Am 04.06.2008 spielten HIM ein exklusives Konzert im Rahmen des O2 Music Flash in Köln. In Zusammenarbeit mit dem Heartagram Club Germany hatten wir die Chance, der Band vor dem Auftritt einige Fragen zu stellen. Wir sprachen über illegale Downloads, das Helldone Festival, welches die Band jedes Jahr zu Silvester organisiert und die besten Momente ihrer Karriere…die Antworten waren teilweise lustig – und teilweise überraschend direkt.

 

10min. Video Zusammenschnitt ansehen:

Das ist euer erstes Konzert seit einigen Monaten. Habt ihr die freie Zeit genossen?

Ville: Ich weiß nicht, was die anderen gemacht haben. Ich war die ganze Zeit nur zuhause in Finnland. Ich habe mir die Gutter Twins in Stockholm angeguckt. Näher bin ich nicht an Rock’n’Roll rangekommen. Ist ja eigentlich schon traurig…

Migé: Stockholm Rock City!

Ville: Ja. Das war lustig.

Können wir uns darauf freuen, heute oder bei den Sommerfestivals, Lieder zu hören, die ihr schon lange nicht mehr gespielt habt?

Ville: Naja, also für uns ist es schon eine lange Zeit, anderthalb Monate lang kein Konzert zu spielen. Ein Lied zu spielen, welches wir seit anderthalb Monaten nicht mehr gespielt haben, und das richtig gut zu machen, wäre für uns…

Migé: Ein Wunder!

Ville: Ein Wunder. Ein persönlicher Erfolg. Als würde man die Himmelspforten erreichen.

Naja, sagen wir mal „eine lange Zeit” ist über ein Jahr.

Ville: Ooooh… naja also in diesem Sinne… Wir haben ein Lied, welches wir nicht auf Konzerten gespielt haben, das ist Rebel Yell. Ich bin mir nicht sicher, ob wir es heute spielen werden. Wir üben es immer noch für Bam. [Anm: Damit ist wahrscheinlich Bam Margera’s neuer Film gemeint]. Vielleicht werden wir versuchen, es zu spielen.

Gas: Ich bin mir nicht sicher, ob es heute sein wird, aber das werden wir.

[Seppo, der Manager der Band, kommt rein]

Migé: Unser Manager wirkt sich einfach furchtbar auf die Psychologie der Band aus!Schrecklich! Er zerschmettert die Moral der Band!

Ville: Er kann gut mit Geld und Verträgen umgehen, aber…

Migé: Weißt du, ich habe mich ziemlich gut gefühlt, bevor wir hierhin losgefahren sind, aber jetzt fühle ich mich miserabel! Jetzt will ich nach Hause! Und das ist Seppos Schuld!

Ville: Ahahahahahaha!

Migé: Seppo, unser Manager.

Ville: Seppo macht mich nervös…

Migé: Und er stiehlt… Geld.

Ville: Besonders, wenn er hinter mir steht!

Sollen wir mal weitermachen?!

Ville: Sicher…

Migé: Ich kann kein Interview machen, wenn Seppo im Raum ist! Er soll rausgehen und sich in den Regen stellen!!!

[Seppo geht raus]

Ville: Sicher…

Letztes Jahr wart ihr Vorband für Metallica und ihr wurdet ja nicht mit allzu viel Enthusiasmus empfangen… das habe ich zumindest aus dem Internet mitbekommen…

Migé: Internet ist für Pornos da!!! Aber…erm. Ja, du hast schon recht, wir wurden nicht so gut aufgenommen, das stimmt.

Ville: Also Oslo lief ja eigentlich ziemlich gut.

Migé: Ja, das war gar nicht mal so schlecht. Ich meine, es hätte auch viel schlimmer laufen können.

Ville: Viele Leute haben über die Reaktionen in England geschrieben. Als wir im Wembley Stadium gespielt haben.

Ja, genau.

