Einen Tag nach der Walpurgisnacht trafen Schandmaul, die erst vor kurzem ihr neues Album „Anderswelt” veröffentlichten, zusammen mit Jesus on Extasy an der Bochumer Matrix ein, um mit ihren Fans weiter zu feiern. Dort nahm sich Anna Kränzlein, Violinistin der Band, Zeit für ein Interview mit uns, um über ihr neues Album, Musikdowloads und Zuckerknödel zu reden.

 

Erzähl uns etwas über euer neues Album „Anderswelt”

Anna: Der Titel des Albums ist quasi das Konzept, was wir schon immer mit Schandmaul verfolgt haben. Dieses Entführen der Leute aus dem Alltag, Probleme hinter sich lassen und den Stress und einfach eintauchen in die Anderswelt. Die Anderswelt an sich kommt eigentlich aus dem Keltischen mit Feen und dem Totenreich. Das hat aber nicht so viel zu tun mit dem was wir ausdrücken wollen, sondern eher mit den Geschichten und Märchen, die verzaubern sollen. Zum Album selber, wir waren für unsere Verhältnisse ziemlich lange im Studio. Wir haben acht Wochen lang die Musik gemacht, Thomas war noch mal zwei Wochen in Berlin zum einsingen. Wir haben uns sehr sehr viel Zeit genommen die Songs noch mal umzuarrangieren, im Studio sogar noch mal alles umzuschmeißen, zu sagen die Melodie passt nicht oder das Fundament muss noch mal erneuert werden. Wir haben sehr detailliert gearbeitet.

In dem Titeltrack zum Album geht es unter anderem um „Geister” die aus der Anderswelt in unsere Welt kommen. Inwieweit glaubst du selber an solche Dinge?

Anna: Also ich persönlich glaub da schon dran. Ich kenn das, wenn ich durch einen bestimmten Wald gehe, wo es moosbewachsen ist, wo mir dann schon Geschichten durch den Kopf gehen oder man spürt da etwas oder eine bestimmte Spannung oder Energie. Also ich bin da schon sehr empfänglich für so etwas.

„Krieger” erzählt die Sage von Siegfried Drachentöter weiter, eine Geschichte die ihr bereits aufgegriffen habt („Der junge Siegfried” / „Drachentöter”) Hat die Sage für euch/dich eine besondere Bedeutung oder bot sich der Inhalt einfach dazu an?

Anna: Also bei uns ist es so, dass drei Leute die Texte schreiben. Das sind Birgit, Thomas und ich und das hat soweit der Thomas geschrieben. Ich weiß, dass er die Nibelungensage gelesen hat und sehr begeistert davon war und dass er da einfach inspiriert war und den Siegfried da für sich mal vertonen wollte. Wir alle nehmen unsere Inspirationen teilweise aus Büchern. Da sucht man sich halt seine Figuren aus und schaut wer spricht mich an und wen lass ich da mal im Text erscheinen.

Wenn ihr ein „Konzept”-Album über eine bestimmte Sage erstellen müsstet, welche wäre das?

Anna: Mhh, bei mir ist es so, ich bin eher der Märchenfreakfan. Mein Lieblingsmärchen ist die Schneekönigin. Ich glaube ich würde eher ein Märchen als Albumkonzept nehmen. Ich weiß nicht, wie man das dann macht, ob man dann Märchen an sich vertonen würde oder mehrere.

Würdet ihr sagen, es gibt in eurer Musik eine Weiterentwicklung?

Anna: Auf alle Fälle. Ich meine, die zehn Jahre gehen an einem nicht spurlos vorbei und jeder entwickelt sich menschlich und auch musikalisch weiter. Wir haben es ja teilweise studiert bzw. waren auf Berufsschulen und haben da die Instrumente gelernt. Weitere Projekte gemacht, so musikalische Einflüsse die einfach von außen kommen. Das entwickelt sich alles weiter, auch die Band, die Freundschaften. Das spielt alles da rein. Gerade bei Birgit und mir gibt es mittlerweile eine Aufgeräumtheit bei den Melodieinstrumenten. Früher haben wir immer und alles gespielt, mittlerweile ist es nur an bestimmten Stellen, aber dann da richtig.

Bei der Live DVD „Hexenkessel” habt ihr euch für „Willst du” Verstärkung durch Micha Rhein geholt. Wird es in Zukunft evtl. Zusammenarbeiten im Studio geben oder liegen euch solche Kollaborationen fern?

Anna: Also wir nehmen jetzt zum zehnjährigen Jubiläum eine neue DVD auf und haben uns nun extra dafür entschieden diesmal so etwas nicht reinzunehmen. Vielleicht werden befreundete Mitmusiker uns begleiten und unterstützen. Aber so etwas wie mit Micha wird es nicht geben, der den Song umgeschrieben hat. Das war super super toll, aber dieses mal machen wir das allein.

