Nach 3 Jahren gibt es mit „Magic Recoveries“ endlich wieder was Neues von Disco Ensemble. Kurz vor der VÖ stellte die Band das lang erwartete neue Material dem deutschen Publikum vor. In Köln nahmen sich Sänger Miikka und Bassist Lasse etwas Zeit für uns.

Euer neues Album steht in den Startlöchern. In wieweit unterscheidet es sich von dem Vorgänger „First Aid Kit“?

Miikka: Es unterscheidet sich ziemlich stark. Zumindest in unseren Köpfen. Die Leute, die es gehört haben sagen, dass wir uns weiterentwickelt haben. Wir haben an Selbstvertrauen gewonnen und trauen uns jetzt an Sachen die wir vorher nie gemacht hätten. Ein Journalist hat es gut ausgedrückt: wir haben jetzt mehr Zimmer in unserem kleinen Haus als vorher .

Lasse: Unser Stil hat sich in alle Richtungen ausgebreitet, es ist also viel abwechslungsreicher als First Aid Kit. Allerdings wird der Zuhörer vielleicht einige Durchläufe brauchen um das Album zu mögen, weil es so vieles zu erfassen gibt.

Ihr hattet mal gesagt, dass es bei “First Aid Kit” ums Überleben ohne zurückzuschauen geht. Hat „Magic Recoveries“ auch ein zentrales Motiv?

Miikka: Nicht wirklich, es wäre gut, wenn dem so wäre *lacht*. Aber das sind eher 12 individuelle Lieder, die alle ihre eigene sehr ausgeprägte Identität haben. Aber ich denke da ist irgendwo vielleicht doch ein roter Faden, also wenn es eine grössere Bedeutung geben sollte, dann geht es darum die Inspiration zu finden und wieder zu verlieren.

Es liegen nun 3 Jahre zwischen dem letzten Album und Magic Recoveries. Ihr wart viel auf Tour, habt bei Universal unterschrieben und deswegen First Aid Kit zwei Mal veröffentlicht. Wann wurden denn die meisten Lieder auf „Magic Recoveries“ geschrieben? Auf diese 3 Jahre verteilt oder eher innerhalb einer kurzen Zeitspanne, als ihr schon ungefähr wusstet dass es band wieder ins Studio geht?

Lasse: Ich Frage mich gerade wie alt die ältesten Lieder sind. Wir hatten schon vor langer Zeit viele Fragmente. So genau weiss ich das nicht mehr, aber die ersten Ideen sind ungefähr zwei Jahre alt. Es war ein langer Weg von diesen Fragmenten zu den fertigen Liedern. Viele der Lieder schienen fertig zu sein, aber dann dachten wir uns: „Vielleicht sollten wir dies oder jenes ausprobieren“. Also rissen wir sie wieder auseinander und fügten sie zu was neuem zusammen. Die Lieder haben sich also in der Entstehungsphase des Albums sehr verändert. Aber es war ganz sicher ein viel längerer Zeitraum als bei First Aid Kit, und das hört man auch. Weil die Lieder auf First Aid Kit alle innerhalb einer kurzen Zeit entstanden sind, sind sie einander ähnlicher.

Es gab eine große Entwicklung von „Viper Ethics“ bis jetzt. Wenn ihr euch eure alten Songs heute anhört, könnt ihr euch dann immer noch mit ihnen zu 100% identifizieren oder denkt ihr dann darüber nach, was ihr hättet anders machen können oder sollen?

Lasse: Mhhhmmm…nicht wirklich auf diese Art, denn wenn eine CD fertig ist, dann ist sie das und du verlierst den Verstand wenn du anfängst drüber nachzudenken: „Vielleicht hättest du es so machen sollen oder doch so.“

Miikka: Yeah..

Lasse: Sicherlich ist es viel Arbeit einen Song so zu machen, damit wir alle damit zufrieden sind und wir stecken eine Menge Mühe hinein.

Euer Bandname ist verwirrend. Ich habe gelesen, dass ihr eure Band zuerst „Disco“ gennant habt und dann das Ensemble später drangehangen habt, aber war es eure Absicht das Publikum damit zu verwirren? Denn „Disco Ensemble“ – ohne die Band zu kennen – lässt einen an etwas völlig anderes denken.

Miikka: [lacht] Ja, ich denke als die Jungs sich erst “Disco” nannten, war einer der Gründe, die Leute zu verwirren

Lasse: Vielleicht machte es zu der Zeit mehr sinn, denn die Musik war härter and wirklich progressiver Hardcore.

Miikka: Aber jetzt haben wir unseren ersten Disco Sing und die Ironie ist verloren.

Was ist euer liebster Disco Ensemble Song ?

Miikka: Das ändert sich oft. Fast täglich. Im Moment würde ich sagen „Threat Letter Typwriter“. Das ist wirklichein einfacher und simpler live Song. Er ist wirklich leicht zu preformen

Lasse: Natürlich sind alle neuen Songs meine Favoriten. Vielleicht „Beacon“.

Ihr habt einige Shows mit Linkin Park im Februar gespielt. Ich denke, das waren die größten Auftritte die ihr bis jetzt hattet, richtig?

Miikka: Ja.

Also, wie war es?

Lasse: Es war normaler als wir erwartet hatten.

Miikka: Es war witzig. Aber irgendwie bin ich enttäuscht, dass wir nicht aufgeregter und nervöser waren. Das waren einfache Shows für uns.

In einigen Tagen werdet ihr bei „Helsinki in Berlin“ auftreten, als eine der 50 finnischen Bands dort. Die finnische Musikszene hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Was ist eurer Ansicht nach so besonders an der finnischen Musikszene?

