Die Spannung steigt, nicht mehr ganz einen Monat müssen die Fans von Oomph! auf das Jubiläumsalbum der Band warten. Kurz vorher gab die Band auf dem Amphi-Festival noch einmal richtig Gas mit einer Best-of-Show. Dero, seines Zeichens Sänger der Band, nahm sich für Rockinwords ein paar Minuten Zeit um ein paar Fragen zu beantworten.

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Am 22. August erscheint euer neues und zehntes Studioalbum. Was können die Fans erwarten?
Die Fans können mal wieder Überraschung erwarten. Wir sind ja eine Band, die sich nie selbst wiederholen möchte und immer Überraschungen aufwarten möchte. Wir möchten uns ja als Menschen entwickeln. So möchten wir auch, dass sich die Entwicklung des Menschen sich auch auf die Musik abstrahlt. Da haben wir auch keine Angst vor. Wir sind Menschen, die für die Veränderung stehen und auch keine Angst vor solcher haben. Wir verleugnen aber auch nicht unsere Wurzeln. Wir haben mit „Labyrinth“ ein sehr tanzbares, elektronisches Stück am Start, was dann im Refrain ordentlich abgeht. Wir haben mit „Revolution“ ein relativ elektronisches, tanzbares Stück, was zu unseren Wurzeln zurückreicht – zu unserem Debütalbum, gleichnamig Oomph. Wir haben ganz tolle Neuerungen dabei, z. B. ein Tango-Ooomph-rockmäßiges Stück. Der Song heißt „In deinen Hüften“, darin dreht es sich um die AIDS-Thematik, die Gefahr sich mit AIDS anzustecken, heute nach wie vor sehr akut, was viele gar nicht mehr so sehen. Dann haben wir eine reine Bluesnummer drauf, natürlich auch im Oomph-typsichen Stil. „Geboren um zu sterben“ unterlegt mit einem Obduktionsbericht auch eine sehr skurrile Mischung. Wir haben sehr viele hymnische Refrains dabei, wie z. B. bei „Wer schön sein will muss leiden“, das sich mit dem Thema Schönheitsoperationen ironisch auseinandersetzt.
Also ein bunter Reigen an Überraschungen.

Hattet Ihr Euch vorher Gedanken gemacht, in welche Richtung die Songs dieses
Mal gehen sollen oder habt Ihr die Songs entscheiden lassen?

Nein, wir ziehen uns nach einer Tour zu dem Vorgängeralbum, jeder für sich, in sein eigenes Heimstudio für 3-4 Monate zurück. Jeder sammelt Ideen, weil wir alle drei zum Glück Komponisten sind. Dann treffen wir uns nach den 3-4 Monaten und spielen uns gegenseitig das Material vor und daraus werden dann die besten Songs ausgewählt. Die werden dann zu dritt gemeinsam ausproduziert und noch teilweise geändert.
Wir hatten das Glück, ungefähr 30 Songs zur Auswahl gehabt zu haben, von denen wir dann 20 in die engere Wahl gefasst haben, und haben dann 16 davon ausproduziert, die dann auf den kommenden Veröffentlichungen mit drauf sein werden.
Wenn man sich vor dem Album zu sehr Gedanken macht, in welche Richtung ein Album gehen soll, dann verkupft man das ganze zu sehr und dann wird es Musik vom Reißbrett. Also man sollte schon seinen Bauch entscheiden lassen. Natürlich sollte der Kopf immer noch mitarbeiten, denn wir wollen ja noch intelligente Musik machen, von daher muss schon die Kombination von Emotion und Geist stimmen.