Und für Studioalben?

Anna: Es ist eigentlich nichts geplant, weil wir selber so viele Ideen und Instrumente und Sachen haben, dass wir da noch nie das Gefühl hatten uns fehlt was oder wir bräuchten noch eine Unterstützung.

Ihr spielt bald euer Jubiläumskonzert, was ist das für ein Gefühl für dich?

Anna: Sagen wir mal so, als es damals angefangen hat, hat niemand von uns damit gerechnet, dass es mal so einen Erfolg hat wie es jetzt ist. Es war ja als Projekt geplant, ein Konzert und danach hören wir wieder auf. Es ging immer Schrittchen für Schrittchen weiter und das ist ein langer Weg, aber ein unheimlich schöner Weg. Das ist dermaßen in unserem Leben die Nummer eins, die Musik, das ist schon total verwachsen und geht auch ins Privatleben rein. Und das ist auch gut so. Man ist immer mit einer großen Familie unterwegs. Wenn das weg fallen würde, das wäre Wahnsinn. Man würde da so auf den Boden knallen und sagen, “Jetzt fehlt so etwas in dem Leben”. Das kann man sich schon gar nicht mehr weg denken. Und na ja, natürlich ist man auch ein bisschen stolz.

Eure Fans sind für euch etwas besondere, das merkt man durch die Aktionen, die ihr jedes Jahr aufs neue plant. Was würdet ihr gerne als nächstes planen bzw. was wäre euer Highlight?

Anna: Wir haben uns für dieses Fantreffen halt überlegt das Schiff zu mieten. Rhein-Mosel Fahrt. Es ist schwierig, du willst ja nicht nur eine kleine Menge ansprechen, sondern schon jeden, der kommen will. Und wenn ich jetzt sagen würde, zusammen Musik machen, wie will man mit 500 Menschen Musik machen?! Das wäre etwas schwierig. Das Einzige was wir anbieten können ist ein gemütlicher Nachmittag, zusammen chillen und grillen und wir sind offen für Fragen. Aber wer weiß, vielleicht könnte man das mal auf einer Burg machen. Ich glaube, an Ideen wird es uns nie mangeln.

Jedes eurer Lieder ist wie eine kleine Geschichte. Welchen eurer Songs würdest du verfilmt sehen wollen?

Anna: Also, ich find „Die Königin” vom neuen Album, das ist eh schon Filmmusik, aber ja, das wäre schon filmreif. Das wäre ein irrer Film.

Und was wäre deine Hauptdarstellerin für den Film?

Anna: Meine Hauptdarstellerin für den Film. Na ja wenn man eh Herr der Ringe filmmäßig unterwegs ist, dann Liv Tyler.

Oft enden eure Lieder tragisch wie z.B. „Die goldene Kette” oder „Die Braut”. Wie würdet ihr diesen Hang zur Dramatik beschreiben?

Anna: Das ist was ganz witziges. Nein, es ist nicht beabsichtigt. Und wir haben uns nach diesem Album hingesetzt und haben gesagt, „Wieso endet das nun so? Und kann man nicht durch eine ganz kleine Änderung am Ende die Braut nicht vielleicht doch retten?”. Jetzt haben wir gesagt, dass die Tendenz für die nächsten Alben in die andere Richtung gehen, weil eigentlich wollen wir das alles gar nicht so, dass alles so furchtbar endet. Also das ist eher zufällig, dass es so geballt daher kommt, dass alle sterben und so tragisch endet.

Bands wie In Extremo und Subway to Sally haben Videos gedreht, In Extremo schafften es sogar auf Sender wie VIVA und MTV gespielt zu werden. Gab es je Überlegungen dies auch zu tun?

Anna: Sagen wir mal so, das ist dieses große Thema Kommerz, was positiv oder negativ gewertet wird. Als Künstler willst du davon leben und du musst ja dann auch rentenmäßig was zur Seite tun, damit du davon auch noch später leben kannst. Also ist es nicht nur negativ behaftet in die großen Medien zu kommen und dort gespielt zu werden. Andererseits, den ganzen Mist, den die da die ganze Zeit spielen. Ich weiß nicht ob ich es so toll fände dazwischen gespielt zu werden. Es ist immer ein Abwägen. Im Moment find ich es einfach, so als Trotzreaktion, wir haben das gar nicht nötig. Die wollen da Kohle für haben und du sollst da reinbuttern damit die uns da in die Rotation aufnehmen und dann wirst du trotzdem wie Luft behandelt. Wenn wir in die Charts auf Platz acht einsteigen, werden wir einfach ausgelassen. Dann wird der Platz nicht erwähnt. Das ist also eher ein zweischneidiges Ding.

