TheUsed-Jan2014
Es war an einem wahnsinnig warmen Dienstagabend in Berlin, als man uns aufgrund organisatorischer Probleme spontan ein Interview-Slot kurz vor dem Auftritt von The Used zuteilte. Eile war angesagt, doch war von all dem Chaos nichts zu spüren, als uns schließlich der charismatische Sänger Bert McCracken gegenübersaß, um mit uns ausführlich über die politische Lage der Welt, der Geschichte von The Used und seinem eigenen inneren Frieden zu reden.



Dankeschön für deine Zeit! Erste Frage über euer neues Album Imaginary Enemy: Was war der Grund über solch ernste Themen zu singen?
Ich denke, eine Vielzahl verschiedener Dinge. In meinen Augen war es schon immer die Aufgabe von Punkrock, auf Ungerechtigkeit in der Welt hinzuweisen, ähnlich wie einige meiner Lieblingsbands: Rage Against the Machine und die Dead Kennedys. Ich denke, wir bringen Musik in die Zeit zurück, in der sie wichtig war. Als Musik eine „Waffe“ war, die die Welt selbst gestaltet und nicht nur ein Spiegelbild jenes traurigen Ist-Zustandes der Gesellschaft aufzeigt. 

Aber gab es einen bestimmten Auslöser?
Also ich habe gerade eine Tochter bekommen, ihr Name ist Cleopatra Rose, sie ist ein wunderschöner kleiner Engel. Und das brachte mich dazu, mehr über die Welt nachzudenken, in der sie aufwachsen wird. 

Und wenn du eine Sache ändern könntest, vielleicht für deine Tochter, nur eine Sache auf der Welt, was würdest du ändern?
Ich würde deregulierten Kapitalismus ändern.

Irgendeine Idee wie du das anstellen würdest?
Nun, es muss gleichmäßig geregelt werden. Kapitalismus sollte kein Mittel sein, um Menschen zu unterdrücken. [lacht] Es sollte so einfach sein wie Familien, die sich unterstützen, weißt du?

Das sind neue Themen für The Used. Neue Themen, ein neuer Sound, du hast einen neuen Look, aber seid ihr noch die gleichen The Used?
Ich denke, The Used haben immer Songs über persönliche Freiheit geschrieben. Die Herausforderung ein Mensch zu sein, Fehler zu machen und von diesen zu lernen. Eine Art Schmerz des Menschwerdens, Momente in denen wir allein sind und lernen mit dieser Einsamkeit umzugehen. Ich denke, wir haben es diesmal alles zusammen genommen und ein bisschen größer gefasst, ein größeres Bild kreiert, da es wirklich sehr wichtig ist. 

Ja, ich mag es wirklich sehr…
Danke!

Es ist, als würde es den Funken wieder entfachen.
Oh, das ist großartig! Wir können nur hoffen eine Inspiration mit auf den Weg zu geben.

Sind eure Fans zufrieden?
Ich denke schon. Alle haben bis jetzt sehr gut darauf reagiert. Es ist wie Öl ins Feuer zu gießen. Es passiert so viel Verrücktes in der Welt im Moment. Ich denke, je mehr wir wissen, je mehr wir uns informieren, je mehr wir uns drum kümmern, desto besser. 

Das ist sehr verantwortungsbewusst von euch!
[lacht]

Was ist euer Lieblings Live-Song von der neuen Platte? Es ist voller Energie, wie sind eure Erfahrungen bis jetzt?
Allein auf dieser Tour hatten wir einige sehr sehr gute Reaktionen auf den Song Revolution. Der kommt einfach an bei Leuten. Besonders die Russen waren total verrückt nach dem Song. 

Das kann ich mir vorstellen.
Es ist schön zu sehen, dass die Menschen verstehen, worüber wir reden. Wir sprechen von einer Entwicklung durch Liebe und nicht durch eine Ansammlung von bedeutungslosen Dingen [zeigt auf Handys]. Ich glaube, dass jedes bisschen etwas bewirken kann. Die Fans, die unsere Musik so lieben, verstehen die Message und das ist gut. Ich meine, es macht viel Spaß, die Songs zu spielen. Wir haben sie dieses Mal eher um die Ideen und Melodien herum geschrieben. Und das passt besser dazu. Also zur Band, denke ich. Sie sind einfach zu singen und es macht echt Spaß!

Inwiefern ist ein Imaginary Enemy verbunden mit einem Imaginary Friend?
Es ist fast das gleiche. Ich denke, wir wachsen als Produkte dessen auf, was unsere Eltern über sich selbst denken und vieles von dem, was wir sind, ist sozial bedingt. Sagen wir, euch wird beigebracht, dass… George Bush ein schlechter Mensch ist, weißt du, es gibt genauso Menschen, die glauben, er sei ein guter Mensch… Wir versuchen lediglich die Menschen dazu zubringen über ihre eigene Meinung nachzudenken und sich nicht von anderen sagen zu lassen, was richtig und falsch ist. 

Ziemlich wichtig!
Sehr wichtig!