Ein Fan durfte in eurem neuen Video mitspielen. Unter welchen Kriterien habt das Siegervideo ermittelt?
Das war relativ schwierig. Wir hatten sehr sehr viele Einsendungen. Und uns war klar, dass wir Schwierigkeiten haben würden, recht kurzfristig, weil wir noch auf das Wetter angewiesen waren bei dem Videodreh, jemanden akquirieren zu können von den Videos, die in Frage kommen würden. Also haben wir 6-7 Stück ins Auge gefasst, haben die Leute antelefoniert und angemailt, ob sie überhaupt können. Die Hälfte davon konnte schon mal gar nicht, weil sie entweder im Urlaub waren, oder gesagt haben: „Mir hat das zwar Spaß gemacht, aber ne, im Video trau ich mich dann doch nicht mitzuspielen“, einen Rückzieher noch gemacht haben und im Enddefekt war es dann eine der 6 Videos, die dann so kurzfristig konnte und auch gesagt hat: „Ich mach auch mit, ich hab da Bock drauf, und gut ist.“ Die mussten wir dann nehmen.
Hätten wir jetzt gesagt: „Wir finden jetzt nur dieses eine geil und fixieren uns jetzt auf das eine Video“, dann hätte es passieren können, dass die Dame aus Kalifornien gesagt hätte: „Ach das ist mir viel zu weit und ich hab auch gar keine Zeit, für einen Videodreh für Oomph nach Deutschland zu fliegen. Ne mach ich nicht“. Weil es haben auch viele aus dem Ausland mitgemacht. Von daher war es auch für uns schwierig, das durchzuziehen.
Aber wir sind froh, dass es geklappt hat und die hat das echt toll gemacht.

Wie wichtig ist es euch, eure Fans in das Geschehen rund um Oomph!einzubeziehen? Sie durften ja z. B. mitbestimmen, was auf die Special Edition des neuen Albums kommt sowie das Cover gestalten.
Uns ist das total wichtig. Naja, ich meinte wir haben jetzt ein Jubiläumsalbum am Start, das 10. Album „Monster“. Da sollte es auch schon was besonderes sein. Da wollten wir auch die Fans besonders mit einbeziehen – kreativ.
Wir beweisen das ja auch schon seit Jahren auf den so genannten „Oomph-Days“. Und in ganz Europa mit unseren Fantreffen, in Discotheken und in Clubs. Ich leg dann da meistens auf und wir stellen uns dann den Fragen und die Leute können Fanfotos machen, können sich Autogramme holen und wir plaudern ganz locker mit denen. Um auch zu zeigen, dass wir auf dem Boden geblieben und keine abgehobenen Möchtegernstars sind. Uns ist es auch ganz wichtig, den Leuten Kredit dafür zu zollen, dass sie uns schon so lange die Treue halten. Ich meine, ohne unsere Fans wären wir halt nichts und das sollte man schon respektieren.

Ihr seid nun seit Jahren im Geschäft und trotzdem auf dem Boden der Tatsachen geblieben. Fällt euch das schwer? Könnt ihr es nachvollziehen, dass viele Musiker mit wachsendem Erfolg „abheben“?
Ich denke jungen Musikern, denen ein ganz plötzlicher Erfolg – ein Nr. 1 Hit – passiert, geraten schnell in die Gefahr das überzubewerten. Aber bei uns kam der Erfolg langsam und wir mussten uns auch in den ersten Jahren unsere Lorbeeren hart verdienen durch langen Toureinsatz. Wir haben uns im wahrsten Sinne des Wortes die Ärsche abgetourt. Und so muss es eigentlich auch sein. Ich finde, dann ist der Erfolg auch mehr wert. Wenn man ihn durch mühevolle, lange Arbeit hart verdient hat.
Deswegen haben auch die meisten Fans nach unserem extrem großen Durchbruch 2004 mit „Augen auf“ gesagt, es sei total verdient. „Wer nicht, wenn ihr. Ihr habt so lange dafür gearbeitet, seit immer auf dem Boden geblieben und wir freuen uns eigentlich für euch.“ Tja, und was kann man dazu sonst noch sagen, als: „Danke an alle, die seit Jahren an uns glauben.“

Gibt es einen Song, der Oomph! am besten repräsentiert?
Ne das kann man eigentlich nicht sagen. Wir sind so vielseitig, das kann kein Song auffangen, diese Vielseitigkeit. Von daher muss man sich schon durch unsere Alben durchhören. In jedem Album ist auch ein großer Spannungsbogen und große Unterschiedlichkeit vorhanden. Das kann man gar nicht sagen, nee.

