Helsinki (Tavastia) 31.12.2008/01.01.2009

(c) Patty Toledo
(c) Patty Toledo

Das traditionelle Silvesterkonzert von HIM im Tavastia Klub in Helsinki ist das Ereignis in der HIM-Fan Welt. Seit nunmehr 10 Jahren pilgern die Glücklichen, die ein Ticket ergattern konnten, in die finnische Hauptstadt. Sie kommen – im wahrsten Sinne des Wortes – aus der ganzen Welt. Neben Deutschen, Engländern, Italienern und Russen trifft man immer öfter auch Nord- und Südamerikaner, die ihr Erspartes ausgeben, um mit ihrer Lieblingsband ins neue Jahr zu starten. Die finnischen Fans hingegen haben da das Nachsehen – für sie bleiben so gut wie keine Karten mehr übrig.

Im Jahre 2005/2006 wurde das Konzert zu einem unverhältnismäßig überteuertem, aber wegen des Hypes und der Zahlbereitschaft der Fans trotzdem immer restlos ausverkauftem 3-Tages-Mini-Festival ausgeweitet. Dieses Jahr wurden die Schreie der finnischen Fangemeinde endlich erhört und es wurde eine ganze Mini-Tour daraus: Das Helldone gab es auch in Tampere und Oulu, HIM gaben am 27.12. noch ein Zusatzkonzert im wesentlich größeren Nosturi in Helsinki. Dabei waren unter anderem die vom HIM-Publikum geliebten “Goth’n’Roller“ The 69 Eyes und Negative, sowie die Metaller von Stam1na.

Da ich nur am 31.12. in Helsinki anwesend war, wird es in dieser Review auch nur um diesen Tag gehen.

Den Anfang machten 45 Degree Woman, die ihre Musik als „Industrial Metal mit Vibes von Johnny Cash und Johnny Depp“ beschreiben. An diesem Abend erinnerte das Styling des Sängers allerdings eher an Ville Valo als an Johnny Depp, und von Johnny Cash war weit und breit nichts zu hören. Die Band absolvierte ein durchaus hörbares, wenn auch etwas eintöniges Set, welches aber den Nerv vieler HIM Fans getroffen hat. Ganz nett, mehr aber auch nicht.
Die zweite Band, KYPCK (Kursk), hatte da schon ein wesentlich interessanteres Konzept: Finnen, Doom Metal mit russischen Lyrics und ein klischeehaftes Sowjet-Kriegs-Image. Ein akzentfreieres Russisch hätte das Ganze schon etwas glaubhafter, wenn auch nicht weniger lächerlich gemacht. Aber aus der breiten Masse heben sie sich allemal ab.

(c) Patty Toledo
(c) Patty Toledo

Pünktlich um Mitternacht wurde dann das neue Jahr traditionell vom Tavastia-Promoter und Festival-Veranstalter Juhani Merimaa eingeläutet.
Einige Sekunden später betraten HIM die Bühne des mittlerweile bis in die hintersten Reihen proppevollen Clubs.
Eines vorneweg: Seit der Ausnüchterung von Sänger Ville Valo ist es der Band im Allgemeinen gelungen, die Live-Qualität massgeblich zu verbessern und die früher so bemängelte Konzertdauer zu verlängern. So standen auch dieses Mal 19 Lieder auf der Setlist, darunter zwei knapp 10 Minuten lange Songs, so dass das Konzert wirklich satte zwei Stunden dauerte. Alle Hits und Publikumslieblinge aus den 6 Studioalben der finnischen Exportschlager waren drin: Right Here In My Arms, Wicked Game, Poison Girl, Rip Out The Wings Of A Butterfly, Razorblade Kiss, Buried Alive By Love, The Kiss Of Dawn… und natürlich Join Me In Death, welches nach all den Jahren immer noch mit Abstand am Besten beim Publikum ankommt. Ein persönliches Highlight war das Billy-Idol-Cover Rebel Yell, welches letztes Jahr wieder ins Live-Programm aufgenommen wurde. Eine Überraschung war das seit Jahren nicht mehr gespielte When Love And Death Embrace vom Debut-Album Greatest Lovesongs Vol. 666. Das dürfte viele Fans sehr gefreut haben, mich allerdings nicht – den Song, dessen Lyrics aus vier Zeilen bestehen, fand ich auch auf der Platte unglaublich langweilig, live wurde er auch nicht besser. Ville Valo zeigte sich Anfangs gewohnt redefaul, im Laufe des Konzerts kamen doch einige Ansagen und Einkaufstips auf Englisch und Finnisch. Darüber, welche Sprache er bei dem Silvestergig mehr und welche weniger reden sollte werden sich die Fans wohl nie einig, so wurden bei jeder Ansage empörte Rufe laut, dass die jeweils andere Sprache geredet werden sollte.

