm, das ist schwierig. Welche Frage ich nie nie nie beantworten würde, das wüsste ich jetzt, aber ähm… kann dir jetzt so nicht sagen.

Du wärst auch der Erste, der auf Anhieb eine Antwort darauf hätte.

Ja, das so spontan aus dem Ärmel zu schütteln, ist schon schwierig. Vielleicht, wann ich aufhöre, zu rauchen, oder so.

18. Famous Last Words?

Ähm… *denkt nach*

Außer, dass alle euer Album kaufen sollen… ;)

Ach, das wäre ja billig… Ist das mit drauf???

Ja.
Sehr schön. Carpie diem. Wir heißen zwar nicht mehr so, aber es heißt „Lebe das Leben” (Anm. d. Red.: Eigentlich heißt es „Nutze den Tag” ;-)) und das ist wichtig. Am Abend in den Spiegel zu schauen und zu sagen: Ich hab den Tag gelebt.

Schönes Schlusswort. Danke schön für das Interview!

Ja, ich danke auch und viel Erfolg mit Rockinwords.

Molle&Lou/Rockinwords
www.faq-music.com

Unheilig und FAQ/Köln Live Music Hall 13.03.08





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