Miikka: Ich weiß nicht ob es wirklich so anders ist als in irgendeinem anderen Land. Aber ich denke es hat sich in den letzten Jahren sehr gut weiterentwickelt. Vielleicht sind einige der Band wirklich komisch – auf eine nette Art.

Lasse: Traditionell waren es die ganzen Metal Bands für die Finnland bekannt war. Aber vielleicht ist das der Unterschied, dass es heutzutage solche Bands wie wir sind – und komische Bands.

Miikka: Ja komische Bands und auch eine Menge an gutem elektronischem Zeug.

Lasse: Vielleicht war es auch ein Vorurteil, dass es in Finnland unbedingt Metal sein musste. Und wenn es eine Punkband war kannte sie keiner. Vielleicht waren die Leute gegenüber finnischer Musik weniger offen.

Ihr hab für die Band euer Studium aufgegeben….oder studiert ihr immer noch?

Miikka: [lacht] Ich wurde rausgeworfen.
Lasse: Ich bin immer noch…
Miikka: [lacht] dran.
Lasse: Ja, und einer von uns hat es abgeschlossen..

Aber hattet ihr schon mal einen Plan B? Für den Fall, dass eure Musikkarriere sich nicht so entwickelt hätte, wie ihr wolltet oder habt ihr daran gar nicht gedacht?

Miikka:
Ehhhm…eigentlich ist es schwer drüber nachzudenken.

Lasse: Ich bin nicht dran interessiert was anderes zu machen als Musik.

Miikka: Ich träume von einem ungezwungenem Job mit so wenig Verantwortung wie nur möglich. Ich glaube, das wäre das richtige für mich.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Miikka: Wir sind bei der Probe [lacht] und trinken Kaffee.

Plant ihr eine richtige Deutschland Tour für dieses Jahr? Denn jetzt sind es nur drei Gigs und der Rest ist mit den Donots.

Miikka: Ja, der Plan ist eine Headlinertour im Herbst. Das wäre richtig toll.

Seit ihr in geschäftliche Angelegenheiten involviert…

Lasse: Du meinst, die die Band betreffen?

Ja sicher, natürlich.

Lasse: Natürlich, wir müssen bis zu einem bestimmten Punkt daran teilhaben, auch wenn es nicht das ist worum es in einer Band gehen soll und es wirklich ärgerlich ist. Aber wir haben richtig gute Manager und Leute…

Miikka:
Ja wir haben richtig gute Leute um uns die sich um das ganze Offizielle kümmern. Das ist sehr wichtig, dass du den Leuten vertrauen kannst, die diese Entscheidungen treffen, denn dieser Business Kram ist eben wichtig.

Lasse:
Wenn wir versuchen würden, alles selber zu machen hätten wir gar keine Zeit mehr zu spielen. Bevor wir auf Tour kamen, mussten wir eine Menge üben, aber es gab noch jede Menge anderer D mussten wir andere Sachen erledigen.

Miikka: Es ist mal mehr mal weniger, aber manchmal musst du auch Entscheidungen über nicht so wichtige Dinge treffen und das braucht Zeit. Jetzt auf Tour ist es viel einfacher, denn wir haben gar keinen Zugang zu Emails oder etwas in der Art.

Eure Single heißt „Bad Luck Charm“, habt ihr auch „Good Luck Charms“?

Miikka: Nicht wirklich. Ich kann mich an keinen erinnern.
Lasse: Unser Drummer Mikko hat einen Stein…
Miikka: War er nicht aus Brighton?
Lasse: Ja, ich glaube er war aus Brighton in England, er fand ihn am Strand. Er ist wirklich schön geformt…
Miikka: Ja, er trägt ihn die ganze Zeit bei sich.

Was ist für euch das Beste daran, in der Band zu sein?

Miikka: Das Beste sind die 1,5 Stunden in dem Club.

Also einfach zu spielen?

Miikka: Ja. Ja das ist es. Es ist – du kannst es nicht wirklich erklären. Es hat was wirklich inspirierendes an sich vor Leuten zu spielen.

Gibt es eine Frage, die ihr schon immer mal gefragt werden wolltet?

Miikka: Mir fällt keine Frage ein. Aber die besten Fragen sind immer die, bei denen man etwas über die Band durch das Interview lernen kann. Wenn du Fragen hast, die wirklich das Album betreffen und die Leute die Hintergrundarbeit wirklich gut gemacht haben. Ich sehe, ihr habt das getan. Es ist irgendwie toll solche Fragen gestellt zubekommen, von denen du weißt die Leute…

…wissen wovon sie reden?

Miikka: Ja, und es gibt uns irgendwie den Raum unsere Band zu analysieren oder uns. Wir können uns dadurch durch die Augen von anderen sehen. Die besten Fragen und besten Interviews waren die, bei denen wir selber etwas über uns herausfanden, was wir vielleicht so nie registriert hätten.

Famous Last Words? Gibt es etwas, was ihr den Leuten da draußen sagen wollt?

Miikka: Seht euch unsre Shows an und hört euch die Musik so oft wie möglich an. Seit offen für die Musik und für das Leben [lacht]

Okay, vielen Dank, wir sind durch.

Miikka: Danke ebenfalls.

Vika&Lou/Rockinwords, übersetzt von Melle.
[Originaltranskript (auf English)]
[Rezension von Magic Recoveries]

www.discoensemble.com
www.myspace.com/discoensemble

Disco Ensemble live @ Köln

rockintalks: Disco Ensemble
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