Nach zahlreichen Konzerten in den USA und Großbritannien machte sich die italienische Band Lacuna Coil auch einmal wieder auf den Weg nach Deutschland und gab ein Konzert in der Kölner Essigfabrik. Netterweise nahmen die Sänger Cristina Scabbia und Andrea Ferro ein bisschen Zeit, um uns vor ihrem Auftritt ein paar Fragen zu beantworten.

Bildschirmfoto 2014-12-21 um 08_FotorIhr habt vor ein paar Wochen noch in den USA gespielt – wie war es?
Andrea: Es war toll. Wir haben größtenteils in Kanada gespielt. Wir waren da so ca. zwei Wochen unterwegs.

Ist es für euch noch etwas Besonderes, wenn ihr zuhause, also in Italien, spielt?
Cristina: Wir spielen die letzten vier Gigs dieser Tour in Italien. Nach dieser langen Zeit ist es schön, nach hause zu kommen und dort zu spielen, wo die Leute dich wirklich kennen. Aber ich sehe da trotzdem keinen großen Unterschied. Wir mögen es genauso in jedem anderen Land, da wir das Glück haben, überall die gleichen Fans zu haben. Es gibt Fans, die uns fast überallhin hinterher reisen, von Europa, in die Staaten nach Australien. Es ist also jedes Mal anders und doch irgendwie gleich. Die Energie ist die gleiche, die Leidenschaft auf der Bühne. Wir sind froh, wieder nach Italien zu kommen, aber wir behandeln die Leute dort nicht anders.

Gibt es denn einen bestimmten Ort, wo ihr am liebsten spielt?
Andrea: Am besten ist es eigentlich in den USA und in England und vielleicht noch an ein paar anderen Orten in Europa, weil wir da die meisten Fans haben… Russland ist auch toll, ich meine, überall kann es toll sein. Sogar in Deutschland. Manche Shows sind nur einfach wärmer als andere.

Wart ihr eigentlich auch schon mal in Asien? Ihr habt doch mal in Japan gespielt…
Andrea: Ja, wir waren in Japan, in Vietnam… Aber wir waren noch nie in China, das wäre mal cool.

Hier ist eine Frage für Cristina: Wie ist es auf Tour als einzige Frau unter Männern?
Cristina: Da gibt’s keine Probleme. Wir kennen uns schon so lange. Vielleicht musst du eher die Männer fragen, wie es mit einer Frau ist. Ich gehe nämlich soviel shoppen, dass der Platz im Bus knapp wird… Aber wir haben echt keine Probleme. Es ist wie eine zweite Familie, mit der man arbeitet. Wir wissen alles voneinander und wir wissen auch, wann man den anderen mal in Ruhe lassen sollte. Wie Familie eben.

Und was ist das Beste und was das Schlimmste daran, auf Tour zu sein?
Andrea: Das Beste ist, dass du so viele verschiedene Orte und Menschen kennenlernst. Manchmal hat man Zeit, sich etwas Besonderes anzuschauen, nicht oft, aber manchmal eben. Meistens sehen wir nur den Bus, die Venues und den Parkplatz, aber manchmal sieht man Plätze die einen neue Entdeckungen machen lassen. Während das Schlimmste natürlich ist, die Familie zu vermissen. Du musst dich immer wieder für ein paar Wochen oder Monate verabschieden und du weißt, dass du irgendwas verpassen wirst, da diese Zeit niemals zurückkommt.

Wenn ihr soviele neue Orte seht und Leute trefft, inspiriert euch das, neue Stücke zu schreiben?
Cristina: Reisen verändert dich natürlich. Wenn du die ganze Zeit am gleichen Ort lebst, bekommst du kaum neue Orte oder andere Kulturen mit. Du hast immer die gleichen Dinge um dich herum, das ist halt das Leben. Der Fakt, dass wir soviel reisen… Es lehrt uns etwas und wenn ich dann zu meinen Freunden nach hause zurück komme, hab ich einfach eine Menge erlebt. Man wird so offen für alles neue und fremde, das hat man eigentlich nicht, wenn man immer am selben Ort lebt. Es kann aber auch manchmal komisch sein, wenn man so offen ist. Dann kommt dir das komisch vor, wenn Dinge für dich mittlerweile total normal sind und alle zuhause ausrasten nach dem Motto „Oh mein Gott!!“ und du denkst dir nur „Hä? Aber in dem und dem Teil der Welt ist das doch normal!“ – also manchmal ist es echt komisch.

