TFRA07FAnlässlich ihres im März erschienen Albums Hardcore Rock’n’Roll nahmen sich Jimmy und Mirk von Psycholove netterweise Zeit, uns ein paar Fragen zu beantworten. Heraus kam ein sehr ehrliches und gleichzeitiges amüsantes Interview über die neue Scheibe, die Endlosdiskussion zur GEMA sowie Ansichten, die so einige Bands endlich einmal teilen sollten.

Die Frage, die ihr wahrscheinlich ständig hört: Worauf können sich die Leute beim ersten Hören eures aktuellen Albums einstellen?
Jimmy: Erstmal „Hi Molle“! Wir freuen uns tierisch, dass du dir die Zeit nimmst mit uns ein bisschen zu quatschen und ich freue mich über jeden der es dir gleich tut und sich die Zeit nimmt, das auch zu lesen. Herzlich Willkommen! Die Frage lässt sich am einfachsten mit einem lauten „ROCK N ROLL“ beantworten. Schnörkelloser, rauer, roher, manchmal rumpelnder, manchmal filigraner, immer ehrlicher, treibender aber niemals zu glatter Rock’n’Roll.
Mirk: Ich sage immer „Nur Pussies bügeln“. Der Sound muss dreckig und roh sein. Denn wir sind ’ne verdammte Rock’n’Roll-Band und da wird nix weichgespült und glattgebügelt. Das überlassen wir lieber anderen Bands.

Wie ist euer Album Hardcore Rock’n’Roll angelaufen und seid ihr soweit zufrieden?
Jimmy: „Soweit“ zufrieden ist gut. Ich bin total glücklich und mehr als zufrieden. Mit diesen Reaktionen haben wir so nicht gerechnet. Ich muss dir ganz ehrlich sagen: Im Grunde unseres Herzens haben Mirk und ich dieses Album in erster Linie für uns gemacht. Wir haben nicht an Reviews gedacht, was irgendeiner über unsere Lieder denkt, ob jemand dann vielleicht überhaupt unser Album Hardcore Rock’n’Roll kauft oder ob wir es nur in unser Regal stellen. Wir brannten dafür, wir mussten auch ein wenig kämpfen und letztendlich haben wir alles richtig gemacht. Gerade was die Presse schreibt, und als Fan bin ich auch nicht immer der gleichen Meinung wenn ich Reviews anderer Bands lese, haut mich um. Da sind Metal, Punk’n’Roll, Rock und Rollende Magazine aus Deutschland, Österreich, Italien etc., und natürlich „Rockinwords“, die uns ne geile Scheibe bescheinigen. Zu lesen gibt es auch eine Menge an Reviews, wenn ihr Konkurrenz erlaubt, unter www.psycholove.de. Das macht mich total happy und ich weiß wofür wir uns den Arsch aufreißen.
Mirk: Es ist schon wirklich ein unglaubliches Feedback vorhanden. Die Kritiken im In-und Ausland sind wirklich besser als wir uns je zu träumen erhofft haben. Im Moment zahlt es sich einfach aus, dass wir immer an unsere Songs und unsere Art Songs zu schreiben geglaubt haben und uns von niemandem haben reinquatschen lassen.

Ist eine Tour geplant? Vielleicht durch größere Teile Deutschlands? Ihr seid ja sonst meist im Pott unterwegs
Jimmy: Natürlich wäre ne Tour jetzt das Sinnvollste und für mich persönlich das Geilste. Aber mal unter uns beiden: Wenn dann als Support einer geilen Band zu der wir passen. Die Erfahrung zeigt ja, dass es für die meisten Bands inne Buxe geht, wenn sie meinen sofort als, ich nenne es jetzt mal „Headliner“ zu touren. Selbst die vermeintlichen und selbsternannten Stars unserer Szene gehen ja lieber auf Welttournee „Heimat“ oder „Nachbarstadt“, weil sie in Hamburg, Berlin oder München vielleicht 3 Tickets verkaufen. Geht den Bands von außerhalb, die hier spielen, ja nicht anders. Da muss man realistisch bleiben. Auch wenn ich es nicht gerne bin. Für Festivals würden wir aber jede Strapaze auf uns nehmen. Wir sind ja auch schon für nur eine einzige Show nach England rüber.
Mirk: Ohne Plattenfirma im Rücken, die dich irgendwo zubucht und dich gleichzeitig auch noch bezahlt, ist das alles schwer zu stemmen. Dazu kommt noch das einige in der Band Familie haben und gleichzeitig noch jeden Tag zu ihren Fulltime-Jobs rennen dürfen. Wir sind ja nu auch keine 20 mehr und können einfach auf alles scheißen. Auch wenn man das manchmal einfach tun sollte…

