Während ihrer Tour zum neuen Album The Painstream nahmen sich Gitarrist Michael Setzer aka Sad Sir und Sänger Michael Huber aka Michelle Darkness von End Of Green Zeit, uns einige Fragen zum Tourleben, den schlechtesten Livebands und natürlich der aktuellen Scheibe zu beantworten.

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Ihr seid ja jetzt schon einige Zeit unterwegs, einige Termine folgen noch. Wie läuft die Tour bisher?

Sad Sir: Es läuft super! Wir haben aber auch das Glück, dass wir immer mal wieder ein paar Tage Pause haben, da wir meistens so Wochenendblöcke spielen. So haben wir zwischendurch mal wieder ein bisschen Zeit zu regenerieren und zu schlafen. Dann geht’s wieder weiter und bisher macht es fantastisch viel Spaß!

Habt ihr denn zwischendurch auch Zeit, euch irgendwas anzugucken oder ist das sowieso alles nicht mehr neu für euch?
Sad Sir: Meistens klappt es nicht wirklich. Das beste Beispiel ist für mich Berlin. Wir sind x-mal da gewesen, ich war aber noch nicht einmal im Ramones-Museum, was ich mir schon so oft vorgenommen habe. Die Tage, an denen wir nicht spielen, verbringen wir dann meistens zuhause. Das passiert selten genug, das macht dann auch mal Spaß.

Habt ihr denn eine Lieblingsstadt oder einen Lieblingsclub?
Michelle Darkness: Bochum.
*alle lachen*
Sagt ihr das jetzt nur so oder…?
Michelle Darkness: Duisburg!
*Gelächter*
Sad Sir: Eigentlich hab ich keine Lieblingsstadt…
Michelle Darkness: Überall, wo man uns mag.

Merkt man denn Unterschiede am Publikum?
Sad Sir: Es gibt so kleine Unterschiede. Letzte Woche in Aschaffenburg hatte ich zum Beispiel das Gefühl, dass die Leute eher nur dastehen, zuhören, dann applaudieren oder halt nicht, wenn sie es scheiße finden. Und in anderen Städten ist es vom ersten Ton an „Woah!“, Halligalli. Das gibt’s dann auch aber ich glaube, man kann das echt nicht so festmachen. Selbst hier im Ruhrgebiet hatten wir schon so unterschiedliche Konzerte, so dass man jetzt nicht sagen könnte „So! Wir gehen gerne ins Ruhrgebiet!“. Klar, wir kommen gerne her, aber wir wissen nicht, was uns erwartet.

Meistens hört man ja, dass es Richtung Süden ruhiger wird.
Sad Sir: Ja, also München zum Beispiel war fantastisch laut. Das ist natürlich auch was, was man so im Hinterkopf hat und dann denkt man sich „Warum geht es denn jetzt in München total ab?“.

The Painstream kam ja im August raus. Wie war denn bisher das Feedback?
Sad Sir: Sehr zufriedenstellend! Wir haben keinen Grund uns zu beschweren. Bei jeder Platte ist es so ein doofes Gefühl, wenn sie rauskommt. Man kann ja dann nichts mehr daran machen. Man ist schon gespannt, obwohl wir natürlich niemals eine Platte rausbringen würden, wo wir denken „Nee, wollen wir nicht. Wir finden die Platte selber nicht gut.“. Die Rückmeldungen waren toll. Es gab viel positive Kritik und das hört man sehr gerne.

