Deaf Havana
Headcrash – Hamburg 21.05.2015

12189400_10153885866114349_7871569354070989276_oWas Deaf Havana angeht, sind wir eigentlich die schlechteste Wahl, um auch nur halbwegs objektiv über ihre Konzerte zu berichten. Vermutlich fänden wir sie auch dann noch großartig und kongenial, wenn alle Umstehenden im Publikum schon in einen Tiefschlaf gefallen wären. Aber zum Glück für uns war das noch nie der Fall. Und wird es auch hoffentlich nicht sein.

An jenem Abend in Hamburg hatte sich schon vor Einlass eine recht beträchtliche Schlange gebildet, was überraschend war. Hatten doch die Engländer seit fast 3 Jahren kein Album mehr veröffentlicht und ihre letzte geplante Europa-Tour im Herbst 2014 ersatzlos gestrichen. Doch scheinbar trugen ihnen die Hamburger das überhaupt nicht nach und sorgten für einen ordentlich gefüllten Konzertsaal. Angesichts der Temperaturen kam man so schon vor Konzertbeginn ins Schwitzen.

Wenige Minuten nach 20 Uhr betraten die Label-Kollegen von Broken Hands die Bühne und eröffneten so den Abend. Diese hatten im Vorfeld erst eine kleine EP veröffentlicht und brachten ihr Debütalbum mit nach Hamburg. Mit wuchtigen Gitarren und leicht verzerrter Stimme boten sie ordentlichen 70s-Rock an, der als Aufwärmung für den Abend taugte. Zwar explodierte das Publikum nicht vor Euphorie, doch man hörte dem 20minütigen Set gerne zu.

Was folgte, war eine fast 45minütige Umbaupause, in der lediglich die hohen Temperaturen im Raum dafür sorgten, dass man nicht völlig abkühlte. Leichter Unmut machte sich breit, Pfiffe und Rufe waren zu hören. Doch alle Unzufriedenheit war vergessen, als schließlich das Quintett von Deaf Havana die Bühne betrat und ihren neuen Song Cassiopeia präsentierte, inklusive der Umdichtung von „Berlin“ zu „Hamburg, my love“. Klang schräg, war aber lustig.
Weiter ging es mit Leeches vom 2011er Album Fools and Worthless Liars. Danach kam die erste von vielen Dankbarkeitsbekundungen an das Hamburger Publikum. Scheinbar war die Band von Quantität und Qualität der Anwesenden ähnlich überrascht wie wir. Textsicher wurden das ganze Set über Passagen laut mitgesungen, es wurde geklatscht, getanzt und sogar einige Crowdsurfer tauchten hier und da über den Köpfen auf.

Die Band bedankte sich nicht nur mit deutsch und englisch vorgebrachten Danksagungen, sondern auch mit einer energiereichen Darbietung ihrer Songs. Trotz eines immer weiter steigenden Alkoholpegels bei allen Beteiligten auf der Bühne und einiger technischer Probleme mit den Ear Plugs saß bei Sänger James Veck-Gilodi so gut wie jeder Ton. Drummer Tom Ogden brach hier und da ein Stick und Gitarrist Matthew Veck-Gilodi wirbelte so verrückt auf der Bühne herum, dass man Angst um sein Wohlbefinden haben musste.
Auch einen ganz neuen Song hatten sie im Gepäck, die Single Sing soll in 2 Wochen erscheinen. Man konnte aufgrund der Soundqualität nur erahnen, dass sie auch mit diesem Song nicht enttäuschen werden. Die beste Stimmung kam natürlich bei den „Klassikern“ auf. Fools And Worthless Liars hätte fast vollständig vom Publikum gesungen werden können, ebenso Hunstanton Pier, und bei Songs wie Speeding Cars konnte man förmlich die Gänsehaut im Publikum spüren.

Als die Band nach einer knappen Stunde und 12 Songs die Bühne verließ und im Club sofort Licht und Musik angingen, wollte das auch dementsprechend niemand wahrhaben. Geschlossen blieb die Menge vor der Bühne stehen und forderte lautstark einen Nachschlag, obwohl deutlich signalisiert wurde, dass es so etwas von organisatorischer Seite nicht geben sollte. Doch der deutlich angetrunkene James bog auf dem Weg zur Bar einfach noch einmal zur Bühne ab, schaltete den Verstärker wieder ein und zwang seinen Bruder Matthew direkt mitzumachen. Zusammen improvisierten sie eine abgespeckte, leise Version der Single Smiles All Round und die beiden so gut harmonierenden Stimmen entließen das Hamburger Publikum glücklich und zufrieden in die Samstagnacht.

Penny/Rockinwords

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