Brand New – Science Fiction
Release: 18.08.2017
Label: Procrastinate Music Traitors

Eigentlich total langweilig, über dieses Album eine Review zu schreiben. Zum einen gibt es schon einen Haufen davon, die fast alle nur Dasselbe sagen. Denn zum anderen gibt es an dieser Veröffentlichung quasi nichts zu meckern. Aber gerade darum gibt es nun auch diese Review, denn das Folgende kann nicht oft genug gesagt werden: Science Fiction ist bisher DAS Rock-Album des Jahres.

Und es kam doch recht plötzlich. Nachdem das Release Date im letzten Jahr noch nach hinten verschoben wurde, konnte man sich nach Wochen der Hinweise und Andeutungen am 15. August das Album als Vinyl vorbestellen, mit offiziellem Release im Oktober diesen Jahres. Umso überraschter müssen die glücklichen Vorbesteller gewesen sein, als sie plötzlich drei Tage später eine CD mit einem 61 Minuten langen Track (=das gesamte Album) im Briefkasten hatten. Trotz fehlender Presse-Arbeit im Vorfeld also keine klassische „Beyoncé“, dennoch eine große Überraschung mit einem intimen Punk-Beigeschmack. Seitdem überschlägt sich das Internet mit Lobpreisungen und das zu Recht, meiner Meinung nach.

Eröffnet wird das Album von einem Intro im Dokumentarstil, eine Tonaufnahme einer Traum-Analyse, erst nach anderthalb Minuten beginnt der eigentliche Opener Lit Me Up, ein melancholischer Song mit ruhiger Energie. Getragen wird er zum einen von den melodischen Klängen einer verzerrten Gitarre, zum anderen von Jesse Lacey und seinem Gesang. Beides im Zusammenspiel ermöglichen dem ruhigen Song eine Stärke, wie wir es sonst nur von Bands wie Bush und Nine Inch Nails gehört haben. Einer der stärksten Songs des Albums.

Das folgende Can’t Get It Out wiederum schlägt in die Pop-Punk-Kerbe: Mid-Tempo, eingängige Melodien mit leidend vorgetragenem Chorus. Spätestens hier wird jedoch klar, dass Brand New auf dieser Platte eine ruhigere Gangart anschlagen, die eine erstaunliche Vielfalt unterschiedlicher Sounds und Genres hervorbringt: einen Touch Blues hier (Waste, 451), klassischer Folk dort (Could Never Be Heaven), eine Prise Grunge an anderer Stelle (No Control) und so weiter und so fort. Das fühlt sich an keiner Stelle falsch oder unpassend an, sondern ist Zeugnis eines richtig starken Songwritings. Die 8 Jahre Wartezeit haben sich wirklich gelohnt.

Meine zwei persönlichen Highlights sind neben dem Opener die Songs 451 und Song Same Logic / Teeth: Hier ist der absolute Höhepunkt im Zusammenspiel von Gitarren, Bassgitarre und Laceys Gesang erreicht, die die Hörer*innen durch den Wechsel von Laut und Leise, von frenetisch leidend und melancholisch führen. Man möchte sich reinlegen in diese Songs.

Fazit:
Wer auf härteres oder schnelleres Material gehofft hat, hat jedes Recht, bei diesem Album enttäuscht zu sein. Aber auch nur dann und selbst dann halte ich die Erwartungen für naiv. Brand New sind lang genug im Geschäft, um sich von ihren Emo- und Pop-Punk-Wurzeln zu entfernen und die Stimme zu schonen. Textlich ist es immerhin so düster und emotional wie eh und je, während musikalisch vor allem im Tempo zwei Gänge runtergeschaltet wurde. Intensiv bleibt es trotzdem und das ist doch die große Kunst. Eine große Frage bleibt aber noch: Ist das hier wie angekündigt wirklich das letzte Album der Band? Schade wäre es.

Penny/Rockinwords

http://www.fightoffyourdemons.com
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