Beschäftigen euch überhaupt Kritiken? Lest ihr euch sowas durch?
Michelle Darkness: Wenn es denn welche gibt…
Sad Sir: Ich bin in den letzten Jahren dazu übergegangen, mir tatsächlich nichts mehr über uns durchzulesen weil ich viel zuviel darüber nachdenken würde, wie ich etwas rechtfertigen oder erklären könnte. Andererseits ist es schon schön wenn du was tolles über dich liest. Aber es bringt dich auch nicht wirklich weiter. Ich glaube, als ich das letzte Mal bei Google End Of Green eingegeben habe, das ist schon ne Weile her. Sonst regt man sich vielleicht auch nur auf. Manchmal stehen da auch einfach doofe Sachen. Konstruktive Kritik ist super, gefällt mir gut, da kann man wenigstens diskutieren aber es gibt dann so Leute, die sagen „Die sind voll schwul!“. Das regt mich nur auf. Denen möchte ich dann gerne eine reinhauen. Nicht, weil derjenige uns schwul findet, sondern weil er „schwul“ für ein Schimpfwort hält. Deshalb: Lieber nicht zuviel nach sich selber googlen und ein schönes Leben führen.

Wie lange habt ihr jetzt an dem Album gearbeitet?
Michelle Darkness: Jahre.
Sad Sir: Ja, seit der letzten Platte. Es ist ja nicht so, dass man von einem auf den anderen Tag sagt „So, heute fangen wir eine neue Platte an.“. Aber es war schon so, dass wir nach der letzten Scheibe angefangen haben zu überlegen, worauf es hinauslaufen soll. Letztendlich dauerte die Studioarbeit einen Monat, glaube ich.

Gibt es bei euch denn auch Lieder, die seit Jahren schon fertig in der Schublade liegen, aber es noch nicht auf ein Album geschafft haben?
Michelle Darkness: Geheimnis! Bestimmt… Wir haben immer irgendwas.
Sad Sir: Ich glaube, der Grund, warum sie noch nicht auf einer Platte waren, ist, dass wir noch mit ihnen zufrieden sind. Dann wird das auch nicht einfach so auf die nächste Platte draufgeworfen. Vielleicht kramen wir irgendwann nochmal eine wirklich alte Idee von uns aus, vielleicht gefällt sie uns irgendwann und wird dann doch auf einem Album landen. Also es ist jetzt nicht so, dass das Label kommt und sagt „Na, wie sieht’s aus mit ner neuen Platte?“ und wir sagen „Ja, hier!“.
Michelle Darkness: Für Dead End Hero haben wir auch sechs Jahre gebraucht.
Sad Sir: Manche Stücke liegen einfach jahrelang im Proberaum-Reportoire weil einfach eine kleiner Schnippen gefehlt hat. Ich finde das immer komisch, wenn Bands sagen, sie haben 40 Lieder aufgenommen und die elf geilsten kommen auf die Platte. Wir arbeiten dann lieber die Lieder richtig aus, die auch auf das Album kommen.

Gibt es bei The Painstream oder bei anderen Alben von euch auch mal ein Konzept oder ein bestimmtes Thema was über einer Platte steht?
Sad Sir: Eigentlich nicht. Das Leben an sich. Wir schreiben seit eh und je über das echte Leben, dass ihr auch kennt. Und ich glaube, das ist auch besser so, als wenn wir jetzt irgendwie eine Rockoper schreiben würden… Saturday Night Fever… Oder irgendwas mit Drachen! *lacht*
Michelle Darkness: Die Drachen aus dem Schwabenland.
Sad Sir: Ja genau, die schwäbische Drachensaga!

Habt ihr selber ein Lieblingsstück auf The Painstream?
Sad Sir: Dass man so lange überlegt, ist ein gutes Zeichen. Aber das war bisher bei jeder Platte so, dass einem an manchen Tagen ein Lied besonders gut gefällt und genauso gut kann es sein, dass man ein Lied, das man ewig spielt, ein paar Tage oder Wochen gar nicht leiden kann. Oder dass man das ein halbes Jahr später wieder ausgräbt und denkt „Wow, was für ein tolles Lied!“. Die Lieblingslieder wechseln und das ist ganz gut so.

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In einem anderen Interview habt ihr gesagt, dass sich Bands nicht beschweren sollten, dass sie viele Konzerte spielen „müssen“. Habt ihr denn nicht auch mal die Schnauze voll?

