Deathstars – 09.11.2014 – Köln, Underground

DSC013751Was macht der gemeine Deutsche so um sich den Sonntag Abend zu vertreiben?! Na klar, Tatort gucken. Aber das kann ja jeder, was macht man also wenn man ein bißchen mehr Action und weniger als pseudo-intellektuelle Mordermittlungen getarnte Sozialkritik erleben möchte? Richtig, man quetscht sich mit völlig fremden Menschen, die man noch nie kennenlernen wollte, in ein (mal wieder!) hoffnungslos überfülltes Kölner Underground um sich die Deathstars live anzusehen… oder auch nicht zu sehen, aber dazu später mehr.

Erste große Frage des Abends: Gibt’s eigentlich ne Vorband? Vorab war nach kurzer Internet-Recherche keine Info darüber zu finden. Wir mussten uns also überraschen lassen. Und die Überraschung kam in Form der ebenfalls schwedischen Band The Dead And Living.
Als sie die Bühne betreten drängt sich einem unweigerlich sofort der Gedanke auf: Na da mag aber jemand Whiplasher ganz gerne oder?! Der Sänger von The Dead And Living, der sich Coroner nennt, sieht zumindest aus wie eine schmächtigere und circa 10 Jahre jüngere Version des Frontmanns der Deathstars.
Auch die Musik ist der des Hauptacts recht ähnlich, auf die elektronischen Elemente verzichten die toten Lebenden allerdings, ebenso bleiben die eingängigen Melodien den Vorbildern vorbehalten.
Coroner ist zwar bemüht das Publikum für sich und seine Band zu gewinnen, die Stimmung wartet aber lieber draußen. Nachdem selbst das Ausrufen des Notsignals Mayday, Mayday nicht für Euphorie im Publikum sorgt, bleibt nur noch eine Möglichkeit: Wenn man die Leute selbst nicht zum schreien kriegt, dann muss halt der Fronter des Haupacts ran. Und weil Whip so’n Netter ist und sich sicher geschmeichelt fühlt von seinem jungen Double, tut er ihm den Gefallen.
„What the fuck just happened?!“ fragt der Herr Gerichtsmediziner sich nachdem sein Idol die Bühne wieder verlassen hat. Gute Frage und nicht das erste und nicht das letzte Mal, das ich sie mir heute stelle.
Gegen Ende des Auftritts gibt es technische Probleme, weswegen der Drummer, Vincent, anscheinend die Bühne verlässt, mit Sicherheit kann ich das nicht sagen, da ich das Schlagzeug, dank des vorteilhaften Grundrisses des Underground leider nie zu Gesicht bekomme. Als sich alles geklärt hat scherzt Coroner: „This is the best soundcheck we’ve ever had.“ Tja, das kann ich leider nicht behaupten. Und ich bin nicht mal in einer Band.

DSC015311Nach der Vorband erstmal frische Luft schnappen, drinnen wird einem schon langsam schwindelig vor Sauerstoffmangel. Da hilft auch die geöffnete Tür nix.
Als die Deathstars sich über den Innenhof auf den Weg zur Bühne machen ist die allgemeine Grundstimmung am ehesten mit „Ich will da nicht wieder rein“ zu beschreiben und dass man beim Betreten der Venue gegen eine Wand läuft, die sich aus den Ausdünstungen von zu vielen Leuten auf zu kleinem Raum gebildet hat, trägt nicht unbedingt zur guten Laune bei.
Wenigstens direkt vor der Bühne scheint die Stimmung nun gut zu sein, nachdem die schwedische Band, die man eigentlich sehen wollte mit dem ersten Song ‚Temple Of Insects‘ loslegt. Oder vielleicht sind da vorne auch einfach alle schon ein bißchen benebelt. Ein Zustand, der sich innerhalb der nächsten anderthalb Stunden nicht verbessern dürfte, ist doch Nebel der eigentliche Hauptakteur an diesem Abend.
Als die Band mit ‚Metal‘ den zweiten Song anstimmt, ist von den Musikern auf der Bühne schon nichts mehr zu sehen, alles was aus Richtung der Bühne zu erkennen ist sind bunte Lichter im Nebel. Und der Mann an der Nebelmaschine scheint fest entschlossen das so zu belassen. Mindestens drei viertel der Show sieht man von den toten Sternchen auf der Bühne bestenfalls Silhouetten.
Alle meine Begleiter geben spätestens nach der Hälfte des Konzerts auf und warten draußen. Erst für den letzten Song des Abends, ‚Blitzkrieg‘, tun sie sich die gemischte Großsauna nochmal an.
Verpasst haben sie nicht wirklich viel, zu ‚Blood Stains Blondes‘ darf sich Doppelgänger-Whip zu seiner Lieblingsband auf die Bühne gesellen. Hat den Song jetzt nicht unbedingt besser gemacht, aber er hat sich sicher gefreut.
Musikalisch sind die Deathstars wie immer in Ordnung, die Songauswahl ist ein bunter Querschnitt durch alle vier Alben und so dürfte in dieser Hinsicht für jeden etwas dabei gewesen sein.
Visuell – wenn man denn mal was sieht – fällt das Fehlen von Cat, dem ehemaligen zweiten Gitarristen, der letztes Jahr aus der Band ausstieg, meiner Meinung nach deutlich ins Gewicht. Man mag technisch ohne die zweite Gitarre auskommen, aber als Stimmungsmacher ist er auf der Bühne kaum zu ersetzen. Zumal Whiplasher zwar die Songs gesangstechnisch ganz gut auf die Kette kriegt, er sich aber zwischen den Songs scheinbar schnell eine Socke in den Mund stopft, damit auch ja kein Wort von dem versteht was er dem Publikum erzählt.

Fazit: Wenige lichte Momente, der Rest fiel aus wegen Nebel. In ein paar Wochen haben die meisten der anwesenden Leute wahrscheinlich schon wieder vergessen, dass sie überhaupt auf diesem Konzert waren oder warum zum Geier sie sich eigentlich an diesem einen Sonntagabend in einen überfüllten Darkroom gequetscht haben anstatt gemütlich auf dem Sofa Tatort zu schauen.

Setlist

  • Temple Of The Insects
  • Metal
  • New Dead Nation
  • All The Devil’s Toys
  • Tongues
  • Death Dies Hard
  • Explode
  • Synthetic Generation
  • The Perfect Cult
  • The Greatest Fight Of The Earth
  • Chertograd
  • Night Electric Night
  • Play God
  • Semi-Automatic
  • Blood Stains Blondes

Zugabe

  • Fire Galore
  • Cyanide
  • Blitzkrieg

Kirsten für Rockinwords

www.deathstars.net
Deathstars auf FB

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