Nachdem das Interview erst abgesagt und dann doch nur verschoben wurde, trafen wir am 11.07.2008 in Tampere einen leicht verschlafenen jedoch überaus sympathischen Jonne Aaron, der uns bereitwillig Rede und Antwort stand.

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In Deutschland ist Karma Killer ja noch nicht veröffentlicht. Kannst du uns etwas für das Album erzählen?

Wenn man es mit Anorectic oder Sweet and Deceitful vergleicht, war das ganze Drumherum diesmal ein völlig anderes. Es war eine ziemlich Herausforderung, als wir uns dazu entschieden, ins Studio zu gehen. Wir sind einfach dorthin gegangen und dachten uns gar nichts dabei. Wir hatten keine bestimmten Pläne so nach dem Motto „Das Album wird sich so und so anhören und wir setzen bis dorthin gehen wir uns nicht weiter.“. Es war nicht so wie bei Anorectic. Da war es eher dieses „Lasst uns was neues probieren, was frisches… Irgendetwas, was wir noch nie zuvor hatten.“. Diesmal haben wir einfach die Musik machen lassen. Ich bin sehr zufrieden damit. Ich denke, es zeigt ein Stück weit, in welche Richtung Negative in Zukunft gehen werden.

Woher kommt der Name „Karma Killer“?

Ich weiß nicht, ob das jemand von euch wusste, aber ich liebe Robbie Williams. Damit hat es etwas zu tun [Anm.: Ein Song von Robbie Williams heißt „Karma Killer“]. Aber es hat auch damit zu tun, dass ich daran glaube, dass jeder Mensch zwei Arten von Karma hat. Ich meine diese Schwarz/Weiß-Kombination, Gut und Böse, Sünde und Tugend. Das hat mich schon immer fasziniert. Ich denke schon, dass es was mit Karma zu tun hat… *denkt nach* Ja, ich glaube auch, dass es ein Ende am Licht des Tunnels gibt. Mit Anorectic hab ich textlich sehr schwierige Zeiten meiner Vergangenheit durchlaufen und mit Karma Killer konzentriere ich mich ganz auf die Zukunft und das, was jetzt passiert. Es ist ein ziemlich positives Album.

Es gab ein paar Schwierigkeiten, was die Veröffentlichung von Karma Killer in Deutschland angeht… Gibt es diesbezüglich etwas neues? Und wie sieht es mit der DVD aus?

Ja, wir sind jetzt bei einem neuen Label unter Vertrag und das Album wird auch in Deutschland veröffentlicht, aber ich weiß noch nicht, was es genau für ein Release wird, ob es ein Soft Release wird oder etwas anderes… Aber ich kann sicher sagen, dass die Leute in Deutschland auf jeden Fall neues von Negative hören werden *lächelt*. Es war eine relative schwierige Situation. Wir hatten bei Roadrunner Records unterschrieben und eine tolle Zusammenarbeit für zwei Alben aber dann lief der Vertrag aus. Wir wollten danach alles erstmal ruhig angehen lassen und nichts überstürzen. Mal sehen… Zumindest wird das Album bei euch veröffentlicht und wir werden auf Tour kommen.

Dieses Jahr?

Ja, hoffentlich. Ich denke, im Herbst oder gegen Ende des Jahres, vielleicht auch erst im Januar. Ich kann euch auf jeden Fall versprechen, dass wir kommen und das ist die Hauptsache. Das Touren war einer der Hauptgedanken, als Negative gegründet wurden. Wir lieben es, live zu spielen. Es ist definitiv einer der stärksten Aspekte dieses ganzen Szenarios. Als der Deal mit Roadrunner vorbei war, dachten wir „Hey, wir kriegen jetzt sofort ein neues Label.“, aber so schnell geht das nicht. Es ist eher wie… Angeln *wirft eine imaginäre Angel aus*.

Auf der DVD sind ein paar sehr alte Szenen von euren allerersten Gigs. Was geht dir durch den Kopf, wenn du sie siehst?