Broken Crown Halo ist euer siebtes Studio-Album. Gibt es ein Album, auf das ihr mehr stolz seid als auf die anderen?
Andrea: Wir sind auf jedes unserer Alben stolz, weil jedes Album zu einem anderen Moment in unserem Leben gehört. Jedes Album ist perfekt in einem bestimmten Moment. Wie zum Beispiel 1999, als wir in eher eine Gothic-Metal-Band waren. Vor allem am Anfang waren wir mehr in dieser Szene und wollten uns auch so anhören wie unsere Lieblingsbands. Mit der Zeit lernt man einfach viel, man reist viel, man ist offen für Neues und entwickelt seinen eigenen Sound. Ich bin also auf jedes Album stolz. Aber man fühlt sich zu dem aktuellen am meisten verbunden weil es beschreibt, wer man selber in diesem Moment ist. Jedes weitere Album hat uns neue Türen geöffnet, deshalb gibt es kein Album was ich jetzt nicht mehr mag. Alle Alben fassen unsere Reise der letzten zehn Jahren zusammen und das werden wir immer mit uns tragen. Aber es ist natürlich mit einem aktuellen Album schöner, weil man Neues live spielen kann.

Spielt ihr denn auch immer noch alte Songs?
Cristina: Auf jeden Fall. Es ist natürlich schwierig, aus so vielen Alben Lieder auszuwählen, vor allem wenn man neue Songs hat. Es sind natürlich auch Songs von Comalies und Unleashed Memories dabei, aber man kann nicht viele von den ganz alten Songs mit rein nehmen. Bei einer besonderen Show kann man das machen, zum Beispiel als wir vor zwei Jahren Jubiläumsshows gespielt haben. Da waren zum Beispiel Songs EPs dabei.

Ihr auch manchmal eine Schreibblockade?
Cristina: Oh ja. Auf jeden Fall. An manchen Tagen fällt einem nichts ein, an anderen schreibt man die ganze Zeit. Das ist normal. Wenn man einen Job hat, bei dem man kreativ ist, gehört eine Blockade dazu. Jeder Künstler, ob es ein Maler oder Schriftsteller ist, kennt das. Man kann nicht jeden Tag inspiriert sein. Man kann Inspiration nicht künstlich herbeiführen. Kreativität kann nicht erzwungen werden. Das ist das einzige schwierige an diesem Job. Manchmal gibt es Deadlines, die man einfach nicht einhalten kann. Also muss alles nach hinten verschoben werden.

Ihr seid ja ziemliche Fans von Filmen. In der Vergangenheit ihr auch schon auf Soundtracks vertreten. Gibt es einen Film, für den ihr gerne den kompletten Soundtrack geschrieben hättet?
Cristina: Ich persönlich mag gerne Actionfilme wie zum Beispiel Alien, aber auch düstere Horrorfilme, vor allem aus den Achtzigern, oder auch sowas wie Saw. Ich würde also am liebsten einen Soundcheck für einen Actionfilm, der ein bisschen was von Horror hat, schreiben. Alien wäre also wirklich cool gewesen. Aber es gibt einfach so viele Filme.
Andrea: Ich hätte Matrix genommen. Das war ein revolutionärer Film. Aber nur der erste.