Wie sehen eure Pläne für den Rest des Jahres aus?
Jimmy: Ich mache zurzeit keine Pläne mehr. Der Schuss geht ja oft nach hinten los. Gerade jetzt wo es live richtig losgehen sollte, bekamen wir voll einen vor den Latz geknallt und wir mussten die erste Show absagen. Leider hat einer aus unserer Band gesundheitliche Probleme, die wir zuerst unterschätzt haben. Aber… die Gesundheit ist das Wichtigste und das muss man respektieren. Deshalb lebe ich im „Hier und Jetzt“ und denke in diesem Fall nicht an morgen. Meistens treffen wir unsere Entscheidungen eh aus dem Bauch raus.
Mirk: Hauptsache dem Jung geht’s bald wieder besser. Hat ja schließlich nicht nur ein Schnüpperken, sondern ordentlich einen vor den Bug geschossen bekommen. Und damit er merkt, dass wir ihn nicht hängen lassen, pack ich mich auch nicht dafür wenn´s jetzt erstmal live nicht klappt. Dann nehmen wir halt ganz entspannt in der Zwischenzeit das nächste Album in Angriff. Wir machen uns selbst keinen Stress. Denn den haben wir weder vor noch während der Aufnahmen aufkommen lassen. Also warum sollten wir das jetzt tun? Wir können morgen aufstehen und mitten im Wohnzimmer vom Bus überfahren werden oder wir machen das Radio an und hören wie der Moderator sagt : „…und nun zur Nummer 1 der Charts“ und wir pfeifen genüsslich zu Fuck me I´m famous mit. (Letzteres würde mir aber ehrlich gesagt besser gefallen, allein schon wegen des Drecks im Wohnzimmer…)
Jimmy: Du hast ja Gedanken. Muss ich mir Sorgen machen, hahaha!

Ihr seid ja schon was länger mit dabei – wie hat sich die Musikszene – besonders natürlich in der Rock-Ecke – in den letzen Jahren verändert? Und findet ihr die Entwicklung positiv oder negativ?
Jimmy: Aus meiner Sicht ist das ein zweischneidiges Schwert. Ich bleibe jetzt einfach mal vor der eigenen Haustüre. Du hast doch die Entwicklung der hiesigen Szene mit „Beat the Band“ und „Rockinwords“ selber mitgemacht und auch mitgestaltet. Es hat sich richtig was entwickelt, es ging Hand in Hand voran. Wir Bands haben uns untereinander geholfen, Gigs geteilt und uns nicht gegenseitig und selber verraten. Jetzt hast du da aber Leute, die vor lauter Missgunst und Neid einen Keil zwischen verschiedene Bands und in Bands treiben, weil sie selber eigentlich nix gebacken bekommen. Dann gibt es ja leider auch noch diese Dummköppe, ich nenn sie jetzt mal Lemminge, die Klippenspringertiere sind das, die das nicht kapieren und blind hinterherlaufen. Leider wird manches sinnlos zerstört und dabei wollen wir doch einfach nur Musik machen. Mirk und ich sind aber mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo wir das popcornfressend von außen betrachten und uns darüber amüsieren. Die Freunde sind geblieben… die Feinde auch – HAHAHA! Über andere Bands maße ich mir aber nicht an zu urteilen. Ich glaube, es gab schon immer gute und schlechte Kapellen… außerdem ist das alles subjektiv. Was sich natürlich verbessert und vieles vereinfacht hat, ist die Studioarbeit. Da gibt es Dieter Bohlen-Autotuning für die ganzen Gesangslegastheniker, wie ich auch einer bin (nur gut das ich nicht singe, sondern Mirk…) und der Produzent kann nach belieben einzelne Gitarren/Bass/Drum-Töne verschieben. Positiv oder negativ. Wenn du da so einen gefrusteten Schwachkopf hast, kann der dich ganz schön doof dastehen lassen und irgendwas „gefaktes“ veröffentlichen. Also, immer schön nett sein… gibt genug Beispiele auf YouTube…
Mirk: Eine Sache wird sich allerdings nie ändern: Keine Band lässt sich gerne an die Wand spielen. Dann kannst du dich vorher noch so gut mit denen verstanden haben. Das zählt dann nix mehr. Die gucken dich mit’m Arsch nicht mehr an.
Jimmy: Ja, das hat mir auch immer Spaß gemacht. Manchmal spielst du da vor Bands, die schon unmotivierter an die Sache rangehen als man es selber je würde, versuchen, dich backstage wie Dreck zu behandeln, weil sie ja schon meinen, dass sie die Stars sind. Am Arsch! Wir haben bei jeder Show alles gegeben und denen das mit unseren Mitteln live auf der Bühne zurückgezahlt. Das machen wir natürlich auch weiterhin. Ich weiß aber, dass das Publikum das auch merkt und honoriert. Ich als Fan checke ja auch wenn meine Lieblingsband ihre Show einfach routiniert abzieht oder ob die wirklich Spaß haben.