Ville: Aber die Leute vergessen immer sehr schnell, dass, wenn da 60 000 Leute sind, es schon ausreicht, wenn 1000 Leute, die in den ersten Reihen stehen, uns nicht mögen. Die Journalisten achten nämlich dann nur auf sie. Weil sie für Zeitschriften arbeiten, haben sie die Möglichkeit, an VIP-Pässe zu kommen. Die müssen sich nicht wie normale Menschen anstellen und haben die besten Plätze im Saal. Wenn dann diese 1000 Leute nicht klatschen, sehen sie nur das und nichts anderes und schreiben dann darüber.Das war also eigentlich gar nicht so schlimm. Überhaupt nicht. Wir haben viel schlimmere Gigs gespielt, wo die Leute uns so richtig gehasst haben. Metallica war in Ordnung. Es war… eine Herausforderung. *denkt nach* *lacht* Und ja, wir wurden gehasst. Aber sanft gehasst.Aber letzten Endes muss man auch bedenken, dass Metallica ungefähr hunderttausend Alben verkauft haben. Und es gibt noch mal hunderttausend junge Metalfans auf der Welt. Das ist eine Crossover Band und viele verschiedene Menschen mögen sie. Und ich glaube, jeder aus unserer Band ist mit ihrer Musik aufgewachsen. Und Metallica haben uns gefragt ob wir das machen wollen. Also fühlten wir uns a) geehrt und b) haben wir uns gedacht, dass, wenn wir einige Lieder vor ihnen spielen, wir vielleicht die Möglichkeit haben werden, viele Menschen zu erreichen, die uns vorher nicht kannten und auch unser Image zu verbessern. Viele Menschen haben ja ein bestimmtes Bild von uns, durch Magazine oder was auch immer, dass wir eine Popband wären, oder eine reine Gothband oder was auch immer… die wir ja natürlich immer noch sind *lacht*.

Machen euch schlechte Kritiken was aus, wenn sie nicht konstruktiv sind sondern eigentlich nur aus Vorurteilen bestehen?

Ville: Nein tun sie nicht. Ich lese eigentlich nicht viele davon. Schließlich hat ja auch jeder seine eigene Meinung. Ich kann mich noch an ein richtig richtig beschissenes Review von einem finnischen Festival erinnern, vor 3 Jahren oder so. Und es war von einem Freund geschrieben… oder… ja, einem Bekannten. Nolle. Später habe ich herausgefunden, was der Grund für dieses scheiß Review war. Der hatte zwei Flaschen Vodka intus und ist mit seiner Freundin nicht mehr in den VIP-Backstage-Bereich gekommen. Da gibt’s viele ähnliche Geschichten.

Migé: Wir haben also daraus gelernt, dass wir Nolle mit seiner Freundin in den VIP-Bereich hätten reinlassen sollen. Das nächste Mal erinnern wir uns daran. Und dann schmeißen wir den auf eine spektakulärere Art und Weise wieder raus.

Ville: Nolle steht natürlich auf meiner Prioritätenliste ganz oben.

Migé: Ja, Nr. 1!

Ihr habt kürzlich eure erste richtige Live-DVD rausgebracht. Leider war es schon vor dem Release im Internet. Sowas passiert ja ständig. Macht es euch was aus?

Ville: Natürlich macht es uns was aus, aber es wird ja alles geleakt. Meistens passiert das ja mit Presse-Demos. In diesem Fall tut es uns nicht so sehr weh, weil es eine Live-DVD ist. Wir haben jedoch hunderttausende von Dollar ausgegeben, um das Ding zusammen zu bekommen und wir haben bereits 2005 mit der Planung angefangen. Es wäre also schön, wenn wir das Geld auch mal wieder rein bekommen und nicht der Plattenfirma eine Menge Geld schulden würden, weil die Leute uns bestehlen. Es wird uns ganz sicher nicht zu Millionären machen. Es geht nur um den Kostenausgleich, weil wir der Plattenfirma eine Menge Geld schulden. Und das sind die Fans, die unsere Schulden immer weiter in die Höhe treiben. Vielen Dank dafür.

Was ist mit dem Helldone Festival dieses Jahr? Letztes Jahr war in der Presse, dass ihr das größer machen wollt. Was ist daraus geworden?

Ville: *lächelt* Naja, der Plan war, dass die Band größer wird. Aber leider ist daraus nichts geworden. Wir sollten anfangen zu essen… dann vielleicht… wenigstens physisch…Es gibt nicht so viele grosse Venues in Helsinki.

Aber wolltet ihr das nicht auf verschiedene Clubs ausweiten?

Ville: Naja, da gab es eine Menge verschiedener Diskussionen. Aber es gibt auch viele Bands, wie Nightwish oder Sonata Arctica oder eine Halle, die man Nosturi nennt, die angefangen haben die gleiche Idee zu benutzen, als sie begriffen haben, dass viele Menschen für das Helldone nach Helsinki reisen. Die haben dann angefangen, um diese Zeit rum ihre eigenen Gigs zu spielen. Wir haben diese Leute und diese Bands gefragt, ob sie ein Teil vom Helldone werden wollen, sodass wir dann so eine Art Großfamilien-Festival gehabt hätten. Aber sie wollten nur ihr eigenes Publikum. Wir haben Nightwish gefragt, ob sie spielen wollen usw., aber sie wollten nur ihr eigenes Konzert zwei Tage später machen. Habgier ist schon sehr mächtig.