Sad Sir: Ich glaube, das habe ich gesagt. *lacht* Ich finde das immer so schlimm, diese Leute, die sagen, dass das Tourleben so stressig ist. Das sind Bands, die spielen abends ne Stunde. Das ist eine Arbeit, die man verrichten kann. Und wenn man Spaß dabei hat, weiß ich nicht, was das Problem daran ist. Ich kann mir vorstellen, dass es manchmal an die Substanz geht, auch an die körperliche Substanz. Wir haben auf unserer letzten Tour jeden Abend drei Stunden gespielt. Das merkst du irgendwann, dann bist du froh wenn du irgendwann nur noch daliegst und dir nichts mehr wehtut. Aber für die meisten Bands, die sich über den Touralltag beschweren, ist es überhaupt nicht schlimm, denn die fahren den Bus nicht selber, die kümmern sich um nix selbst. Bands sollen Musik machen und diese weiter verbreiten, darum geht’s. Mir macht das halt Spaß, ich kann mir gar nicht vorstellen, da zu stehen und zu sagen „Ich hab aber keinen Bock auf ein Konzert heute!“. Ich war schon kaputt vor Konzerten und hab mir gedacht „Oh je, hoffentlich schaff ich das heute.“ aber beim ersten Lied bist du drin und fühlst dich wieder wie 18. *lacht*

Macht ihr denn viel selber von dem ganzen drumherum?
Sad Sir: Wir sind quasi ein Familienbetrieb, wo jeder was macht und ich finde, das gehört auch dazu. Wir holen den Bus ab, wir haben Freunde, die uns beim Tragen helfen. Das ist nicht so, dass wir irgendwo hinfahren und darauf warten, dass die große Diskokugel über uns das Drehen anfängt. Wir haben alle unsere Aufgaben, aber das ist auch gut so. Du hast den Tag über soviel Zeit, wenn du hier sitzt. Ich glaube, diese ganze Drogensucht, die es so oft gibt, gibt es viel wegen dieser Warterei. Wenn du den ganzen Tag mit Warten verbringst, kannst du dich die ganze Zeit besaufen und mit irgendwas zuknallen. Wir haben wenigstens was zu tun und so trinken wir halt ein bisschen weniger.

Würdet ihr denn damit klarkommen, wenn ihr jemanden dabei hättet, der euch sagt, wann ihr Interviews habt, wann Soundcheck ist usw. wenn ihr das schon so lange alleine gemacht habt?
Sad Sir: Klar, das wäre kein Problem, wenn das jemand ist, dem man vertrauen kann und der das gut mit uns macht. Also es würde nicht so funktionieren, wenn jemand sagt, man soll da und da hingehen und der genau guckt was wir wann machen. Wir fragen schon mal gerne nach dem Warum und Wozu was einige Dinge angeht. Ich glaube, das ist wichtig, dass man nicht zu so einem Roboter wird. Ich glaube, das Problem werden wir nie haben, dass wir eine ferngesteuerte Band werden.

Könnt ihr euch noch ein Leben ohne diese Band vorstellen?
Sad Sir: Nee, das kann ich mir nicht vorstellen.
Michelle Darkness: Nein.

Aber was würdet ihr machen, wenn ihr nicht einer Band spielen würdet?
Michelle Darkness: Wahrscheinlich ähm… *fängt an, Mundharmonika zu spielen*
Sad Sir: Ich wüsste nicht, wie das geht. Das hat sich so fest in unser aller Leben eingebrannt. Das ist das Leben. Das sind die Pfeiler. Ohne kann ich mir das nicht vorstellen, ganz im Ernst. Ich wüsste gar keine Option.

Ihr habt ja schon mal eine Akustikshow in Stuttgart gespielt. Habt ihr vor, sowas nochmal zu machen?
Michelle Darkness: Ja.