Viele gute Erinnerungen. Wenn du in einer Band bist, gibt es immer eine Art Entwicklung. Es ist also toll zu sehen, was wir dazu gelernt haben. Es ist lustig. Wenn du dir vorstellst, du guckst dir Videos an, auf denen du gerade mal 14 warst, dann weißt du, was ich meine *lacht*. Da liegen jetzt schon so viele Jahre zwischen… aber es waren tolle Jahre. Wir haben immer all unsere Freunde zu den Proben eingeladen und die mussten dann ihr Urteil fällen, ob wir schlecht waren oder besser geworden waren. Und wir haben viel getrunken. Wir hatten diesen selbstgemachten Schnaps namens „Märki“ [Anm.: Lautschrift, da nicht bekannt]. Larry und Sir Christus hatten ihn gemischt… Nein, es war Larry. Christus kam erst später in die Band. Es war ganz schön hartes Zeug. Das konnte man noch nicht einmal probieren. Keine Ahnung, wie sie das trinken konnten. Es war nicht so mein Fall. Es wurde zumindest viel getrunken. Also luden wir unsere Freunde ein, vorbei zu kommen. Was die DVD angeht… Ich denke, es war gut, sie raus zu bringen. Sie gehört auch zu dem Vertrag, den wir kürzlich unterschrieben haben. Sie wird also auch in Deutschland veröffentlicht. Eine DVD ist eine gute Sache, für den Anfang.

Vor drei Jahren hattet ihr euren ersten Auftritt in Deutschland bei Bochum Total. Weißt du noch, wie du dich davor gefühlt hast?

Ich war sehr nervös. Da waren soviele Menschen und es war unser allererster Auftritt dort. Ich wusste nicht, was die Leute von uns erwarten. Ich kann mich nicht mehr ganz genau daran erinnern aber ich war unglaublich aufgeregt. Die Leute von unserem Label waren da, um sich das anzugucken und uns als Band zu begutachten. Ich fühlte mich wie vor jeder Show. Ich bin immer aufgeregt, das war sich wohl nie ändern.

Negative wurden von da an immer bekannter in Deutschland. Habt ihr eine besondere „Beziehung“ zu Deutschland?

Ja, natürlich. Das deutsche Publikum war schon immer sehr fanatisch und es weiß genau, worum es geht. Aber ich denke, es gibt kein schlechtes Publikum. Es gibt nur einen Unterschied zwischen verschiedenen Kulturen, z.B. zwischen Japan und Europa. In Europa ist das Publikum viel lauter und zeigt deutlicher seine Gefühle. In Japan stehen sie nur so da *reißt die Augen auf und starrt nach oben* und wenn du sie dann *schnippst mit den Fingern* „anheizt“, kommen sie total aus sich raus. Also es gibt auf jeden Fall einen Unterschied zwischen Europa und Asien. In Resteuropa kommt noch hinzu, dass die Leute mondsüchtiger sind als in Skandinavien. Außerdem sind die Menschen dort nicht immer so betrunken wie das finnische Publikum.

Wahrscheinlich haben dich das schon so viele Menschen gefragt, aber wie fühlt es sich an, ohne Kris auf der Bühne zu stehen? Fehlt da irgendetwas oder füllt Gary diese Lücke?

Natürlich ist es jetzt anders. Am Anfang war es schon komisch. Am schwierigsten war es für mich, bei dem DVD-Release-Gig dem Publikum gegenüber zu treten. Wir spielten akustik. Ich spielte die Rhythmus-Gitarre und Larry die Solo-Gitarre. Es ist schon anders als vorher aber ich denke kaum noch daran. Wir haben jetzt schon mehrere Shows ohne Christus gespielt und diese Sache ist nun Teil der Geschichte von Negative. Es muss weitergehen. Ich stehe nicht auf der Bühne und denke mir „Oh, das ist der Teil, den Christus spielte…“. Es gibt Gründe dafür, dass sich unsere Wege trennten. Die sind einfach nur menschlich und so ist das Leben. Natürlich vermisse ich ihn manchmal… Wir hatten eine ziemlich enge Beziehung zueinander. Wir waren jahrelang zusammen in dieser Band. Ich denke, es muss einfach weitergehen. Du musst etwas hinter dir lassen, wenn du etwas neues beginnen willst. Ich hoffe wirklich, dass die Zukunft für ihn nur gute Dinge bereithält. Es gibt kein böses Blut zwischen der Band und Christus. Ich wünsche ihm viel Glück mit Black Jezus.

Kannst du jedes Bandmitglied mit nur drei Wörtern beschreiben?