Was müsste passieren, damit ihr euch denkt „Okay, das war es jetzt mit Oomph!.“?
Keine Ahnung, das kann ich so jetzt nicht sagen. Weiß ich nicht. Im Moment macht es Spaß, im Moment sind wir noch kreativ. Alles andere steht in den Sternen. Das kann man teilweise so gar nicht wirklich beeinflussen. Das hängt auch viel mit Glück zusammen und Zufall. Wir sind nur froh, dass wir von unserer Musik leben können, dass wir treue Fans haben und hoffen, dass wir das noch weiterhin machen können.

Spielt ihr lieber in Clubs oder auf Festivals? Warum?
Das hat beides ihren Reiz. In Clubs ist die Fannähe, man hört quasi jedes Wort der Fans in den ersten Reihen und spürt jede Reaktion unmittelbar. Bei Festivals ist das Publikum meistens etwas entfernt von der Bühne, und durch die Größe des Publikums dann, ist es manchmal schwer, persönlichen Kontakt aufzunehmen. Aber dadurch, dass ich in jedes Publikum reingehe auf jedem Konzert, vermittle ich gleich, dass ich eins bin mit den Leuten und dass ich mich nicht als abgehobenen Künstler auf der Bühne betrachte, der da so ein Monolog abfeiert.
Es gibt komischerweise immer Musiker, die das durchziehen, so dieses Arschloch raushängen lassen und diesen Abgehobenen. Aber es gibt auch viele Fans, die darauf stehen, solche Musiker haben wollen, die so unnahbar sind und so ein bisschen die Arschlochnummer spielen. Aber bei uns ist das Gott sei Dank nicht so. Unsere Fans wissen, was sie an uns haben und umgekehrt auch. Die mögen das auch an uns, dass man mit uns normal reden kann und dass wir keine Diven sind. Ich denke aber auch, dass Menschen, die heute große Arschlöcher im Rockbusiness sind, früher kleine Arschlöcher waren. Also die waren schon immer, weiß ich auch nicht, ich sag immer, das waren die, die früher in der Schule bepisst und bespuckt wurden und die haben sich mal gesagt: „Wartet man ab, bis ich irgendwann mal berühmt bin, dann zahle ich es auch allen heim“. Deswegen benehmen sie sich nur so, das waren halt immer schon kleine Würstchen, und sie bleiben es auch eigentlich, weil mit so welchen will auch im Musikbusiness keiner zu tun haben. Ich verzichte eigentlich darauf, mit solchen Leuten zu kommunizieren, wo man sofort weiß, das sind keine Musiker, das sind mega-Arschlöcher. Das brauch ich nicht.