Migé: Es ist nicht alles so wie es zu sein scheint in Kitee. [Anm: Kitee ist die Heimatstadt von Nightwish]

Es gibt HIM nun schon seit über 10 Jahren. Könnt ihr einige Momente rausfiltern, die am erinnerungswürdigsten sind?

Ville: *lächelt* Am erinnerungswürdigsten oder am besten?

Erm, sucht euch was aus.

Migé: Es ist mir eben schon eingefallen, wo wir über Nolle geredet haben. Ich würde sagen, Nolle’s Stiefel zu finden war so ein Moment.

Ville: Das ist aber eine alte Geschichte.

Migé: Nein, ist es nicht, dadurch sieht man, dass man im Privatleben und dadurch auch in der Musik, so viel machen kann…

Ville: Ja, und was ist jetzt die Geschichte?

Migé: Nee, da will ich jetzt nicht so ins Detail gehen…

*allgemeines Gelächter*

Migé: Naja, wir sollten vielleicht nicht so ins Detail gehen, weil Nolle vielleicht nicht alle Details kennt.

Ville: Also, Nolle ist dieser Journalist aus Finnland und wir haben ihm in die Schuhe geschissen und gekotzt und gepisst.

Migé: Und gewichst.

Ach wie nett…

Ville: Ja, das ist also die Geschichte.

Migé: Und unser erster Keyboarder Antto kam dann rein… *alle lachen*. Ja, also ich hab dir gesagt, dass ich das eigentlich nicht erzählen wollte. Aber, naja, ne.

Ja… noch mehr Erinnerungswürdiges? Oder Bestes?

Ville: Erm. *lacht*

Migé: *lacht* Ja, mir wird jetzt klar, dass ich das nicht gleich als erstes hätte erwähnen sollen, sondern vielleicht als drittes oder viertes. Das ist jetzt natürlich danach schwierig.

Ville: Also der Gig in San Francisco letztes Jahr war sehr gut. Wir haben im Warfield gespielt. Es war ein gutes Konzert und ein netter Club, also war es erinnerungswürdig. Wenn man das jetzt auf die Karriere bezieht, dann wäre das: Die Aufnahme der ersten Demo, der erste Plattenvertrag, die erste goldene Platte, die erste goldene Platte in Deutschland. Die erste goldene Platte in Amerika. Die Karrierehighlights eben, aber die sind sichtbar. Aber ich sehe die Highlights etwas persönlicher, jetzt für uns als Band. Die Höhen und Tiefen der Musikindustrie und auch des Lebens generell.

Setzt ihr euch immer noch irgendwelche Ziele oder habt ihr schon alles erreicht, was ihr je erreichen wolltet?

Ville: Klar haben wir das *lacht*. Nee, also das Ziel ist erstmal, die Gigs im Sommer gut zu spielen. Was danach ist, weiss niemand. Es ist vielleicht auch am besten so. Wir hatten viele Zukunftspläne in den letzten 10 Jahren. Es ist vielleicht besser, wenn dieses eine Märchen ein offenes Ende hat.

Kannst du eine einzelne Textzeile nennen, die du als die Beste siehst, die du je geschrieben hast?

Ville: *denkt nach* Eine einzelne Zeile…*denkt* ja *denkt* nein, warte mal. Es gibt da so viele Sachen. Ich mag: “My heart‘s a graveyard baby and to evil we make love on our passion‘s killing floor”. Ich mag den Charakter davon, die Form und den Doom.

Gibt es eine Frage die ihr immer schon gestellt bekommen wolltet und falls ja, was wäre die Antwort?

Ville: Wir sind ja mit der Möglichkeit gesegnet worden, mit vielen Journalisten aus der ganzen Welt zu reden. Journalisten sind auch nur Menschen und sie haben viele Fragen, die wir versuchen so gut es geht zu beantworten. Mir fällt keine Frage ein, die wir noch nicht gestellt bekommen haben. Ich sollte mich vielleicht mal selber interviewen.

Ok, vielen Dank für das Interview!

Vielen Dank an Silke Yli-Sirniö und Seppo Vesterinen für die spontane und unkomplizierte Organisation!

Vika/Rockinwords + Sarah/Heartagram Club

[Originaltranskript (englisch)]

www.heartagram.com
www.myspace.com/heartagram_de

HIM live @ O2 Music Flash, Köln, 04.06.2008 

Rockintalks: HIM
Markiert in:        

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

This blog is kept spam free by WP-SpamFree.