Manchen Bands ist sowas ja zu langweilig, weil es zu ruhig ist und nicht laut genug.
Michelle Darkness: Doch, es war gut.
Sad Sir: Und es war laut. Selbst unsere Akustikkonzerte sind laut.
Michelle Darkness: Vielleicht mal so zu Weihnachten, aber das wäre ja jetzt ein bisschen kurzfristig.
Sad Sir: Also vielleicht mal so im Juli, ne Akustikshow auf Wacken, das wär schon lustig. Naja, ich glaube einfach, das ist eher so eine Herbst-/Wintergeschichte. Aber das könnte durchaus wieder passieren.

Welche sind eure aktuellen drei Lieblingsplatten?
Michelle Darkness: White Lies… Was gibt’s denn noch gerade?
Sad Sir: Also ich fahr zur Zeit total auf die neue Carcass ab. Die finde ich richtig gut. Die neue Queens Of The Stone Age mag ich auch sehr. Und die letzte Kverlatak fand ich auch wieder toll. Von der neuen Thees Uhlmann war ich ein bisschen enttäuscht.
Michelle Darkness: Von der was?
Sad Sir: Von der Thees Uhlmann. Ich glaube, die Platten, die ich im Moment am meisten höre, sind halt die neue Carcass und die neue Placebo.
Michelle Darkness: Oh und die neue In Extremo!

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Gibt’s denn auch irgendwelche ganz anderen Musikrichtungen, die ihr nebenbei noch so hört?

Michelle Darkness: Hm, alles bis auf… wie heißt das denn noch mal? Techno!
Sad Sir: Also ich hab das Vergnügen, mit einem Muskwurm zusammen zu wohnen, der wahnsinnig viel Jazz und R’nB aus den 50ies und 60ies hört. Das war früher für mich nur so Spaßmusik aber durch den höre ich jetzt viele komische Sachen. Im Prinzip ist es mir echt egal, welches Genre das ist. Es gibt soviel tolle Musik, das will ich alles haben und im Grunde kann ich dann aussortieren, was mir gefällt und was ich doof finde.

Gibt es irgendeine Band, die ihr überhaupt nicht leiden könnt? Musikalisch gesehen?
Sad Sir: Ja. Ich war einmal auf nem Konzert von Placebo und die hatten eine Vorband. Thirty Seconds To Mars. Ich hab noch nie eine beschissenere Vorband gesehen. Es war grausam. Sie waren live so schlecht und es macht mir einfach viel kaputt wenn ich auf ein Konzert gehe und… also es war ganz schlimm! Hat mich völlig fertig gemacht.

Und bei dir?
Michelle Darkness: Sisters Of Mercy. Ich bin aus dem Konzert, in die nächste Kneipe und da fand ich Bon Jovi besser.
Sad Sir: Aber Bands, die man so wirklich hasst, hört man einfach nicht. Manchmal ärger ich mich einfach nur. Aber das ist ja das tolle an Musik, es gibt kein richtig oder falsch. Entweder ich mag es oder ich mag es nicht. Ich hab auch sehr gute Freunde, die Musik hören, die ich nicht verstehe, aber das sind trotzdem meine Freunde. Das ist kein Ausschlusskriterium… Jetzt hab ich ein voll schlechtes Gewissen weil ich so schlecht über Thirty Seconds To Mars geredet habe. Aber die waren live echt so beschissen! Und als Placebo dann gespielt haben, haben sie Thirty Seconds To Mars einfach nachträglich gegen die Wand geworfen, weil sie so gut waren. Das finde ich, ist eine der besten Livebands.

Habt ihr schon Pläne für 2014?
Michelle Darkness: Wir warten noch, dass wir Angebote kriegen zu spielen.

Wisst ihr schon was wegen Festivals nächstes Jahr?
Sad Sir: Nee, das ist jetzt alles so in der Mache.
Michelle Darkness: *zeigt auf ein Poster an der Wand* Wahrscheinlich eine Welttournee mit Bonfire. *alle lachen*

Wollt ihr euren Fans noch irgendetwas mit auf den Weg geben?
Sad Sir: Danke. Einfach nur danke.
Michelle Darkness: Ich schließe mich an.

Molle/Rockinwords

Rockinconcerts: End Of Green

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Rockintalks: End Of Green
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