Jay ist ein Gigolo. Antti ist ruhig. Larry ist der mit… Ich kann das nicht mit einem Wort beschreiben. Das reicht nicht [Anm.: er hatte ja auch drei Wörter zur Verfügung]. Snack ist auf jeden Fall der alte Hippie. Was könnte ich über Larry sagen… Er sieht aus wie… *macht große Bewegungen um seinen Kopf herum* ein kleiner Löwe. Babylöwe. Es sind alles tolle Menschen. Und Gary – er ist ja im Moment kein offizielles Mitglied von Negative – finde ich noch ziemlich mysteriös. Ich muss ihn mir noch genauer angucken, eher kann ich nichts dazu sagen *zwinkert*. Er scheint ein netter Kerl zu sein. Das wird sich alles noch zeigen.Übrigens werde ich nach den Interviews ins Studio fahren, die anderen sind schon da. Wir nehmen den Coversong „Sinä ja minä“ von Dingo auf – „You and me“. Es war ihr erster großer Hit und ihre erste Single in Finnland. Die Band wurde gegründet als ich geboren wurde. Geplant ist ein Coveralbum, auf dem verschiedene Bands ihr eigenes Ding aus den alten Dingo-Songs machen. Es ist eine Ehre, da mitzuwirken. Ich bin gespannt wie es wird und ihr werdet es dann auch zu hören bekommen. Es wird etwas ganz anderes. Wir haben leider nur zwei Tage, um es aufzunehmen…

Gibt es ein bestimmtes Land, in dem ihr erfolgreich werden wollt?

Nein, auf dem ganzen Planeten. Ich meine, es ist egal, wo man spielt. Dieses Jahr haben wir die Möglichkeit, nach Argentinien und Mexiko zu gehen. Es wird unsere erste Reise nach Amerika.Ich freue mich darauf. Ich liebe es, zu reisen weil das eine schöne Möglichkeit ist, viele verschiedene Orte kennenzulernen.

Denkst du, eure Musik kann etwas „bewegen“?

Ein paar Planeten *macht komische Bewegungen mit seinen Händen*. Ich weiß nicht. Ich hoffe, die Menschen finden etwas Trost in unserer Musik und wenn sie es schaffen, dadurch ihr frustrierendes Leben zu vergessen, ist das gut, denn bei mir funktioniert es so. Ich meine, wenn Leute zu unserer Show kommen, kommen sie, um es wirklich zu genießen. Anscheinend schaffen wir es sie, sie zu überraschen und glücklich zu machen, wenn sie dann so dastehen *reißt erstaunt die Augen auf*. Und wenn man zuviel Viagra genommen hat, sollte man Negative hören, falls man Sorge hat, dass der kleine Freund nicht wieder runterkommt. Man muss nur die CD anmachen. Es ist also Anti-Viagra. Das sollte legal sein *lacht*.

 Denkst du, dass der Erfolg einer Band schlechten Einfluss auf Beziehungen haben kann? Eine Band ist schließlich mit viel Stress und Zeit verbunden…

Ach, du meinst außerhalb der Band? Ich denke, jeder sollte sein Privatleben für sich regeln. Das haben wir gelernt. Wir haben starke Wurzeln außerhalb der Band. Es ist als würde man auf einer Klippe tanzen. Wir müssen diese beiden Dinge regeln, denn ich möchte mein Privatleben, meine Freundinnen oder Frauen nicht in die Medien bringen. Ich behalte das lieber für mich. Es ist etwas wertvolles. Aber ich verstehe, dass es Teil meines Jobs ist, dass die Leute über mein Leben und was darin vor sich geht, schreiben. Es ärgert mich nicht solange ich glücklich bin. Ich denke, dass es für die andere Person schwieriger ist, bis ich z.B. von einer Tour zurückkomme oder so. Aber solange ich keine Probleme habe… *zuckt mit den Schultern*

Kannst du jedes eurer Alben mit nur einem Wort beschreiben?*

stille*Ich hatte immer noch über die letzte Frage nachgedacht… *pause* Ich hatte mal diese eine Beziehung, in der die andere Person sehr eifersüchtig war und ich bin nicht so der eifersüchtige Typ. Zu der Zeit war ich vielleicht 18. Es war sehr schwer. Wenn wir mit der Band unterwegs waren, hat die andere Person mich ständig angerufen: „Wo bist du? Was machst du gerade?“ Ich will meine Energie mit so etwas nicht verschwenden. Zu der Zeit fing ich also an, mich genauso eifersüchtig zu benehmen, aber dann dachte ich mir: „Was zum Teufel machst du da eigentlich?“ Ich bin einfach nicht der Typ für so etwas. Es funktioniert nicht, wenn der andere nicht genug Selbstvertrauen hat. Es ist wichtig, dass er sein eigenes Leben führt und eigene Interessen hat. Und es funktioniert nicht, wenn sie direkt in meiner Nähe wohnt.Also wie war die Frage? *lächelt*

Oder denkst du noch ein bisschen drüber nach…?

Nein nein! Was war die nächste Frage…?

Die nächste lautete: Kannst du jedes eurer Alben mit nur einem Wort beschreiben? Was ist das charakteristischste Merkmal von jedem Album?

