Disco Ensemble – Afterlife
Release: 27.01.2017
Label: Fullsteam / OMN 

Es gibt ja diese typischen finnischen 08/15-Bands wie The 69 Eyes und HIM. 08/15 ist hierbei keineswegs negativ gemeint, sondern bezeichnet lediglich diese Bands, die einem bei dem Gedanken an Skandinavien sofort in den Kopf kommen. Und dann gibt es diese eine Band, die nun schon seit fast 20 Jahren in eine ganz andere Richtung unterwegs ist: Disco Ensemble. Die Band um Sänger Miikka Koivisto hat bisher fünf Studioalben herausgebracht, bevor sie sich einer Pause widmeten und der ein oder andere sich in ein Solo-Projekt vertiefte, doch nun sind sie zurück. Ende Januar erscheint das heißersehnte sechste Stück Afterlife.
Wer nun aber ein weiteres First Aid Kit erwartet, der sollte dies mal ganz schnell vergessen. Als riesiger Fan des zweiten Disco Ensemble-Albums habe ich natürlich auf so etwas in der Art gehofft, wurde jedoch enttäuscht. Das heißt nun aber nicht, dass einen mit Afterlife ein schlechtes Album erwartet. Es fehlt lediglich der Punk als auch die Hardcore-Einflüsse, die die Band sonst so großartig in ihren Songs platzierten.
 
Leider fehlt damit aber auch ein großes Stück Disco Ensemble. Vielmehr haben die Finnen ein Stück vorgelegt, was voll von unbeschwerten Pop/Rock-Songs ist, welche sich wunderbar zum Roadtrippen und Tanzen eignen würden. Was am meisten ins Ohr geht, ist zunächst Nothing More. Kennt noch jemand die Alex Max Band? Willkommen zurück! Anders kann man diesen Song kaum beschreiben. Eine Ballade, die aber durch ihre Rockelemente keineswegs langweilig klingt und hängenbleibt. Man würde zwar nicht Disco Ensemble dahinter vermuten, aber es gefällt einfach.
 
Etwas noch Ungewöhnlicheres hat die Band sich dann in der Mitte der Tracklist überlegt: Das Boot – ja, richtig. Wir sprechen hier von dem Klassiker von Alex Christensen aus den Neunzigern. Die Finnen haben jedoch daraus nichts geliehen außer der denkwürdigen Synthesizerklänge, sondern klingen ausgerechnet mit diesem Stück endlich mal wieder wie sie selber! Hoffen wir, dass sie es live spielen werden, denn das ist der Sound mit dem die Gruppe immer wieder die Massen zum tanzen bringt.
Wer mehr Hardcore-Einflüsse vermisst, wird mit Face Down In A Fountain besänftigt. Den hier kommt wieder Koivistos durchdringende Stimme zur Geltung, schnelle Synthesizerklänge beschleunigen zusammen mit den Drums den Rhythmus und es fällt schwer, bei dem Song still zu sitzen. Bitte mehr davon!
Afterlife schließt mit Midnight, einem der vielen hymnenartigen Songs, die auf dem Album zu finden sind. Ein schöner Abschluss, wenn er nicht leider wie ungefähr 75% des Longplayers klingen würde.

 
Fazit:
Wenn man schon seit über 10 Jahren Disco Ensemble hört und sie gerade wegen ihres ungewöhnlichen Stils zu schätzen weiß, ist man doch überrascht von dem, was sich einem hier bietet. Für Hörer, die seichte Pop/Rock-Songs und Möchtegern-epische Stücke mögen, ist das Album sicherlich fantastisch, aber für die Fans, die gerade aufgrund des Talentes der Finnen doch etwas anspruchsvoller sind, könnte Afterlife eine Enttäuschung sein. Wünschen wir der Band trotz allem weiterhin nur das Beste und auf dass sie sehr bald wieder deutschen Boden betreten und uns live noch einmal – auch von ihren älteren Stücken – restlos überzeugen.

Molle/Rockinwords
 
http://discoensemble.comhttps://www.facebook.com/discoensemble

Rockinrecords: Disco Ensemble – Afterlife
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