Ihr habt euch mit jedem Album selbst vor eine Herausforderung gestellt. Was könnt ihr uns über die Zukunft von The Used sagen?
Die Zukunft sieht vielversprechend aus. Ich denke, solange wir Spaß daran haben Musik zu machen und uns darauf fokussieren, über wichtige Dinge zu reden, darauf vielleicht uns und andere zu inspirieren… Das hier ist gerade erst der Anfang. 

Das ist schön zu hören!
[lacht]

Heute ist euer einziges Deutschland Konzert. Gibt es Pläne für eine weitere Tour durch Europa oder Deutschland?
Hoffentlich zu Beginn des nächsten Jahres. Aber es ist alles noch unsicher. Behaltet einfach unsere Website im Auge. Wir lieben Deutschland wirklich sehr, besonders, nach einer Woche in Russland. Oh Mann, es ist so eine Erleichterung, wieder hier zu sein.

Ja genau, wie war Russland?
Es war gut, aber… Russland ist so dunkel, grau und kalt…

Die Leute oder die Konzerte?
Die Leute! Die Musikfans sind überall großartig. Ich denke, Musikfans, aber besonders Hardcore The Used Fans sind so leidenschaftlich, das ist großartig. Es ist einfach eine andere Welt. Wart ihr je in Russland?

Nein, niemals.
Ja, Russland ist… tough.

In Berlin haben wir oft den Eindruck, dass das Publikum nicht einfach zu beeindrucken ist, da sie so viel sehen.
Ja, ich denke, man entwickelt dann so eine Einstellung. Aber sie bekommen The Used nicht sooft zu sehen wie vielleicht eine lokale Band. 

Hast du irgendwelche Ratschläge für eure deutschen Fans, wie sich verbessern können?
Nein. [zuckt mit den Schultern]

Nein?! Nur so wie sie sind?
Nein, die Leute sollen sich so benehmen, wie sie wollen. Ich finde, Musik ist eine tolle Art vor der harten Realität zu flüchten. Daher ist es sehr wichtig, den Moment zu genießen und Erinnerung für eine ganze Lebenszeit zu schaffen. 

Ihr seid schon sehr lang als Band unterwegs. Hast du Veränderungen bei euren Fans festgestellt?
Ein bisschen. Aber ich finde, Musik spricht einen gewissen Teil unserer Kindheit an, also gehen wir zu einem Zeitpunkt zurück, an dem wir uns kindisch und lächerlich benehmen können, ohne dabei Angst davor zu haben, was der und die über dich denkt. Musik erlaubt uns, frei zu sein. Also nein, keine große Veränderung, vielleicht das Alter. 

Werden die Fans älter?
Einige, aber ich sehe auch einige jüngere.

Ja, das haben wir bemerkt, als wir unten warteten, einige Teenager liefen da auch rum.
Es gibt eine gute Mischung. Wir haben viele Fans, die bei ihren ersten Besuchen noch so klein waren und jetzt sind das fast Erwachsene. [deutet Körpergröße mit Hand an]

Oh, wie cool!
Ja, das ist wirklich sehr cool!

Okay, jetzt vielleicht noch eine persönliche Frage. Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, hast du erzählt, dass du aufgehört hast zu trinken. Hat sich seit dem deine Performance oder das Tourleben im Allgemeinen verändert?
Für mich, der ich ein leidenschaftlicher Alkoholiker war, kann ich festhalten, es ist für mich so viel einfacher ohne Alkohol. Wenn ich betrunken bin, bin ich betrunken und wenn nicht, bin ich verkatert und warte darauf, mich zu betrinken. Seit ich aufgehört habe zu trinken, habe ich viel mehr Zeit mich auf die wichtigen Dinge zu fokussieren, wie Familie, Informationen… Ich lese auch viel – es ist wirklich schwer zu lesen, wenn du betrunken bist.

Also war das alles hier vielleicht kein Zufall?
Nein, nicht im Geringsten. Es ist alles Teil einer großen Entwicklung. Ich ermutige die Leute, wenn sie was trinken wollen, aber es ist eben ein großer Unterschied zu einer ernsthaften Sucht, die dein Leben und alles um dich herum zerstört. Manchmal müssen wir Verantwortung übernehmen und uns unser Problem eingestehen. Daher bin ich ein lebendes Beispiel für Hoffnung. Ich hoffe, dass die Leute da draußen, die wie ich ein Alkoholproblem haben, merken, dass es auch Leute wie mich gibt und dass es für mich nun möglich ist, ein schönes und glückliches Leben zu führen. 

Das war’s auch schon. Hast du vielleicht noch ein paar Famous Last Words für deine deutschen Fans?
Ich denke, es gibt nichts Schlimmeres, als deine persönliche Freiheit für Stabilität zu opfern. Daher möchten wir die Leute ermutigen für ihre eigene Meinung und Überzeugung einzustehen. 
Wir möchten uns aber auch für die riesige aufopferungsvolle Unterstützung bedanken. Ich lebe meinen Traum, seit ich mit dieser Band anfing, und die Tatsache, dass wir immer noch hier sind, ist nur wegen den Fans. Und deswegen tragen wir sie voller Liebe im Herzen, vielen Dank. „Dankeschön“ [auf deutsch]!

Penny und Siss für Rockinwords

[Englisch Transkript]

theused.net
https://www.facebook.com/TheUsed

 

Rockintalks: Bert McCracken (The Used)
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