Das aktuelle Thema GEMA bringt jede Menge Aufruhr in die Musikszene – eure Meinung dazu?
Jimmy: Wir haben da für uns ne bewusste Entscheidung getroffen. Was inzwischen an halbgaren, halbwahren Spekulationen und immer neuen Entscheidungen aufgetischt wird… die ja vielleicht doch wahr sind, kommentiere ich nicht. Was aber leider Realität ist und die GEMA Tarife 2013 angeht, was natürlich totale Scheiße ist, ist, dass die Kosten für alle dermaßen explodieren, dass es für uns alle bald nicht mehr möglich ist auf diesem Standard Musik zu machen. Das bedeutet u.a. die Gefährdung aller Clubs. Für die Veranstalter, die die Kosten niedrig halten wollen (sag ich jetzt mal so) geht es nicht mehr, Künstler können sich nicht weiterentwickeln, ihr Niveau erhöhen, und dann löhnst du auch bei kleineren Gigs Eintritt wie bei den Großen. Unsere Kinder dürfen im Kindergarten auch nicht mehr nach Noten oder vom Blatt singen, wenn dafür nicht ordentlich geblecht wird. Anfangs habe ich mir den „Gemadialog“, die „Gemalüge“ und solche Sachen noch durchgelesen. Jetzt nicht mehr. Dann wird sich wieder drüber aufgeregt, dass die Gema angeblich Musikvideos auf YouTube sperrt weil diese nicht zahlen wollen. Was ist denn schlimm daran wenn der Künstler für sein Werk Geld möchte? Und was ist wahr? Wenn jemand mir das gerne erklären möchte und echt drin steckt – ich höre gerne zu. Molle, du auf der journalistischen Seite. Wie denkst du darüber? Macht doch mal was zu diesem Thema auf Rockinwords. [Anm. der Redaktion: Der Vorschlag wird dankend entgegen genommen. Wir denken darüber nach!]
Mirk: Aus Musikersicht hat Sven Regener doch schon alles darüber gesagt. Kann man sich auf YouTube (sic!) anschauen unter „Wutrede von Sven Regener“.

Mit welcher Band wollt ihr unbedingt mal auf der Bühne stehen und welche wollt ihr endlich (nochmal?) selber live sehen?
Mirk: The Dogs D´Amour (in Originalbesetzung).
Jimmy: Live habe ich das Nirvana erreicht. Ich hatte das Glück, jede Band zu sehen die ich auch sehen wollte. Wenn du mich aber fragst mit wem ich mal zusammenspielen möchte, öffne ich dir mein Herz. Kurz und knapp: Billy Idol/Gesang , Steve Stevens/Gitarre, CC Deville/Gitarre, Tommy Lee/Drums und ich hoffe, dass mich Nikki Sixx zwischendurch seinen Bass spielen lässt, hahaha!Supporten würde ich persönlich auch am liebsten Billy Idol.

Was macht ihr eigentlich wenn ihr keine Musik macht?
Jimmy: In Interviews über Musik reden.
Mirk: Musik verkaufen.

Habt ihr aktuelle Anspieltipps für uns, neben Psycholove natürlich?
Jimmy: Da ist Mirk Spezialist und besserer Ansprechpartner. Bei mir kommen da nur die üblichen Verdächtigen.
Mirk: Ich finde die neue „The Bones – Monkeys with guns“ sehr gelungen. Außerdem noch „Apocalyptic Youth“ von Casablanca, „Set Fire to it all“ von den Diamond Dogs und natürlich für alle versoffenen Melancholiker die Neuaufnahme von „A Graveyard of empty Bottles“ played by The Dogs D´Amour. Die dürfen einfach nicht fehlen ;-) So, just push play…
Jimmy: OK – dann werde ich mir die Bones-Scheibe mal zulegen. Mit denen habe ich vor über 10 Jahren auf der PopKomm mal zusammen gespielt. Nette, trinkfeste Leute, hehehe.

Famous Last Words?
Jimmy: [Dejá Vú] Die CD gibt es unter www.psycholove.de.
Mirk: …für nen schlappen 10er.

Vielen Dank an Jimmy und Mirk! Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit Hardcore Rock’n’Roll!

Molle/Rockinwords

www.psycholove.de
Rockinrecords: Psycholove – Hardcore Rock’n’Roll

Rockintalks: Psycholove
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