HIM – 24.04.2013 – Gloria, Köln

Nach drei langen Jahren des Wartens erschien endlich das neue Album „Tears on Tape“ der finnischen Band HIM. Und ebenso drei Jahre nach dem letzten Konzert in unseren Gefilden machten sich Ville Valo und seine Kollegen endlich auf, mit der neuen Scheibe im Gepäck zwei Club-Gigs in Deutschland zu spielen.


Nach dem ersten erfolgreichen Abend in Berlin beehrten sie am 24.04.2013 das Kölner Gloria. Dass die Band sich diesmal eher kleinere Locations vornahm, kam den Fans nur gelegen und entsprechend schnell waren alle Tickets ausverkauft und wurden höchstens noch zu horrenden Preisen auf den allseits bekannten Internetplattformen angeboten.

An einer Supportband war in Berlin schon gespart worden und so war es auch an diesem Abend. Während sich das Theater mit rund 900 Fans füllte, sorgte ein DJ für die musikalische Unterhaltung, was der Mehrheit aber durchaus gefiel.

Um 20:40 Uhr gingen schließlich Musik und Licht aus und Kreischen erfüllte die Halle. Was die Lautstärke angeht, hatte sich in den letzten 10 Jahren Bandgeschichte nichts geändert und so wurden HIM unter lautem Jubel begrüßt, während das Intro aus Tears on Tape „Unleash the Red“ gespielt wurde. Ohne Pause ging die Band dazu über, den neuen Song „All Lips Go Blue“ anzuspielen, und Valo griff gewohnt lässig zum Mikro und überzeugte von der ersten Minute an mit seinem Gesang. Leider ist man ja auch das ein oder andere enttäuschende Konzert der Finnen gewohnt, aber an diesem Abend zeigte sich das Gegenteil.
Als nach dem neuen Stück altbekannte Klassiker wie „Buried Alive By Love“ und „Right Here In My Arms“ erklangen, fühlten sich wohl alle Anwesenden einige Jahre zurückversetzt und man wartete förmlich darauf, dass sich in den ersten Reihen die weiblichen Zuschauer vorzeitig zu den Sanitätern verabschiedeten.
Es war fast verwunderlich, wie viel Spaß die Band endlich mal wieder auf der Bühne hatte. Gitarrist Linde lief lächelnd in seiner Ecke auf und ab und spielte immer mal wieder grandiose Soli, während Migé am Bass fröhlich grinsend mit dem Publikum kommunizierte.
Der sonst so wortkarge Ville bedankte sich zwischen dem ein oder anderen Lied immer wieder beim Publikum und hörte sich dabei für seine Verhältnisse fast schon euphorisch an. Als Antwort gab es immer wieder frenetischen Applaus – auf die HIM-Fans und vor allem das Kölner Publikum kann man sich eben verlassen. Kaum in einer anderen Stadt in Deutschland ist die Stimmung immer wieder so großartig wie dort am Rhein.


Als es zwischen zwei Songs in dem Club etwas ruhiger wurde, wurde Ville Valo nicht etwa aufgefordert, sich seines Oberteils zu entledigen – sondern seine Mütze abzunehmen, scheint diese doch öfter mal festgewachsen zu sein. Der Frontmann tat dem Publikum tatsächlich den Gefallen und es gingen Schreie durch die Menge, als hätte sich seine Kleidung in Luft aufgelöst. Scheinbar war Valo an diesem Abend sogar zu Scherzen aufgelegt, stülpte sich die Mütze über das Gesicht, die nun aussah wie ein Skimaske und erklärte, dass sie so nach dem Gig noch an Geld kommen würden und die Kopfbedeckung daher von Nöten sei.

Nach dieser kurzen Pause ging es flott in der Setlist weiter und natürlich durfte der Klassiker „Join Me in Death“ nicht fehlen. Die meisten haben den Song bereits totgehört aber was wäre ein HIM-Konzert, auf dem nicht der „This life ain’t worth living!“-Chor einem Gänsehaut über den Rücken jagt? Es folgten auf die alten Hits im Laufe des Abends noch drei Stücke von Tears on Tape, die rundum überzeugen konnten, allen voran „Hearts at War„, welches wohl der eindringlichste der neuen Songs war.

Obwohl Gas zwischendurch Probleme mit dem Schlagzeug hatte und kurz eine Snare Drum ausgetauscht werden musste und der Tontechniker bei ein oder zwei Liedern nicht so ein glückliches Händchen bewies, gaben Burton, Linde, Migé, Gas und Ville wirklich alles und übertrafen sämtliche Erwartungen. Im Gegensatz zu einigen vorangegangen Gigs war Valo gut gelaunt und vor allem ziemlich nüchtern mit einer glasklaren Stimme präsent und so verzieh man ihm auch das ein oder andere Wegdrehen zur Band und das Kurz-angebunden-sein.
Das Kölner Publikum dankte es ihm und dem Rest der Gruppe und feierte sie gebührend.

Nach etwa eineinviertel Stunden verließen die Finnen unter lautem Jubel die Bühne, kehrten aber kurz darauf mit einem weiteren Song noch einmal zurück. Sie spielten den mehrere Minuten langen Song „Sleepwalking Past Hope„, bei dem noch einmal jeder der Jungs sein Können beweisen konnte und verabschiedeten sich dann einer nach dem anderen von den Fans.

Irgendwann ging dann endgültig das Licht wieder an und die Hintergrundmusik aus und so wurden einige verträumte und endorphingeschwängerte Gesichter unsanft zurück in die Wirklichkeit geholt.

So oft der objektive – und auch subjektive – Betrachter auch schon von schlechten HIM-Konzerten sprach, von einem betrunkenen Valo, der seine Texte vergisst und einer gelangweilten Band – an diesem Abend bewiesen sie, dass sie es noch können. Und die Fans halten ihnen die Treue.

Wollen wir hoffen, dass Tears on Tape entsprechend ankommt und HIM damit endlich zurück sind.

Setlist:

All Lips Go Blue
Buried Alive By Love
Rip Out the Wings of a Butterfly
Right Here in My Arms
The Kiss of Dawn
Hearts at War
Join Me in Death
Your Sweet 666
Passion’s Killing Floor
Tears On Tape
Wicked Game
It’s All Tears (Drown in This Love)
Soul on Fire
Into the Night
The Funeral of Hearts
When Love and Death Embrace

Encore:
Sleepwalking Past Hope

Molle/Rockinwords

Rockintalks: Ville Valo

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Rockinconcerts: HIM
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