Ihr habt es geschafft von eurem ersten Auftritt in eurer Stammkneipe „Die HEXE” nun vor ausverkauften Hallen zu spielen. Inwieweit würdet ihr sagen hat euch das verändert?

Anna: Was ich ziemlich deutlich merke, wenn ich mir so was anschaue wie Deutschland sucht den Superstar. Die werden über Nacht groß und berühmt und jeder kennt sie. Ich glaube das geht gar nicht. Und das was wir gemacht haben, alles Schritt für Schritt und richtig hart dafür gearbeitet haben, das ist ein gesunder Weg. Ich hab nun schon oft bei dieser Tour erlebt, dass ich da auf der Bühne stehe und in die Säle schaue und mir denke, „Ich träume grade und ich bin in einem Film. Wieso steh ich hier? Warum hab gerade ich das Glück?”. Es gibt schon so unbegreifliche Momente, gerade auf dieser Tour, die mich einfach überrollt haben. Wenn du die Leute siehst und in die Gesichter schaust und das Glück siehst, dann bist du einfach überwältigt. Die Musik taucht immer weiter in die Welt des Internets ein, einige Künstler veröffentlichen ihre Songs oder Alben nur noch als Downloads. Wie betrachtet ihr die Entwicklung?

Anna: Also ich bin da ja die total konservative Musikhörerin und habe gerne meine CD mit dem Booklet in der Hand. Ich find’s auch ganz schlimm eine gebrannte CD zu haben, die wandert dann eh irgendwann in irgendeinen Karton und ich schau sie mir nie wieder an. Für mich ist die Wertigkeit mit dem ganzen Produkt verbunden und dazu gehört so ein liebevolles Cover, was ich durchblätter, wo schöne Fotos drin sind und nett hergerichtet ist. Macht auch ganz arg viel aus. Internet ist insofern super, dass du an viel mehr Leute rankommst und auch sehr einfach an die Leute rankommst. Also auch wenn du dich da nur für was interessierst, ich sag mal dieses MySpace Zeugs ist nicht schlecht. Da klickst du rum und kannst dir Eindrücke verschaffen und wenn du sagst, das interessiert mich, kannst du dir immer noch die CD kaufen. Es ist durchaus interessant, aber ich bin nicht der Typ der sich da was downloaden würde. Ich brauch die CD.

Einige deutsche Künstler haben an die Kanzlerin einen Brief geschrieben, in der sie sie baten ihre „Werke” mehr zu schützen. Ihr seid ein Teil der deutschen Musikbranche, wie steht ihr illegalen Downloads gegenüber? Sind sie eher Segen oder Fluch? Denn gerade für unbekannte Künstler kann es ja ein Sprungbrett sein.

Anna: Ich sag mal, wir sind in der glücklichen Lage, dass wir Fans haben, die unglaublich viel unsere CDs kaufen. Damit haben wir wirklich nicht das große Problem, dass die gedownloaded oder gebrannt werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass unsere Musik nicht im Radio rauf und runter gedudelt wird und wir dadurch eine andere Wertigkeit haben. Das Problem gibt es bei uns so drastisch nicht, dass es uns schaden würde. Und wie du gerade schon sagtest, es hat zwei Seiten. Auf der einen Seite wirst du bekannt dadurch, viel schneller und breiter gestreut und auf der anderen Seite muss der Künstler auch davon leben. Vielleicht muss sich da die Plattenfirma oder auch die ganze Musikbranche an die Nase packen und sagen, „Wieso muss eine CD auch so teuer sein?”. Ich kann doch nicht 18€ für eine CD verlangen, das geht halt auch nicht. Und dass es da vielleicht einen Weg für die Lösung gibt.

Welche Frage wolltest du schon immer in einem Interview gestellt bekommen und was wäre die Antwort?

Anna: Vielleicht, was mein Lieblingsessen ist.

Und das wäre?

Anna: Aber nur von meiner Mama, denn so was gibt es im Restaurant nicht. Das sind Zuckerknödel, so heißt das bei uns. Das gab es früher als ich noch klein war, heute krieg ich das nicht mehr so oft, weil ich nicht so oft daheim bin. Das sind Quarkknödel, da kann man ganz viel Zimt und Zucker drüber hauen und braune Butter und dann noch Kompott dazu. Da kann ich mich reinlegen.

 

Melle/Rockinwords

Rockintalks: Anna Kränzlein (Schandmaul)
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3 Gedanken zu „Rockintalks: Anna Kränzlein (Schandmaul)

  • 19. Oktober 2009 um 8:19 pm
    Permalink

    Danke für dieses super tolle Interview mit Anna Kränzlein! :-) Ist sehr interessant und Schandmaul ist eine Wahnsinnsband! ;-)

  • 29. November 2012 um 3:09 pm
    Permalink

    Mich hätt’ mal intressiert, mit wem sie denn liiert?
    ;-)

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