Die Band existiert jetzt seit 17 Jahren. Habt ihr immer noch Ziele, die ihr erreichen wollt?
Cristina: Wir stecken uns eigentlich keine Ziele. Wir lieben es, Musik zu machen und aufzutreten und sind sehr ehrgeizig, Wenn es darum geht, die Band voranzutreiben. Wenn du dir ein Ziel steckst, kann es sein, dass du das Wesentliche aus den Augen verlierst. Es kann sein, dass du dich so sehr bemühst, dass du dich nicht mehr fokussieren kannst. Uns geht es darum, dass wir Musik machen, die wir selber mögen. Wir wollen uns keine Ziele setzen und Gefahr laufen, dass wir sie vielleicht nicht erreichen. Die Gefahr, dann nur noch frustriert zu sein, ist so hoch. Wenn man Musiker ist, ist man ein Künstler und Künstler planen nicht im Voraus. Man schaut einfach, was passiert und lässt die Kunst fließen.
Andrea: Man plant nie zum Beispiel für die nächsten drei Jahre. Man schaut einfach, was in den drei Jahren passiert und was man aus dieser Zeit machen kann. Und dann sieht man weiter. Es gibt bestimmt Bands, die Kapitel für Kapitel planen, aber diese Art von Band sind wir einfach nicht. Wir entwickeln uns ständig weiter, machen Erfahrungen und so weiter.
Cristina: Wenn wir zum Beispiel nicht von einem Ziel sondern von einem Verlangen sprechen, dann würden wir wirklich gerne einmal einen Soundtrack schreiben, wirklich nur für einen Film.

War der beeindruckendste Künstler, den ihr jemals getroffen habt?
Andrea: Ich denke, Rob Zombie ist einer der kreativsten Künstler, die wir jemals getroffen haben. Er ist so vielseitig. Er macht tolle Musik und ebenso gute Filme. Er hat einfach eine riesige Bandbreite. Aber wir haben so viele Künstler getroffen.
Cristina: Devin Townsend zum Beispiel. Er ist ein musikalisches Genie, unglaublich kreativ, indem er ständig seinen Stil ändert. Es gibt einfach zu viele. Wir sprechen hier über 20 Jahre, die wir jetzt schon unterwegs sind. Wir haben quasi jeden Musiker getroffen, den es gibt.

Ihr seid jetzt seit eurer gesamten Karriere bei Century Media. Könnt ihr Bands, die ein Label suchen, Tipps geben, wie sie eine Firma finden können, der man auch vertrauen kann?
Andrea: Wir sind einer der sehr wenigen Bands, die immer noch ihren ersten Vertrag haben, was die ganze Sache für uns einfacher macht, da der ganze Musikbereich viel komplizierter geworden ist und wir aber noch nach den alten Regeln unter Vertrag sind. Newcomer sollten so schlau sein und sich eine Anwalt nehmen, auch wenn der Geld kostet. Also sollte man Geld verdienen, um einen Anwalt bezahlen zu können. Außerdem versucht heutzutage jeder in sozialen Netzwerken wie Youtube bekannt zu werden und trotzdem keinen Erfolg da wir alle einfach übersättigt sind mit neuen Bands, von denen es mittlerweile einfach zu viele gibt. Wichtiger ist es, auf Tour zu gehen und Leute kennen zu lernen die einem wirklich ernsthaft folgen und damit meine ich nicht eure Eltern oder eure Geschwister. Man braucht von Anfang an eine verdammt starke Fanbase weil es zuviele Bands und zu wenig Platz gibt. Also: Sucht euch einen Job!

Um Geld für einen Anwalt zu verdienen…
Was sind eure Pläne für das Jahr 2015?
Cristina: Das wissen wir noch gar nicht so genau. Wir werden im Februar bei Ship Rock mit dabei sein und bestimmt einige Festivals spielen, wir wissen aber noch nichts genaues. Es ist zwar viel geplant, aber noch nichts angekündigt. Am besten behaltet ihr unserer Website und Facebook im Auge. Da veröffentlichen wir eigentlich immer alles sobald es feststeht.

Famous Last Words an eure deutschen Fans?
Cristina: Vielen Dank für eure Unterstützung. Wir freuen uns immer wieder, in Deutschland zu spielen. Bisher war die Tour fantastisch, aber wir haben ja auch noch einige Auftritte vor uns. Ihr solltet alle zu unseren Shows kommen, vor allem mit Motionless In White und Devilment. Wenn ihr nicht kommt, werdet ihr es bereuen. Danke!

Molle&Lou/Rockinwords

Rockinconcerts: Lacuna Coil /w Motionless In White & Devilment

www.facebook.com/lacunacoil
www.lacunacoil.it

Rockintalks: Lacuna Coil
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