Frank Turner & The Sleeping Souls, 29.04.2013, Kulturkirche Köln


Als ich Frank Turner 2009 das erste Mal sah, war das bei den legendären Festivals Leeds und Reading in Großbritannien. Damals hat es geregnet und alle waren irgendwie mies drauf. Sonnengebräunte Blondinen in Regenbogengummistiefeln warfen missmutige Blicke auf Goths mit verlaufenem Eyeliner. Und dann kam dieser Typ mit seiner Gitarre auf die Bühne und plötzlich lagen sich alle in den Armen und haben zusammen gesungen und getanzt. Verrückt, dachte ich damals.

Seitdem habe ich Frank Turner bereits einige Male live erleben dürfen und mittlerweile weiß ich: Wenn der Meister ruft, kommen sie alle in Massen. Auch heute Abend hat sich daran wieder nichts geändert. Seit Monaten steht der Termin für das Konzert in Köln fest und seit Monaten ist es ausverkauft. So ist das mit seinen Konzerten. Woanders wird über mangelnden Absatz der Tickets geklagt, beim Herrn Turner muss man noch schnell sein. Und trotz der großen Nachfrage spielt er immer noch in schönen kleinen Clubs, die auch wunderbar zu ihm passen. Die Kulturkirche als Veranstaltungsort zu wählen setzt dem allerdings noch einmal die Krone auf. Die Holzbalken, die bunten Fenster…alles passt ganz wunderbar zusammen heute Abend. Und wahrscheinlich hat diese Kirche auch zu den Spitzenzeiten der christlichen Messen keinen so bunten Besucherhaufen erlebt wie heute Abend. Junge, modisch gekleidete Menschen treffen auf Altpunks, Nerds oder “Paare im besten Alter”, die weit weg von jeglicher Bezeichnung durch Labels sind. Und alle sind bester Laune, höflich zueinander und akzeptieren, dass jeder heute Abend hier ist, um seinen Spaß zu haben.


Genauso präsentieren sich auch Frank Turner & The Sleeping Souls. Sie sind vieles, aber sicher nicht cool. Wie immer gibt es keine große Bühnenshow, keine Kostüme, keine überragende Lightshow. Frank steht in seinen gemütlichen Klamotten auf der Bühne und wechselt von einer unauffälligen braunen Akustikgitarre zur nächsten. Die Sleeping Souls bestehen durchweg aus Durchschnittstypen, die ebenfalls keine große Show benötigen. Denn sie alle stechen schon allein durch ihren Spaß an der Sache ins Auge. Sie brauchen keine Aufwärmphase. Sobald sie die Bühne betreten, lassen sie sich mitreissen, und das gilt auch für das Publikum.

Ein Highlight und wahrscheinlich der Publikumsliebling eines jeden Frank Turner-Konzertes ist wahrscheinlich The Road. Nicht selten hört man schon Rufe, die nach dem Song verlangen, bevor das Konzert überhaupt anfängt. Heute Abend kommt Frank dem Publikum zuvor und spielt es gleich als zweiten Song. Nicht wenige Künstler hätten damit vermutlich schon ihr Pulver verschossen. Nicht jedoch Frank Turner. Was macht man, wenn man das Lieblingslied des Publikums schon gespielt hat? Man spielt den Rest einfach mit noch mehr Energie! Und beweist wieder einmal, wie cool uncool sein kann. In bester Laune erzählt Frank uns eine Anekdote von einem Freund, der kürzlich sitzen gelassen wurde und sich dann, völlig betrunken, an Kylie Minogue ranmachen wollte – und schließlich stattdessen bei Tom Jones landete. Gefolgt wird die Geschichte von einer schrägen Version von Delilah von eben jenem Tom Jones. Das ist krank und irgendwie verrückt, aber es gibt niemanden im Publikum, der nicht mitgrölt. Genauso wie bei den vielen Songs vom neuen Album Tape Deck Heart, trotzdem dieses erst seit wenigen Tagen auf dem Markt ist. Und beim Chorus von Photosynthesis brüllt dann auch der Letzte im Publikum noch lautstark mit. Letztendlich sind es wohl auch diese Zeilen (And most of all I won’t grow up), die perfekt den kleinsten gemeinsamen Nenner der hier heute Abend versammelten Menschen zusammenfassen.

Fast zwei Stunden singen, tanzen und lachen alle zusammen. Und schließlich fasst der Meister den heutigen Abend selbst noch einmal treffend zusammen: “That’s what Rock ‘n’ Roll is about!”

Recht hat er, der Frank!Im September wird er uns schon wieder beehren – denn er lebt ja quasi auf der Straße. Wer dann nicht hingeht, ist selber Schuld.

Kathy für Rockinwords
frank-turner.com
facebook.com/frankturnermusic

Rockinconcerts: Frank Turner & The Sleeping Souls

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