War of love: Niedlich. Sweet and Deceitful war unser erstes „offizielles“ Album. Anorectic war depressiv oder auf eine Art und Weise chaotisch und Karma… entspannt *lächelt*.

Wünschst du dir manchmal, eine unbekannte Person zu sein, so dass dich niemand auf der Straße erkennt?

Nein *lacht*. Wenn ich mich jemals so fühlen werde, werde ich einen Bart tragen und… *lacht* Es ist sehr einfach für mich, hier in Finnland zu leben. Das meiste, was irgendwie mit den Fans zu tun hat, passiert sowieso wenn wir unterwegs sind. Manchmal passiert irgendwas in Restaurants… Aber ich gehe nicht mehr so oft aus. Ich bin lieber zuhause. Vermutlich bin ich ein merkwürdiger Kerl.

Und was ist mit den vielen Deutschen, die ihren Urlaub hier in Tampere verbringen? Nervt es dich nicht manchmal, dass…

Ich sehe sie nie. Also ein paar von ihnen schon, aber… Ich geh halt nicht so oft raus. Ich besorge mir mal etwas zu essen vom Markt direkt bei mir um die Ecke aber das war es auch schon. Hört sich ganz schön langweilig an. Ich schreibe neue Songs, schaue viele Filme an… so etwas eben. Ich bin nicht so der Partytyp. Das war einmal, obwohl es so schlimm auch wieder nicht war. Ich meine… Ich bin echt verdammt langweilig! Eigentlich sollte so etwas nicht zu diesem Rock’n’Roll-Ding gehören *lacht*. Ich kann noch nicht einmal lügen. Es ist ein langweiliges Leben… Nein, eigentlich ist es ganz nett *lacht*. Okay, nächste Frage.

Was denkst du über Fantattoos? Freust du dich darüber, dass manche Menschen euer Bandlogo oder eines deiner Tattoos tätowiert haben? Oder denkst du, dass sie das irgendwann bereuen?

Sie werden es eines Tages bereuen, wenn ich fett und haarig werde… *lacht* Ich denke, es ist schon toll. Es ist etwas, was ich zu Negatives Anfängen nie erwartet hätte. Sowas ist zwar nicht die Hauptsache aber es ist ein netter Nebeneffekt wenn jemand diese Negative- oder Rock’n’Roll-Sache so auslebt. Es ist ihre eigene Haut, aber es ist cool und ich denke, heutzutage machen so etwas viele Menschen.

Ich habe mal ein Mädchen gesehen, das dein Portrait auf ihrem Arm hatte und eines, das deinen vollen Namen und dein Geburtsdatum auf ihrem Arm stehen hatte…

Wirklich?? Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll… Ich dachte eher an das Negative Loge oder so etwas aber mein Gesicht… Ich weiß nicht. Es ist cool.

[die Promoterin kommt und sagt, dass wir leider nur noch Zeit für eine Frage haben]

Famous last words?

Bis bald und bleibt Negative und haltet die Augen nach unserem neuen Album auf und wir sehen uns!

Danke!

Ich danke euch.

 

Ein großes Dankeschön an Taija von ProPromotion!

Molle&Lou/Rockinwords

[Originaltranskript (englisch)]


www.negative.fi
www.negativeband.de

Negative live @ Tampere (Tammerfest) 12.07.2008

Rockintalks: Jonne Aaron (Negative)
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4 Gedanken zu „Rockintalks: Jonne Aaron (Negative)

  • 25. Juli 2008 um 11:42 am
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    Anti-Viagra *grunz*
    *haha*
    Ich bin eifersüchtig. ;p
    <333

  • 25. Juli 2008 um 7:16 pm
    Permalink

    Hallo! Supergutes Interview und gutes Video!Klasse,endlich mal konkrete Informationen zum Erscheinen von Karma Killer und DVD in Deutschland.Und es gibt bald eine Tour.Juhu! Also ab jetzt werde ich bei RockinWords regelmäßig reinschauen.Großes Lob !Liebe Grüße,Birgit

  • 28. Juli 2008 um 11:21 am
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    interview durch eine freundin gefunden! supertolles interview, jonne verpeilt, aber klasse wie immer, karma killer in deutschland—yeah!
    werde euch öfter besuchen! bin negative-süchtig, brauch mehr!
    LG claudi

  • 28. Juli 2008 um 7:47 pm
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    schönes interview :) das video dazu ist jawohl absolut genial, freu mich jetzt schon auf das neue album und vor allem auf die tour *juchuuu* ;)

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