Oomph haben sich gegen das Filesharing ausgesprochen. Könnt ihr dennoch die Ansicht junger Künstler verstehen, die dadurch ihre Musik mehr unter die Leute bringen können? Oder sollte Myspace/Youtube und Co. dafür reichen?
Das ist ne zwiespältige Sache, wir haben das auch in der Band sehr kontrovers diskutiert. Das war jetzt nicht so, dass wir alle einhelliger Meinung waren. Man muss den Leuten signalisieren, dass Musiker durch ihre Produkte, die sie abliefern, überleben. Wenn da nix mehr von verkauft wird, wird die Lieblingsmusik auch nicht mehr existieren. Wenn ich nur noch CDs und Tonträger produziere, um sie zu verschenken, gibt es uns als Band irgendwann nicht mehr, weil wir leben davon.
Ich finde es legitim, sich über Plattformen zu informieren, reinzuschnuppern in die Materie, aber wenn man eine Band richtig geil findet, dann sollte man auch den Respekt vor der Band bezeugen, dass man sich ein Produkt von Ihnen kauft. Von daher ist es eine zwiespältige Sache. Aber ich demonisiere das auch nicht und kriminalisiere da die Leute auch nicht. Das muss in dem Sinne jeder mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren, was er da macht.
Es gibt leider diese Vorurteile noch, dass die Leute sagen: „Och die Band ist ja schon berühmt, da kann mir was klauen von denen.“ So kann ich das noch mal jedem sagen: so ist das bei uns definitiv NICHT. Wir haben zwar einen Nr. 1 Hit gehabt, Platin und Goldawards, aber die Verkaufszahlen sind so eingebrochen und runter gegangen, dass man für einen Goldaward oder Platinaward ein Zehntel von dem Verkäufen braucht, wie noch vor 20 Jahren. Vor 20 Jahren, wenn ich da einen Nummer 1 Hit gehabt hätte, wäre im mit Sicherheit reich. Aber heutzutage sind die Verkaufszahlen so im Keller, dass es nicht stimmt, dass wenn man einen Nummer 1 Hit hatte, man automatisch reich ist.
Das will ich nur nochmal sagen. Es ist immer noch politisch korrekt Oomph-Scheiben zu kaufen, wir sind noch nicht reich. Also bitte: Kauft uns! Damit wir nicht ins Armenhaus gehen und betteln müssen.

Was können die Fans heute Abend bei der Show erwarten?
Wir versuchen in erster Linie energiegeladen zu agieren, wir versuchen uns in jeden Song hinzuversetzten, hinzufühlen und diese Energie, diese Emotionen zu übertragen auf das Publikum, möglichst vielseitig zu sein in diesen Emotionen und wie gesagt eins zu sein mit dem Publikum und keinen abgehobenen Monolog abzufeiern. Wir sind eine Band – immer schon gewesen – die nicht durch irgendeine überbordene LasVegas-Show kaschieren will, dass sie eigentlich gar nicht so originell ist. Unsere musikalische Originalität reicht aus. Wir brauchen keine Explosionen, Donner, Blitze und Feuer im Hintergrund. Wer es machen will, bitte gerne. Aber ich hab manchmal echt das Gefühl, dass das ablenken soll, dass die Musik austauschbar ist. Ich denke, unsere Musik ist authentisch genug und eigenständig genug, dass wir das gar nicht nötig haben das großartig zu kaschieren, mit irgendeinem Spektakel, was eigentlich nur ablenkt.

Welche Frage wolltest du immer mal gestellt bekommen?
Was ist der Sinn des Lebens?

Famous last words. Gibt es etwas was du deinen Fans sagen möchtest?
Ja, vielen Dank für eure Treue. Euch wird mal wieder viel erwarten auf „Monster“. Ich hoffe, ihr kauft euch die Scheibe am 22.08. Da sind einige Specials mit drauf, eine Interview DVD, Making-of, ein paar Videos. Ihr bekommt wirklich was für euer Geld. Und vielen Dank für eure Treue, ich hoffe wir sehen uns auf Tour im November/Dezember und freu mich schon auf euch.

Lou/Rockinwords

www.oomph.de

Oomph live @ Amphi Festival, Köln 19.07.2008

Rockintalks: Oomph!
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2 Gedanken zu „Rockintalks: Oomph!

  • 27. Juli 2008 um 1:18 pm
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    Gefällt mir sehr gut! Klasse, dass Dero so ausführlich antwortet!

  • 2. Juni 2010 um 3:24 pm
    Permalink

    Ich finds echt super,dass Dero so ehrlich auf die Fragen antwortet :)
    Und er hat Recht,ich liebe es an den Jungs von Oomph! das sie nicht abgehoben sind und dass man merkt,es sind auch Menschen…wie du und ich.
    Ich möchte mich bei Oomph! bedanken,es ist die geillste Band der Welt!

    ICH LIEBE OOMPH!

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