„Musik, die im Halbdunkel des Schlafzimmers entsteht“ – so beschreiben The Courtesans ihren Stil auf ihrer Facebookpage. Im September brachten die vier hübschen Damen aus England ihr Album 1917 raus und zwischen dem ein oder anderen Clubkonzert waren sie auch noch so nett, uns ein paar Fragen zu beantworten. Heraus kam ein bisschen Geschichtsunterricht, ein paar Infos über ihr Release sowie eine kurze aber großartige Rede darüber wie schnell man zu einem Objekt degradiert wird – und was in den Köpfen der Menschen dazu so alles falsch läuft.

28079_387496557992828_402293122_nIhr seid ja noch nicht so sehr bekannt in Deutschland. Könnt ihr euch dem deutschen Publikum einmal vorstellen? Wer sind The Courtesans?
Sinead La Bella – Gesang, Saffire Sanchez – Gitarre, Agnes Jones – Bass und Victoria Brown – Schlagzeug. Wir sind vier Frauen, die Doom Pop spielen und in ihrer Freizeit Möbel aus den Knochen ihrer Feinde bauen und Speckkuchen backen.

Euer Debutalbum 1917 wurde im September veröffentlicht. Was erwartet uns?
Ein bittersüßer aber erhebender Cocktail, der euch in etwa 40 Minuten betrunken macht. Eine vielseitige, dunkle und cineastische Mixtur aus Doom Pop und Elektrorock.

Warum habt ihr als Titel 1917 gewählt oder besser: Was geschah 1917?
1917 war ein sehr ereignisreiches Jahr… Johanna Westerdijk bekam als erste Frau in Holland eine Professur, Loretta Walsh wurde der erste weibliche Petty Officer in der US Navy, Italien erklärte Deutschland und der Türkei den Krieg, die Chicage White Sox besiegten die NY Giants gleich viermal in den World Series… Das wichtigste Ereignis für uns war jedoch die Hinrichtung der letzten berühmten Kurtisane – der holländischen Tänzerin Mata Hari – in Vincennes am Rande von Paris.

Seid ihr gespannt auf die Reaktionen auf das Album?
Wir haben Herzklopfen und sind gespannt auf die positiven und negativen Reaktionen… Wir bereiten gerne Ärger – haha.

Werdet ihr auch touren, um das Album zu promoten? Vielleicht auch außerhalb von Großbritannien?
Höchstwahrscheinlich! Ehrlich gesagt haben wir das Gefühl, dass die Leute auf der ganzen Welt unsere Musik mitbekommen – wir können uns natürlich auch irren! Wir haben auf jeden Fall Resteuropa im Auge, wozu in 2015 natürlich auch Deutschland gehört.

Wer oder was sind eure musikalischen Einflüsse? Wenn ich mir eure Musik anhöre, muss ich oft an Bands wie Nine Inch Nails denken…
Nine Inch Nails sind auf Platz 1! Sie haben großen Einfluss auf uns, neben Bands wie den Deftones, Tool, Rammstein und Marilyn Manson. Ebenso elektronische Genres wie Drum’n’Bass, Dubstep und Elektro-Pop, die sich sehr auf unsere Musik auswirken.

Gibts bestimmte Künstler, mit denen ihr gerne mal zusammen arbeiten wollt?
Ohne Zweifel Rammstein und Marilyn Manson!

Wie läuft bei euch der Schreibprozess ab? Schreibt Sinead alle Texte oder seid ihr alle beteiligt?
Wir schreiben zusammen mit der ganzen Band und wir arbeiten sehr viel mit anderen Schreibern zusammen.

Denkt ihr, es ist heutzutage, wo so ziemlich jeder in einer Band spielt, besonders schwer, mit seinem Projekt aus der Masse herauszustechen und etwas einzigartiges zu schaffen?
Es ist immer schwer, etwas zu machen schaffen, was heraussticht, vielleicht gerade heutzutage weil die Technik so weit ist, dass so gut wie jeder Musik machen kann. Wir glauben, es geht nicht darum, es zu versuchen, sondern einfach zu machen was man will und wenn das einzigartig genug ist, wird es auffallen. Wir haben immer aufgepasst, eben nicht einem bestimmten Muster zu folgen, vor allem da man durch die ständige Bewegung innerhalb der verschiedenen Genres sowieso alle Möglichkeiten hat, um etwas Besonderes zu schaffen.

Ihr habt diesen sehr erotischen und femininen Style, mit dem ihr spielt. Denkt ihr nicht manchmal, dass euch Leute nur darauf reduzieren anstatt auf eure Musik?
Wir sind uns darüber im Klaren, dass das einige Leute tun! Manche kritisieren das auch und das ist ihr gutes Recht. Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung. Uns ist das egal, solange die Mehrheit uns nicht auf Titten und Hintern beschränkt. Exhibitionismus ist unsere Art, gegen die Unsicherheit anzukämpfen, die uns allen im jungen Alter eingepflanzt wurde, aber auch um unsere Sexualität auszudrücken. Sexualität ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Menschens. Wir versuchen das auf geschmackvolle Weise dort einzubringen, wo es hinpasst – überall wo wir denken, dass es natürlich und akzeptabel ist.
Sexualität ist genauso wichtig wie Essen und Atmen, ob Leute sich dazu entscheiden, das zu unterdrücken oder auszuleben, man kann dem nicht entkommen. Und das Ganze zu unterdrücken hat aus unserer Erfahrung auch keine besonders guten Auswirkungen auf die Gesundheit, weder auf die körperliche noch auf die mentale.
Viele Feministinnen haben einfach Angst, zuviel Haut zu zeigen, weil sie denken, dass sie dann zu Sexobjekten degradiert werden… Das ist zwar verständlich aber es sollte nicht so sein – und das gilt für Männer und Frauen. Unsere Körper sind ein Kunstwerk der Natur! Nackt zu sein heißt nicht automatisch sexuell erregt zu sein, vollständig angezogen zu sein heißt aber auch nicht das Gegenteil. Wenn du einen Minirock trägst, heißt das nicht, dass du direkt nach einer Gruppenvergewaltigung schreist. Wir kamen nackt auf die Welt und es sollte einfach niemand zu einem Objekt gemacht werden, ob Mann oder Frau.

Danke, dass ihr euch die Zeit genommen hat! Ich hoffe, man sieht euch eines Tages mal live und macht weiter so!
Danke dir! Peace, love and music – xxx.

Molle/Rockinwords

[English Transcript]

https://www.thecourtesans.org
https://www.facebook.com/thecourtesans

Rockintalks: The Courtesans
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