10361309_10152597620862770_7485364522900628649_nEs ist doch faszinierend, welche Bands der Süden Englands alles zu bieten hat. Man fängt harmlos als Hörer von, sagen wir mal You Me At Six an und Stück für Stück eröffnet sich ein Mikro- oder gar ein Makrokosmos an einer Fülle von sehr bis extrem talentierten Bands. In dieser Ausgabe von RockinTalents widmen wir uns der vierköpfigen Kombo Lower Than Atlantis (kurz: LTA) aus der Region Hertfordshire bei London, die am 29. September ihr neues, selbstbetiteltes Album in die Welt entlassen.

Gegründet wurde LTA von den beiden Gitarristen Mike Duce – gleichzeitig Lead Singer – und Ben Samson – gleichzeitig (naja, nicht WIRKLICH gleichzeitig) am Keyboard aktiv – im Jahr 2007 und schon ein Jahr später wurde ihre erste EP Bretton veröffentlicht. Die beiden bis heute festen Mitglieder der Band waren große Fans von Biffy Clyro, NOFX und Blink-182, vor allem letzteres hört man dem Gitarrenspiel doch stark an. Davon abgesehen herrschte auf der EP musikalische Anarchie: Gesang mischt sich mit Shouting, Tempowechsel, Punk meets Grunge, … ein typisches Frühwerk, auf dem sich die Band erst einmal die Hörner abstoßen muss.
Seitdem haben LTA allerdings schon ganze 3 Alben veröffentlicht: Far Q (Wortspiel beabsichtigt! Im Jahr 2010), World Record (2011) und Changing Tune (2012), anhand derer sich die doch deutliche musikalische Entwicklung seit Bretton nachvollziehen lässt.

Auf Far Q sind die Shout- und Gesangpassagen klar voneinander getrennt, auch mit den Tempowechseln hielten sich die Briten hier etwas zurück. Meist findet sich eine flotte gitarrengetragene Strophe, gepaart mit einem melodischeren, gesungenen Refrain. Auf Songs wie Taping Songs Off The Radio und besonders bei Mike Duces Symphony No 11 in D Minor scheint die melodischere, softere Seite der Band schon sehr deutlich durch, bei der Duce auch nur singt und kaum noch shoutet. Thematisch blieb man damals aber noch sehr Punk, man kritisierte die Musikszene, sprach die Jugend an und betitelte Songs nicht nur mit Far Q, sondern auch mit Eating Is Cheating, B.O.R.E.D. und anderem.

Schon ein Jahr später befindet sich ihr Werk World Record wohl noch eine Stufe weiter auf dem Weg zum ultimativen LTA-Sound. Das Gitarrenspiel ist um einiges besser auf die restlichen Arrangements abgestimmt und auch der Gesang klingt etwas ausgereifter. Womöglich haben die neuen Bandmitglieder Eddy Thrower (Drums) und Declan Hart (Bass) ihren Teil dazu beigetragen. Denn es werden auch neue musikalische Einflüsse deutlich, auf ihrer Myspace-Seite beschreibt man es folgendermaßen: “Taking on a more alternative rock sound inspired by the likes of Foo Fighters and Jimmy Eat World, the album signaled the band’s continued evolution from hardcore punk to melodic indie rock.” Auch wenn ich persönlich den Indie-Rock noch suche, hört man zumindest die Foo Fighters deutlich heraus. Man kann auch ein paar Grunge-Elemente a la Nirvana oder Soundgarden erkennen, vor allem gesanglich, jedoch auch mit dem symptomatisch dreckig-deepen Zusammenspiel aus Gitarre und Bass, beispielsweise auf Deadliest Catch.

Changing Tune schließlich erreichte erstmals die UK-Albumcharts (25) und dies auch verdient. Songs wie Scared Of The Dark oder Normally Strange sind deutlich aufwendiger arrangiert, das Shouting ist komplett in den Hintergrund gerückt und insgesamt hinterlässt das Album einen absolut melodischen Eindruck, ohne jedoch die dreckigen Grunge- und Punk-Elemente zu verlieren.

Nun erscheint in wenigen Wochen das nächste Album Lower Than Atlantis, von denen sie bisher die beiden Songs Here We Go und English Kids in America veröffentlicht haben. Was man hören kann, erweckt den Eindruck, dass sie noch weiter an sich gearbeitet haben: Noch mehr Rhythmus, Mitklatsch-Potential und harte Melodien, die noch besser auf die Gesangsfähigkeiten von Mike Duce abgestimmt sind. Denn wenn die alten LTA-Songs eine Schwäche hatten, dann war es ihre Umsetzung auf den Live-Bühnen: Der grunge-punkige Sound verlangt den Stimmbändern einiges ab und nicht immer konnte Duce da live mithalten. Doch die letzten Aufnahmen (erst letztes Wochenende auf dem Reading- & Leeds-Festival) machen auch in dieser Hinsicht große Hoffnung.

Man kann also gespannt sein, welche Neuerungen uns auf dem neuen Werk der Watford-Boys erwartet und wohin die musikalische Reise des Quartetts noch geht. Eine Deutschland-Tour für nächstes Jahr, auf der man sich live von ihnen und Mike Duces neuem Bart überzeugen kann, wäre absolut wünschenswert.

http://www.lowerthanatlantis.com/
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RockinTalents: Lower Than Atlantis
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