(c) Patty Toledo
(c) Patty Toledo

Musikalisch war an diesem Auftritt nichts auszusetzen, es fehlte aber das, was eigentlich ein gutes Konzert ausmacht: Der Pep. Entertainer waren HIM noch nie und Show-Einlagen erwartet von ihnen auch niemand, aber zu einem guten Gig gehört das „gewisse Etwas“, was das Publikum dazu verleitet, mitzugehen und jedes Lied zu feiern. Das war schlichtweg nicht vorhanden. Zum Teil kann man aber auch dem Publikum die Schuld geben. Das typische HIM-Publikum, so auch an diesem Abend, steht entweder da und schmachtet oder steht da und ist gelangweilt. Gegen die Schmachtenden kann man leider nichts machen, jedoch gegen die Gelangweilten. Wenn man die Lieder so rüberbringt, dass sie mitreißen…“with a soul on fire“. HIM spulten aber lediglich „with a frozen heart“ ein technisch gutes Set runter.

Da war ja noch was… es war ja Silvester! Davon war nicht viel zu spüren.

Aber die Fans werden auch nächstes Jahr wieder nach Helsinki pilgern und auf ein unvergessliches Neujahrs-Erlebnis hoffen.

Setlist
1. It’s All Tears
2. Rip Out The Wings Of A Butterfly
3. Right Here In My Arms
4. Buried Alive By Love
5. Join Me In Death
6. Passion’s Killing Floor
7. Wicked Game
8. Killing Loneliness
9. Soul On Fire
10. Funeral Of Hearts
11. Your Sweet 666
12. The Kiss Of Dawn
13. The Sacrament
14. Poison Girl
15. Rebel Yell
16. When Love And Death Embrace

17. Vampire Heart
18. Razorblade Kiss
19. Sleepwalking Past Hope


PS: Liebe HIM Fans, hier schreibt jemand, bei dem eine 9 Jahre lange Fanliebe verflogen ist. Thanks for the memories.

Vika/rockinwords
www.heartagram.com
www.myspace.com/heartagram

Rockinconcerts: HIM
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4 Gedanken zu „Rockinconcerts: HIM

  • 14. Januar 2009 um 3:56 pm
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    Ja, so wars!! Sehr schöne Review!
    Bzgl. des schmachten^^ also 3 Lieder kann ich auch da stehen und den HIM anschmachten aber danach wirds echt langweilig….ich hoffe die Band ändert daran noch mal irgendwas.

  • 14. Januar 2009 um 6:29 pm
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    @ Shira: Was soll bitte die Band daran ändern, dass du Ville nur drei Lieder lang anschmachten kannst? Soll er strippen? … da hinkt doch gewaltig etwas an deiner Aussage.Also doch lieber eher die Musik so nehmen wie sie ist (ohne das schmachten) oder einfach nicht mehr hingehen?@ Vika: Klingt für mich sehr nach Sex mit dem Ex. Warum du die Bestätigung brauchtest, verstehe ich noch immer nicht, aber das ist dein Ding. Leute entwickeln sich, so soll es auch sein und allzu oft brechen dabei eben alte Bande. Alles Gute dir! 

  • 14. Januar 2009 um 6:30 pm
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    Ich fand Rebell Yell auch toll, aber da ich da grad erst rein kam, weiß ich von dem Davor nichts.
    Und danach gehörte ich wohl zur dritten Gruppe: mit den Lieben labern und bandunabhängigen Spaß haben.
    Danke für ein unvergessliches Neujahrs-Erlebnis!

  • 18. Januar 2009 um 9:23 pm
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    Ich finde, wenn man hier was reinschreibt, dann auch über den Bericht.Also ich finde, du hast alles so geschrieben, wie es wirklich war. Rebel Yell, war mein Highlight <3 Es war ein toller Abend, mit tollen Menschen – Dankeschön, an die Mädels!

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